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Moisburgs Bücherei wird geschlossen

Die Diplom-Bibliothekarin Wiebke Diercks sieht keinen Sinn mehr im Erhalt der Moisburger Bücherei.  Foto Lepél

Die Diplom-Bibliothekarin Wiebke Diercks sieht keinen Sinn mehr im Erhalt der Moisburger Bücherei. Foto Lepél

Dreieinhalb Jahre, nachdem Wiebke Diercks die Leitung der Büchereien der Samtgemeinde Hollenstedt übernommen hat, muss der Ableger in Moisburg den Betrieb einstellen. Mit dem eingesparten Geld will die Bibliothekarin das E-Book-Angebot verbessern.

Von Sabine Lepél Donnerstag, 31.01.2019, 12:20 Uhr

Schlechte Nachrichten für alle Leseratten in der Gemeinde Moisburg und Umgebung: Die Bücherei im Amtshaus soll geschlossen werden. Dies wurde jedenfalls bei der jüngsten Sitzung des Jugend-, Sozial-, Kultur- und Sport-Ausschusses der Samtgemeinde deutlich, nachdem Wiebke Diercks dort ihren Jahresbericht für 2018 abgeliefert hatte. Über das endgültige Aus für die Bücherei wird noch einmal im nichtöffentlich tagenden Samtgemeindeausschuss am Mittwoch, 20. Februar, beraten, bevor der Samtgemeinderat am 25. März eine Entscheidung trifft.

Und die dürfte gegen Moisburg ausfallen – so viel wurde bei der Ausschuss-Sitzung im Feuerwehrhaus Moisburg bereits deutlich. Keine Fraktion hat sich für den Erhalt der kleinen, aber feinen Bücherei im Amtshaus eingesetzt. Letztlich gingen alle mit Diercks Einschätzung d’accord, dass sich ein Betrieb in Moisburg einfach nicht lohne.

„Wenn es in Moisburg fast das gleiche Angebot gibt wie in Hollenstedt, fahren offenbar vor allem die Moisburger aus den neuen Wohngebieten lieber gleich nach Hollenstedt, wo das Angebot insgesamt größer ist“, so Diercks. „Wir verzeichnen inzwischen einige Leser aus Moisburg, die im Hollenstedter Küsterhaus ausleihen.“ Die Moisburger Bücherei werde so wenig frequentiert, dass es keinen Sinn mache, zwei Standorte zu unterhalten. „Mit dem eingesparten Geld in Höhe von rund 4000 Euro könnte ich einen besseren E-Book-Anbieter anbieten“, schlug Diercks dem Ausschuss vor.

Die Ausleihen in Moisburg sind in den vergangenen Jahren dramatisch zurückgegangen. Außer den sechs ehrenamtlichen Hilfskräften, die die Öffnungszeiten in der Moisburger Bücherei garantieren, und deren Familien leihen lediglich wenig weitere Personen regelmäßig in der gemütlichen Bücherstube aus. Wie Wiebke Diercks den Mitgliedern des Sozialausschusses darstellte, gibt es abgesehen von den Kindern und Jugendlichen, die das Angebot der Samtgemeinde-Büchereien bis zum 18. Lebensjahr kostenlos nutzen können, inzwischen nur noch 18 kostenpflichtige Moisburger Leser. „An vielen Tagen kommt kein Mensch“, sagt Diercks. „Da kann man den schönen Raum wirklich anders nutzen.“ Die sechs ehrenamtlichen Mitarbeiter habe sie bereits über die Schließung informiert.

Nicht informiert war bisher allerdings Moisburgs Bürgermeister Hans-Jürgen Steffens, der vom TAGEBLATT von den konkreten Schließungsplänen erfuhr und sich darüber nicht erfreut zeigte: „Frau Diercks hat den Standort von vornherein kritisch gesehen. Wir haben noch versucht, die Bücherei zu beleben, aber größere Standorten wie Hollenstedt oder Buxtehude mit mehr Auswahl sind offenbar attraktiver“, so Steffens. „Ich würde eine Schließung bedauern. Aber darüber müssen wir ja erst einmal im Samtgemeinderat entscheiden. Bisher gibt es nur eine Empfehlung.“

Überlegungen, die Moisburger Bücherei zu schließen, gibt es mindestens seit zwei Jahren. Auch eine Umfrage hatte nichts gebracht. Von der Auswertung der Fragebögen hatte sich Diercks genauere Erkenntnisse darüber erhofft, warum die Ausleihe in Moisburg im Gegensatz zu der in Hollenstedt so dramatisch zurückgegangen ist und wie gegengesteuert werden könnte. Doch von 600 Fragebögen kamen laut Diercks nur ganz wenige zurück. „Da war mir klar, dass das in die Hose geht“, so Diercks. Auch eine Spezialisierung auf Hörbücher, die der Bücherei für 3000 Euro bewilligt wurden, brachte nichts. „Hörbücher laufen bei uns wie blöd, sie werden viel ausgeliehen, aber nicht von den Moisburgern“, sagt die Diplom-Bibliothekarin. „Literatur spielt im Dorfgeschehen offenbar keine Rolle.“

Den Bestand der Bücherei muss Diercks nun auflösen und hat deshalb der Grundschule Moisburg angeboten, mit der Schulbücherei, die von Eltern betrieben wird, zu kooperieren. „Bisher wollen die Mütter mein Know-how und unsere Technik nicht, und ich laufe denen nicht hinterher. Sie können sich aber trotzdem gern das nehmen, was sie haben wollen“, sagt die Diplom-Bibliothekarin.

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