Meta bringt KI-Brille mit Display auch nach Deutschland
In den USA kam die Display-Brille bereits Ende vergangenen Jahres auf den Markt. Foto: Andrej Sokolow/dpa
Um Kamera-Brillen unter anderem von Meta gibt es aktuell Datenschutz-Debatten. Der Facebook-Konzern prescht aber voran und bringt in Deutschland ein Modell mit Display auf den Markt.
Menlo Park. Der Facebook-Konzern Meta bringt seine KI-Brille mit Kamera und kleinem Display inmitten einer laufenden Datenschutz-Debatte auch nach Deutschland. Das Gerät wird knapp ein Jahr nach dem US-Start ab dem 13. Oktober zum Preis von 899 Euro in mehreren europäischen Ländern verfügbar sein, wie das Unternehmen auf seiner Entwicklerkonferenz Meta Connect ankündigte.
Meta hat auch verschiedene KI-Brillen mit Kamera ohne Display im Angebot und stellte auf der Connect zudem ein neues Modell ohne eine Kamera vor. Die Kameras in den Brillen sind nicht nur dafür da, Fotos und Videos aufzunehmen, sondern sollen auch Künstlicher Intelligenz (KI) von Meta vermitteln, was die Nutzer gerade sehen, damit sie ihre Antworten darauf anpassen kann.
Ein helles Licht zeigt an, wenn die Kamera aktiv ist. Zugleich gab es zuletzt Kontroversen um die Geräte. Einige Nutzer versuchten, das Licht zu verdecken oder zu entfernen, andere nahmen damit etwa Belästigungen auf und veröffentlichten sie online. Auch in Europa gibt es Forderungen, Kamera-Brillen zu verbieten.
Meta-Manager: Bekämpfen missbrauch
Meta gehe gegen Missbrauch vor, sagte der zuständige Top-Manager Alex Himel der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Entwicklermesse Meta Connect. „Wir nehmen das sehr ernst.“ Alle Brillen, bei denen das Anzeige-Licht manipuliert worden sei, seien abgeschaltet worden. Und es habe sich um weniger als 0,1 Prozent der Geräte gehandelt.
Zudem scanne Meta Plattformen wie Instagram und Facebook, um Videos mit Belästigungen zu finden – „und dann löschen wir nicht nur die Inhalte, sondern blockieren auch die Accounts“. Schließlich versuche Meta, bekannter zu machen, dass das Licht auf eine laufende Kamera hinweise. „Wir wollen, dass die Leute das wissen.“ Aus Sicht von Meta ist die Anzeige auch deutlicher sichtbar als bei anderen Arten von Geräten, mit denen man Aufnahmen machen kann.
Konzernchef Mark Zuckerberg kündigte auf der Connect zudem an, dass einige Interaktionen der Nutzer mit ihren Brillen mit Komplettverschlüsselung verarbeitet werden sollen, so dass auch Meta keinen Zugriff auf die Daten haben werde.
An der Brillen-Version ohne Kamera habe Meta zwei Jahre gearbeitet, sagte Himel. Sie sei für die Situationen gedacht, in denen Audio ausreiche. Die Modelle sind äußerlich kaum von einer herkömmlichen Brille zu unterscheiden und die Batterie kann praktisch den ganzen Tag halten.
Keine allgemeine Gesichtserkennung
Im Winter hatte es Berichte gegeben, wonach Meta erwäge, Funktionen mit Gesichtserkennung auf die Brillen zu bringen. Der Software-Code, der darauf hinwies, verschwand dann im Sommer wieder. Himel betonte, Meta habe „absolut kein Interesse“, eine Datenbank aufzubauen, mit der man Fremde identifizieren könnte, oder auch nur die Nutzung einer solchen Funktion auf den Geräten zuzulassen.
Es könne aber auch differenzierte Szenarien geben wie Hilfe für Sehbehinderte oder Situationen, in denen die KI Nutzern helfen könnte, sich an Namen von Bekannten oder Kollegen zu erinnern. „Aber wenn wir so etwas entwickeln sollten, müssten wir das mit viel Bedacht und verantwortungsvoll machen“, sagte Himel. Aktuell wende Meta aber „nicht viel Zeit oder Energie“ auf solche Ideen auf, betonte er.