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Metronom-Mitarbeiter in Sorge

Die Betriebsräte von Netinera und Metronom, Hans-Jürgen Hauschild und Andreas Panczyk (rechts), sind besorgt.

Die Betriebsräte von Netinera und Metronom, Hans-Jürgen Hauschild und Andreas Panczyk (rechts), sind besorgt.

Die betroffenen Metronom-Mitarbeiter sind besorgt und enttäuscht. Die Betriebsräte üben Kritik an Bund und Land. Die Deutsche Bahn - ausgestattet mit Milliarden aus dem Bundeshaushalt - dränge "mit Kampfpreisen" aggressiv in den Markt, um sich wieder das Monopol zu sichern.

Von Björn Vasel Mittwoch, 05.10.2016, 09:29 Uhr

Es gebe  keinen richtigen Wettbewerb auf der Schiene. Und: Nur der Preis, nicht die Service-Qualität zähle bei den Ausschreibungen des Landes, klagen die Betriebsräte Hans-Jürgen Hauschild und Andreas Panczyk. Sie fragen sich: Wie hat es die DB Regio trotz höherer Lohnkosten schaffen können, den Metronom zu unterbieten?

Bis zu 65 Mitarbeiter, Zugbegleiter und Lokomotivführer, müsste die DB Regio AG  nach dem Zuschlag für die Strecke "Cuxhaven - Hamburg" im Zuge des Betriebsübergangs übernehmen. Die sind in Sorge, sie wissen nicht, ob die Bahn (nach dem Betriebsübergang) die übertariflichen Leistungen - wie Altersversorgung und Energiesparprämien - und längere Ruhezeiten garantieren wird (und welcher Tarifvertrag auf der Strecke gelten wird).

Dazu will sich die Deutsche Bahn noch nicht äußern. Und: Offen ist, ob die Bahn  mit einer Tochtergesellschaft fahren wird und welche Standorte geplant sind. Wenn Cuxhaven und Stade wegfielen, wären die Kollegen länger zur Arbeit unterwegs.

Hauschild, Vorsitzender des Netinera-Konzernbetriebsrates, moniert, dass es keinen Bonus gab; der Metronom sei auf der Strecke - im Gegensatz zur DB früher - immer mit sauberen Zügen gefahren, auch das Alkoholverbot habe der Metronom mit hohen Kosten durchgesetzt. Hinzu kamen unter anderem Leistungen wie zusätzliche Servicezeiten, in denen das Personal ansprechbar für Bahnkunden ist - auf dem Bahnsteig und im Servicebüro in Stade. Das habe der Metronom zusätzlich finanziert.

Wie berichtet, hat sich die  DB Regio AG in einem europaweiten Ausschreibungswettbewerb gegen mehrere Konkurrenten durchgesetzt und übernimmt den Betrieb der Regionalexpress-Linie "Cuxhaven - Hamburg" von Dezember 2018 bis Dezember 2027. Insgesamt hatten sich vier Eisenbahnunternehmen um die Strecke im Unterelbe-Raum beworben.

„Die DB Regio AG hat mit dem wirtschaftlichsten Angebot für den jährlich rund 1,6 Millionen Zugkilometer umfassenden Fahrplan überzeugt und in der Ausschreibung das beste Preisleistungsverhältnis geboten“, sagt der Chef der Landesnahverkehrsgesellschaft, Hans-Joachim Menn, dessen Gesellschaft zwischen Ems und Elbe den Nahverkehr auf der Schiene bestellt und dafür jährlich knapp 300 Millionen Euro Steuergelder an die Bahnunternehmen zahlt.

An dem attraktiven Bedienungsangebot zwischen Cuxhaven und Hamburg wird sich nichts Grundlegendes ändern. Der Fahrplan sei in den letzten Jahren stetig verbessert worden und werde auch in Zukunft qualitativ hochwertig bleiben, ergänzt Menn.

Die DB Regio AG wird erstmals Fahrzeuge aus dem Fahrzeugpool der LNVG mieten. Sie wird dazu von Metronom die für den täglichen Bahnverkehr auf der Strecke eingesetzten acht Diesellokomotiven und 38 Doppelstockwagen übernehmen. Die Instandhaltung der Züge erfolgt wie bisher durch den Fahrzeughersteller Bombardier am Werkstattstandort Bremervörde. Vor dem endgültigen Zuschlag an die DB Regio AG müssen die Aufgabenträger noch eine gesetzliche Frist bis zum 10. Oktober abwarten. Bis dahin können unterlegene Bieter noch ein Nachprüfungsverfahren vor der Vergabekammer in Lüneburg einleiten.

Damit nicht genug. Nicht nur die Unterelbe-Strecke, auch die Metronom-Strecken im Hansenetz wie Bremen - Hamburg und Hamburg - Uelzen sowie die Strecke Uelzen - Göttingen sollen im Herbst neu vergeben werden. „Das bereitet uns riesengroße Ängste“, sagt Panczyk. Von dem Aus auf der Strecke „Hamburg - Cuxhaven“ seien 65 der 500 Mitarbeiter betroffen. Das allein sei noch nicht existenzbedrohend.

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