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Markus Wasmeier: „Es verläuft nicht immer alles geradeaus“

Früher Skiprofi, heute Autor: Markus Wasmeier plädiert in seinem Buch „Dahoam“ dafür, in schwierigen Zeiten nicht aufzugeben. Fotos Andrae

Früher Skiprofi, heute Autor: Markus Wasmeier plädiert in seinem Buch „Dahoam“ dafür, in schwierigen Zeiten nicht aufzugeben. Fotos Andrae

„Markus Wasmeier hat ein Buch geschrieben und ist gerade zu Besuch“, informiert Julia Krücken, Inhaberin des Hollenstedter Ankerherz Verlages, in der benachbarten Schinkenräucherei. Der Olympiasieger? In der Nordheide? Genau.

Von Kirsten Andrae Samstag, 09.12.2017, 18:00 Uhr

Lust auf ein Interview mit dem TAGEBLATT hat der Bayer auch. Ein Gespräch mit Wasmeier und Stefan Krücken, Co-Autor und Herausgeber von „Dahoam“, über die gemeinsame Arbeit, Schicksalsschläge, Werte und Heimat.

TAGEBLATT: Herr Wasmeier, wie sind Sie darauf gekommen, ein Buch über Heimat zu schreiben?

Markus Wasmeier: Das bin ich im engeren Sinn gar nicht. Das war Bobby Dekeyser, ein Freund, der vor fünf Jahren das Buch „Unverkäuflich“ für den Ankerherz Verlag geschrieben hat und meine Lebensgeschichte kannte. Stefan Krücken und ich haben uns daraufhin kennengelernt, so ist die Sache entstanden.

Hat die Zusammenarbeit von Anfang an gut funktioniert?

Wasmeier: Ja. Denn die Chemie zwischen Stefan und mir hat schon mal gestimmt, wir haben die gleiche Wellenlänge. Ich habe ihm erst einmal meine ganze Geschichte erzählt. Danach haben wir geschaut, was rein soll in das Buch und auf was wir verzichten wollen.

Wenn zwei Autoren an einem Buch arbeiten – wie sieht das in der Praxis aus?

Wasmeier: Ganz unterschiedlich. Wir haben uns getroffen. Dann ist viel geschrieben worden von Stefan. Danach habe ich inhaltlich korrigiert. Es ist ja eine Menge passiert im Laufe meines Lebens, da konnte Stefan nicht im Detail wissen, wie alles genau abgelaufen ist. Und wenn ich auf meine Art geschrieben hatte, hat Stefan es verfeinert und leserfreundlich umgeformt. Bei mir ist zum Beispiel der bayerische Akzent sehr stark, auch im Schriftlichen, das musste natürlich geändert werden. Da war Stefans journalistisches Handwerk gefordert, da bin ich ganz ehrlich (lacht). Wie ich Skifahren kann, kann Stefan eben schreiben. So ging es hin und her, und am Ende war die Geschichte rund.

Wo haben Sie sich getroffen?

Wasmeier: Meistens bei mir im bayrischen Schliersee.

Krücken: Gegen Ende des Projekts waren wir ein paar Tage an der Nordsee. Wenn es um den Feinschliff geht, dann will man noch mal irgendwo sein, wo es andere Reize gibt und wo man den Kopf ganz frei hat von seinem alltäglichen Umfeld. Ganz am Schluss haben wir von zu Hause ziemlich oft hin und her gemailt, die letzte Detailarbeit am Ende eines Buches ist immer sehr umfangreich.

Wie lange hat die Arbeit von der Idee bis zur Erscheinung gedauert?

Krücken: Vier Jahre.

Wasmeier: Zwischendurch gab es auch immer mal Pausen, weil wir beide ja noch andere Projekte haben. Wir haben uns genügend Zeit genommen – was ich sehr gut finde.

Worum geht es im Buch vor allem? Um das Privatleben? Oder auch um die sportliche Karriere?

Wasmeier: Eigentlich um alles. Es geht um die Familie, die Krebserkrankung meiner Frau Brigitte, um Niederlagen, Siege, meine Skifahrerkarriere. Auch um die Zeit danach, als ich mein Freilichtmuseum, ein altbayrisches Dorf, aufgebaut habe; mit all seinen Schwierigkeiten, denn es ist ja nicht einfach, so etwas auf die Beine zu stellen. Und es geht auch darum, dass das Leben so manche Überraschung bereithalten kann. Es verläuft ja nicht immer alles geradeaus.

Zum Beispiel die schwere Krebserkrankung Ihrer Frau Brigitte, die sie mittlerweile überwunden hat.

Wasmeier: Ja. So ein Schicksalsschlag gehört auch zum Leben. Das ist auch ein Teil meiner Geschichte. Meine Frau ist wieder gesund geworden, aber wir sind durch eine schwere Zeit gegangen. Mein Buch soll in diesem Zusammenhang auch Mut machen.

Wie haben Ihre drei Söhne reagiert, nachdem sie das Buch gelesen hatten?

Wasmeier: Ich war gerade bei Dreharbeiten in Spanien und habe Mails von ihnen bekommen. Allein diese Nachrichten waren es wert, das Buch geschrieben zu haben. Meine Kinder waren sehr ergriffen. Manches hatten sie auch noch gar nicht gewusst.

Sie sind in der Welt herumgekommen. In Ihrem Buch plädieren Sie für traditionelle Werte und Heimat. Was genau bedeutet Heimat für Sie?

Wasmeier: Der Mensch geht ja generell immer auf Reisen, das ist seit Tausenden Jahren so. Ich bin auch weit gereist. Ich war gern unterwegs. Für mich ist Heimat auch kein spezieller Ort, sondern ein Gefühl. Heimat ist da, wo alles zusammenpasst, wo man sich wohlfühlt, wo immer eine Tür offensteht.

Herr Krücken, was war Ihr Beweggrund, das Buch zu verlegen?

Krücken: Es gab verschiedene Gründe. Ich fand Markus sympathisch und seine Lebensgeschichte faszinierend. Besonders den Aspekt, dass und wie Markus auch sehr schwierige Phasen gemeistert hat. Die Überschrift „Heimat“ entstand erst bei der Arbeit an dem Buch, weil wir viel darüber redeten, wer wir sind und woher wir kommen. Und heutzutage, im Rahmen der Flüchtlingsdebatte, geht es bei dem Begriff Heimat ja auch um das Selbstverständnis des Landes. Markus hat eine interessante Sichtweise, die ich sehr schätze: Er plädiert für Werte, die schon konservativ sind – aber eben weltgewandt konservativ, immer gepaart mit Neugier, Offenheit und Toleranz.

Herr Wasmeier, was ist die Botschaft Ihres Buches? Und für welche Leser empfiehlt es sich?

Wasmeier: Es ist ein Plädoyer für gute Werte, zum Beispiel Freundlichkeit und Toleranz. Es soll Menschen in Zeiten von Niederlagen motivieren; da kann es sicher als eine Art Ratgeber funktionieren.

„Dahoam: Zwischen Schliersee und Tokio – Warum es wichtig ist, in einer unruhigen Welt Werte zu leben“ heißt das Buch von Markus Wasmeier, das im Ankerherz Verlag erschienen ist. Es umfasst 230 Seiten, die gebundene Ausgabe kostet 29,90 Euro.

Markus Wasmeier, Jahrgang 1963, ist Deutschlands erfolgreichster Skiläufer. Der zweifache Olympiasieger und Weltmeister lebt nach seinem Karriereende in seiner Heimat am Schliersee. Dort widmet er sich seinem Freilichtmuseum: Wasmeier, der verheiratet ist und drei Kinder hat, baute ein altbayrisches Dorf wieder auf.
Stefan Krücken (Foto), Jahrgang 1975, arbeitete weltweit als Journalist. 2007 gründete er mit seiner Frau Julia den Ankerherz Verlag in Hollenstedt.

Markus Wasmeier: „Es verläuft nicht immer alles geradeaus“

 

Ida Lynn Korzeniowski, 9 jahre alt, Schülerin aus Buxtehude. Sie singt im Stieglitz-Kinderchor.

„Ich lese gerade Schnüpperle. Jeden Tag eine Adventsgeschichte. Es handelt um einen kleinen Jungen (Schnüpperle) und was er mit seiner Familie die Tage vor Weihnachten erlebt. Das Buch lese ich sehr gerne, weil auch mein Papa es schon als Kind gelesen hat und weil die Geschichten so lustig sind.“

Der Roman „Was man von hier aus sehen kann“ ist mein Herzensbuch 2017. Mariana Leky erzählt darin mit viel Zärtlichkeit, Klugheit und Witz über ein Dorf im Westerwald.

Hier lebt Selma, eine alte Westerwäldlerin, welche den Tod voraussehen kann. Immer wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Leky in ihrem Roman.

Ihr gelingt dabei ein Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe unter schwierigen Vorzeichen. Liebe, die scheinbar immer die ungünstigsten Bedingungen wählt. Für Luise zum Beispiel, Selmas Enkelin, gilt es viele tausend Kilometer zu überbrücken. Denn der Mann, den sie liebt, ist zum Buddhismus konvertiert und lebt in einem Kloster in Japan.

Oder für den „ Optiker“ , der in einem Koffer seine angefangenen Liebesbriefe sammelt und seiner Hoffnung, diesen Koffer irgendwann seiner Geliebten zu überbringen.

Wie Innigkeit und Geborgenheit gelingen kann zwischen den Menschen gegen viele Widerstände, Zeitverschiebungen, Unwägbarkeiten – zeigt dieses ebenso kluge wie märchenhaft berührende Buch.

Als Hörbuch ist es wunderbar, lakonisch und zugleich zartfühlend von Sandra Hüller eingelesen worden.

Mariana Leky ist zu einer Lesung am 25. Juni 2018 in die Buchhandlung Literatur im Zimmer eingeladen.

Das Buch „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky kostet 20 Euro (320 Seiten, DuMont Buchverlag).

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