Mit dem Sozio-Med-Mobil zum Arzt
Angekommen : Detlef Koslowski (rechts) und Sascha Krag haben Erika Sauer sicher zum Zahnarzt gebracht. Fotos: Helfferich
Seit Anfang Juli fährt das Sozio-Med-Mobil des DRK-Kreisverbandes durch Kehdingen und bringt hilfebedürftige Menschen zum Arzt oder zur Physiotherapie. Für Erika Sauer aus Wischhafen ist dieses kostenlose Angebot „ein großes Glück“.
Um 8.04 Uhr startet an diesem Morgen Detlef Koslowski den nagelneuen, umgebauten weißen VW-Transporter auf dem Hof des DRK-Kreisverbandes im Stader Hofacker. „Wir fahren zu unserer Stammkundin“, erzählt der 58-Jährige, der im ersten Jahr seines Vorruhestandes ein freiwilliges soziales Jahr beim DRK ableistet.
Es geht zu Erika Sauer nach Wischhafen. Die 61-Jährige hat multiple Erkrankungen und damit einen vollen Terminkalender. Seit Indienststellung nutzt sie das Sozio-Med-Mobil. Die ersten Wochen war sie der einzige Fahrgast, inzwischen gibt es fünf Nutzer.
„Diese Woche sind wir erstmals an allen drei Tagen gebucht“, freut sich Koslowski. Ausgebucht nicht. Noch sind er und sein Kollege Sascha Krag meist nur mit einem Patienten unterwegs. Die Nachfrage läuft erst langsam an. „Das Angebot muss sich erst noch rumsprechen“, sagt Koslowski, „diese Erfahrung haben auch die Wolfenbütteler gemacht.“
Im Landkreis Wolfenbüttel wurde das Sozio-Med-Mobil 2017 als Pilotprojekt des dort ansässigen DRK-Kreisverbandes gestartet. Nach anfänglicher Zurückhaltung verdoppelte sich die Zahl der Nutzer von 2018 auf 2019 von 100 auf 200. Ausgelegt ist das Kehdinger Sozio-Med-Mobil für sieben bis acht Fahrgäste. Doch wegen der Corona-Pandemie ist die Platzzahl auf zwei Personen reduziert, damit die Abstände eingehalten werden.
Auch Rollstuhlfahrer können das Sozio-Med-Mobil nutzen
8.36 Uhr. Auf dem Weg nach Wischhafen holt Koslowski seinen Kollegen in Drochtersen ab. Mit einem fröhlichen „Moin“ steigt Sascha Krag ein. Er wurde von der Arbeitsagentur an das DRK vermittelt und macht nun eine zweijährige Wiedereingliederung, „in der Hoffnung, dass mich das DRK dann übernimmt“, sagt der 44-Jährige. Sein neuer Job macht ihm Spaß. Er ist ein kommunikativer Typ und mag es, mit Menschen zu arbeiten.
Erika Sauer ist Stammgast beim Sozio-Med-Mobil.
Um 8.42 Uhr kommt das Sozio-Med-Mobil in Wischhafen an. Koslowski und Krag steigen aus und holen Erika Sauer in ihrer Reihenhauswohnung ab. Sie wartet schon. „Ich bin so froh, dass es diese Möglichkeit gibt. Das ist ein großes Glück für mich“, sagt sie und lässt sich von Koslowski in den Wagen helfen. Anschließend deponiert er die Gehhilfe im Fahrgastraum und zurrt sie fest. Auch Rollstuhlfahrer können das Sozio-Med-Mobil nutzen. Während des Lockdowns seien viele Arzttermine abgesagt worden, dafür habe sie jetzt umso mehr, erzählt die 61-Jährige während der Fahrt. Hinzu kam, dass durch die Sperrung der Ortsdurchfahrt in Wischhafen die Bushaltestellen verlegt waren. So musste sie, wenn sie in Richtung Stade fahren wollte, mit ihrem Rollator bis zur Birkenstraße laufen, in Richtung Freiburg fuhr ab Hüttenweg (Schauen & Kaufen) ein Pendelbus. Bis zu dieser Haltestelle seien es zwei Kilometer. Da war Erika Sauer froh, das Sozio-Med-Mobil buchen zu können. „Das ist wie Weihnachten und Ostern auf einmal“, sagt sie.
An diesem Morgen geht es zum Zahnarzt nach Stade. Fünf Termine hat sie dort für ein neues Gebiss. Mit dem neuen Angebot des DRK lässt sich das genauso bewältigen wie die regelmäßigen Termine zur Lymphdrainage in Drochtersen.
Mit der Buchung habe sie kein Problem, erzählt sie. Das Sozio-Med-Mobil muss online angefragt werden. „Ich bin eh’ viel auf Facebook und bei Whatsapp unterwegs.“ Sie habe auch bereits ihrer Nachbarin angeboten, die Buchung für sie zu übernehmen, als Kümmerin.
Zehn ehrenamtliche Kümmerer
Kümmerer sind Teil des Systems. Die Fahrt muss sieben Tage vorher über ein Internetportal angemeldet werden (sozio-med-mobil.de/kehdingen). Kümmerer sollen vor Ort für Menschen, die nicht internetaffin sind, die Reservierung übernehmen. Zehn Ehrenamtliche sind bisher beim Kreisverband als Kümmerer registriert. „Es können gerne noch mehr sein“, sagt Detlef Stülten, beim DRK für das Projekt zuständig. Nachbarn, Verwandte, aber auch Mitarbeiter aus Institutionen und öffentlichen Einrichtungen seien denkbar.
Erika Sauer ist absolut überzeugt von dem kostenlosen Fahrdienst und wirbt im Bekanntenkreis dafür. Wenn ihre Nachbarin einen Arzttermin hat, müsse der Sohn aus Horneburg kommen, um sie dort hinzufahren. „Das ist doch völlig unnötig“, sagt sie. Sie selbst würde sich wünschen, dass das Sozio-Med-Mobil jeden Tag fährt. Es ist nur dienstags, mittwochs und donnerstags unterwegs. Einmal musste sie an einem Freitag um 8 Uhr in Stade im Krankenhaus sein. „Da musste ich um 6.30 Uhr an der Haltestelle Moorchaussee einsteigen.“
Die Fahrt zum Zahnarzt an diesem Mittwoch ist wesentlich bequemer. Kurz nach 9.30 Uhr fährt der VW-Transporter direkt vor die Tür der Praxis, knapp eine halbe Stunde vor dem Behandlungstermin. Sascha Krag und Detlef Koslowski helfen Erika Sauer beim Aussteigen. Während Krag die Patientin in die Praxis begleitet, fährt Koslowski den Wagen zur Seite.
Nun füllt er ein Zettelchen für die Zahnarzthelferin aus, mit der vereinbarten Abholzeit und seiner Handynummer, falls sich die Behandlung verzögert. Um 11.30 Uhr ist die Rückfahrt geplant. Wenn alles gut läuft, haben die beiden Fahrer vom DRK Erika Sauer pünktlich zur Mittagszeit wieder vor der Haustür abgesetzt.
So funktioniert das Sozio-Med-Mobil
Das Sozio-Med-Mobil des DRK-Kreisverbandes Stade ist ein kostenfreier Transport für hilfebedürftige Menschen zum Arzt oder anderen Gesundheits- oder Sozialdienstleistern. Es fährt dienstags und mittwochs zwischen 9 und 13 Uhr nach Stade und donnerstags im gleichen Zeitfenster nach Hemmoor. Die Fahrten müssen mindestens sieben Tage vor dem Termin online gebucht werden. Spätestens drei Tage vor dem Termin kommt online die Bestätigung mit der Abholzeit. Die Nutzer werden von Tür zu Tür gefahren. Weitere Informationen unter 0 41 41 / 80 33 306 oder auf der Homepage.