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Modedesign: Die Natur dient als Inspiration

Im Zuge ihres Modedesign-Studiums in Hamburg setzt sich Ulrike Hamann mit verschiedensten Stoffen, Schnitten und Mustern auseinander. Hier arbeitet sie gerade am Prototyp für ihren aktuellen Kurs. Foto: Hamann

Im Zuge ihres Modedesign-Studiums in Hamburg setzt sich Ulrike Hamann mit verschiedensten Stoffen, Schnitten und Mustern auseinander. Hier arbeitet sie gerade am Prototyp für ihren aktuellen Kurs. Foto: Hamann

Es sind besondere Muster, Materialien und Farbenspiele, die Ulrike Hamann im Gedächtnis bleiben. Nicht nur in ihrem eigenen Label „Little Bow Design“ kann die angehende Modedesignerin aus Otterndorf ihre Kreativität ausleben.

Sonntag, 29.12.2019, 17:00 Uhr

Von Joël Grandke

Schon während der Schulzeit blitzte ihr künstlerisches Talent vielfach auf: Wenn Ulrike Hamann im Kunst-Leistungskurs des Otterndorfer Gymnasiums ihre oftmals fotorealistischen Arbeiten abgab, waren sich Lehrer und Mitschüler schon auf den ersten Blick einig, dass diese im Bereich der Bestnote zu bewerten sind. Auch in ihrer Freizeit entstanden bereits beeindruckende Zeichnungen und Bilder. „Ich habe damals schon gemerkt, dass mir das im Blut liegt“, erinnert sie sich.

Und der Gedanke liegt nicht fern: Ihr Großvater Kurt war als Hobbykünstler aktiv und malte unter anderem Ölgemälde. Ihr mit der Zeit zunehmendes Interesse an Mode führt Hamann vor allem auf ihre Großmutter Herta zurück, die als Schneiderin arbeitete. Diese überließ ihr auch zahlreiche Kisten voller wertvoller Stoffe. „Sie erwarb Stoffe, die die unterschiedlichen Modestile mehrerer Jahrzehnte widerspiegeln“, berichtet Hamann. „Noch heute wühle ich mich durch diese Schatzkisten und werde für meine Arbeiten fündig. Meine Oma bleibt eine der größten Inspirationsquellen für mich.“ Nach dem Abitur dachte die Otterndorferin bereits über ein Modedesign-Studium nach, doch schlug sie erst mal einen „handfesteren Weg“ ein.

Der führte sie zunächst nach Husum, wo sie sich bei einer Werbeagentur zur Mediengestalterin ausbilden ließ. Auch hier überzeugte sie nachhaltig und wurde als beste Absolventin ihres Jahrgangs aus ganz Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Dennoch wechselte sie kurz darauf Job und Umfeld. Nach ihrem Umzug nach Hamburg arbeitete sie als angestellte Grafikerin für zwei verschiedene Unternehmen, fand ihr Glück aber bei keinem von beiden. Sie konnte ihre Kreativität nicht auf die von ihr gewünschte Weise einbringen. „Man wird im Marketing großer Unternehmen oftmals in etwas reingezwängt“, erklärt sie. „Meine Ideen wurden teils als zu ausgefallen kritisiert. Da ging es dann um ganz andere Faktoren, die einfach nicht zu meiner Arbeitsweise passten.“

Für Hamann überwog langfristig der Reiz, etwas eigenes zu machen, anstatt in den Marketing-Abteilungen großer Unternehmen zu sitzen. Und obwohl bereits einige Jahre seit der Schulzeit vergangen waren, überdauerte auch ihr Wunsch nach einem Job in der Modebranche. Diesen erfüllte sie sich schließlich auf mehreren Ebenen. Im ersten Schritt gründete sie 2016 ihr eigenes Label „Little Bow Design“. Hamann erhielt bereits seit längerem Anfragen für die Gestaltung von Logos, Visiten- oder Postkarten sowie für kleinere Nähleistungen bis hin zum Entwurf und Anfertigen von Kleidern. Mit ihrer Selbstständigkeit kombiniert sie Grafik- und Modedesign. „Durch das Label kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen und die Kunden selbst von meiner Idee überzeugen“, weiß sie die Vorzüge zu schätzen. Stück für Stück erweitert sie so ihr Netzwerk.

Als zweites Standbein nutzt sie ihren Nebenjob bei der Hamburger Modelagentur „SPIN Model Management“. Durch ihre dortige Tätigkeit erhält sie vielfältige Einblicke in das Mode- und Model-Business. „Das ist schon eine Welt für sich, die in vielen Bereichen sehr oberflächlich ist“, gibt sie zu. Die Arbeit in dem kleinen Kreativ-Team und familiärer Atmosphäre sei aber eine spannende Abwechslung.

Über diese Tätigkeiten hinaus entschied sie sich im Frühjahr 2017 dazu, ihr lang ersehntes Modedesign-Studium aufzunehmen. Der Auswahlprozess an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) ist hart: Um für den zweitägigen Eignungstest zugelassen zu werden, müssen die Bewerber zunächst eine Mappe mit 25 aktuellen Arbeiten einreichen von Malereien über Collagen bis hin zu Fotos sind dem Handwerk keine Grenzen gesetzt. Hamann meisterte schließlich beide Hürden und gehörte zu den 30 der rund 400 Bewerber, die eine Zulassung erhielten. Das Kursangebot ist breit gefächert. Die Studenten arbeiten an verschiedenen Projekten, lernen Kreativtechniken, den Umgang mit unterschiedlichen Maschinen, eignen sich aber auch Marketingwissen an. „Ich wähle bewusst praxisnahe Kurse, die mir auch beruflich weiterhelfen“, erklärt die 29-Jährige.

Ihr gestalterisches Talent nutzt Hamann auch für private Zwecke. Egal ob Hochzeit oder Weihnachtsfeier: Hamann ist hier stets in selbst geschneiderten Kleidern oder Outfits anzutreffen. Auch die Mutter und die beste Freundin haben selbstverständlich eine ihrer Kreationen im Schrank. „Bevor ich etwas kaufe, ist mein erster Gedanke immer: Könnte ich das nicht auch selbst machen?“, berichtet sie lächelnd.

In ihrer Wohnung in Hamburg-Rahlstedt sitzt sie regelmäßig an der Nähmaschine und probiert sich an neuen Aufträgen und Projekten. Ihr Verlobter Robert kommt als Informatiker aus einer völlig anderen beruflichen Ecke, unterstützt die kreative Arbeit seiner Partnerin aber, wo er kann. Wenn an der Hochschule eine Abgabefrist drängt, legt er auch mal kurzerhand bei einer gemeinsamen Nachtschicht mit Hand an und stopft einzelne Daunen als Füllung in ein Kleidungsstück.

Den Wunsch nach einem modischen Studiengang erfüllt sich Hamann derzeit also mit großem Eifer. Ihre Kombination aus Leidenschaft und Kreativität lässt auch den Schluss nahe, dass ihr langfristiger Traum, ein eigenes Atelier in Hamburg in dem sie ihre Werke präsentiert, kein allzu fernes Ziel darstellen könnte.

www.instagram.com/littlebowdesign/

 

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