Matrix erlöst die Stadt und baut das Parkhaus
Sie weisen der Stadt den Ausweg aus der Sackgasse: Die Firma Matrix aus Hamburg wird das Parkhaus am Pferdemarkt bauen. Die Stadt ist damit nach zwei erfolglosen Ausschreibungen eine große Sorge los. Der Rat hat am Montagabend im nicht öffentlichen Teil diese Regelung abgesegnet.
Auf diese Nachricht haben die Menschen in Stade lange warten müssen: „Matrix beabsichtigt, mit der Errichtung des Parkhauses zeitnah zu beginnen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt vom späten Montagabend. Matrix ist die Immobilienfirma, die das neue Geschäftshaus auf dem alten Hertie-Gelände errichtet und noch im Dezember eröffnen will.
Die Stadt hatte sich gegenüber Matrix vertraglich verpflichtet, zu diesem Zeitpunkt ein Parkhaus mit 500 Stellplätzen zu eröffnen. Vom Parkhaus an der Stockhausstraße führen zwei Fußgängerübergänge zum Geschäftshaus und eine Rampe für Autos, die auf dem Dach des neuen Gebäudes weitere 100 Parkplätze erschließt. Für die Geschäfte im neuen Einkaufszentrum sind die Stellflächen existenziell, auch die Kaufleute aus der Stader City warten händeringend auf zusätzliche Kapazitäten, weil offensichtlich Parkplätze fehlen.
Die Stellungnahme aus dem Rathaus klingt erleichtert: „Damit kann die Stadt einen sonst wahrscheinlich jahrelangen Rechtsstreit sowie ein enormes Schadensersatzpotenzial abwenden.“ Matrix verzichtet laut Stadt auf Schadensersatzansprüche und will die Sache selbst in die Hand nehmen, nachdem die Stadt mit zwei offiziellen und sehr aufwendigen Verfahren letztlich an der guten Baukonjunktur, aber auch an dem bautechnisch schwierigen Vorhaben in der Altstadt gescheitert ist. Aufseiten der Wirtschaft bestand kein konkretes Interesse an dem Objekt, das sich die Stadt insgesamt zehn Millionen Euro kosten lassen will.
Matrix werde das Parkhaus auf eigenes Risiko und in eigener Verantwortung bauen und sich dabei an die Pläne der Stadt halten. Das Verfahren nennt sich Selbstvornahme. Der Bau wird auf einem städtischen Grundstück errichtet und geht anschließend in den Besitz der Stadt über, die Matrix dafür „einen pauschalierten Aufwendungsersatzanspruch“ zahlt. Wie hoch die sein wird, steht noch nicht fest. Matrix-Chef Olaf Heinzmann hält sich bedeckt, verweist auf die gemeinsame Pressemitteilung mit der Stadt: „Wir freuen uns über die politische Entscheidung im Sinne des Projektfortganges.“
Ursprünglich hatte Matrix wenig Interesse gezeigt, das Parkhaus in Verbindung mit dem neuen Geschäftshaus zu bauen, weil das nicht zu ihrem direkten Geschäftsfeld gehört. Die Stadt sprang ein, kaufte das alte Parkhaus und die neuen Matrix-Pläne und entwickelte sie weiter. Diese Pläne, unter anderem mit einem lange haltbaren Asphalt als Belag, will jetzt wiederum Matrix umsetzen. Das hätten alle Beteiligten auch einfacher haben können.
Die SPD-Fraktion hat auf die neue Situation reagiert. Sie geht davon aus, dass das Parkhaus bis Ende des kommenden Jahres gebaut werden kann. Vorsitzender Kai Holm: „Wir freuen uns sehr.“ Es sei im Interesse der Stadt und des Investors, dass weitere Verzögerungen vermieden werden können. Wer verödete Innenstädte vermeiden will, müsse ausreichende Pkw-Parkmöglichkeiten vorhalten. Die Politik müsse sich nach Fertigstellung Gedanken machen, ob ein Betrieb in städtischer Hand sinnvoll ist oder die Parkhäuser / -garagen an private Betreiber verkauft werden sollen.