Moorburg lässt sich nicht abhängen
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Für den bevorstehenden Bau der neuen südlichen Anbindung des Containerterminals Altenwerder an die A 7 soll der Moorburger Elbdeich für ein Jahr lang bis Ende 2020 voll gesperrt werden. Das will das Dorf nicht hinnehmen.
Im April sollen die Bauarbeiten für die südliche Anbindung des Containerterminals Altenwerder (CTA) beginnen. Hamburg Port Authority (HPA) hat die Projektmanagement Gesellschaft ReGe Hamburg mit der Durchführung des Bauvorhabens beauftragt. Der Plan: Die Lkw sollen künftig den Terminal auf der Südseite über den Moorburger Elbdeich anfahren und verlassen können. Damit erreicht HPA eine bessere Anbindung des Terminals an die A 7 und in östliche Richtung zur A 1. Das bedeutet für Hamburgs Süden eine weitere Steigerung des Verkehrsaufkommens im Bereich Schwerlastverkehr.
Jetzt sollen die Moorburger eine weitere Kröte schlucken. Für die Zeit der Baumaßnahmen wird der Moorburger Elbdeich, Höhe Hausnummer 291, bis zur Einmündung in die Waltershofer Straße für ein Jahr voll gesperrt. Der Verkehr wird über den Moorburger Hauptdeich und den Fürstenmoordamm in Richtung A 7- Anschlussstelle Heimfeld umgeleitet. „Der einzige Sinn dieser Zufahrt scheint die Anbindung an die Anschlussstelle. Aber Moorburg wird dabei schlicht vergessen. Hier wird ein großer Fehler geplant“, sagt Lars Frommann, Mitglied der CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung Harburg. CDU und SPD hatten jeweils beantragt, die Fachbehörde aufzufordern, Alternativen für die bis Ende 2020 von HPA angekündigte Vollsperrung zu prüfen – unabhängig von den zu erwartenden Mehrkosten.
Dass eine Alternative zur Vollsperrung der Hauptstraße durch den Stadtteil durchaus im Bereich des Machbaren ist, zu dem Ergebnis kommt ein Gutachten. Das haben die streitbaren Moorburger selbst in Auftrag gegeben. Sie protestieren neben Harburgs Politik massiv gegen den HPA-Plan und haben sich zur „Institution Moorburg“ zusammen geschlossen. Beauftragt wurde das Marburger Planungsbüro RegioConsult Verkehrs- und Umweltmanagement. Das Planungsbüro kennt die örtlichen Gegebenheiten, weil es in der Vergangenheit bereits an den Plänen für den Anschluss A 26 an die A 7 in Moorburg gearbeitet hatte.
Die Marburger sollten die von der ReGe vorgelegten Planunterlagen zum Bau des südlichen Terminal-Anschlusses prüfen und kommen in ihrem Gutachten zusammenfassend zu dem Schluss, dass die von der ReGe vorgelegten Planunterlagen erhebliche „fachliche Defizite“ aufweisen.
Die Gutachter sprechen von „entscheidungserheblichen Schwächen“. In dem Gutachten heißt es unter anderem: „Die Vollsperrung ist angesichts der vorhandenen Straßenräume und geplanten Querschnitte nicht erforderlich. Eine halbseitige Sperrung für längsgeteiltes Bauen ist somit möglich, sodass der ÖPNV nicht umgeleitet werden muss und die Erreichbarkeit des Baustellenbereiches auch für die Anlieger voll gewährleistet werden kann, ohne dass sie in die Baustelle einfahren müssen“.
Es sei überdies fraglich, „ob es genehmigungsfähig war, die ÖPNV-Erschließung für die Dauer der Baumaßnahme zu unterbinden, da der ÖPNV-Knotenpunkt an der Waltershofer Straße/Moorburger Elbdeich von der Vollsperrung betroffen ist“. Hier halten die Buslinien 146, 250, 251 und 4714. Die ReGe will die Haltestellen am Moorburger Elbdeich während der Bauphase nur bedingt anfahren lassen.
Geradezu dubios erscheint den Marburger Gutachtern die vom Bauträger vorgelegten Prognosen zum erwarteten Aufkommen des Schwerlastverkehrs, wenn die Südanbindung fertig ist. Die sei nicht belastbar, weil auf der Basis unterschiedlicher Schätzungen gearbeitet worden sei. Insgesamt aber rechnen die Marburger Gutachten mit einem täglichen Lkw-Aufkommen von mehr als 3000 Lastwagen in Moorburg.
Dieses Gegengutachten soll mit Sicherheit nicht das letzte sein, was HPA von den Moorburgern an Protest hören wird. Im prostesterprobten Moorburg regt sich der Widerstand. Zum einen ist nun eine Demonstration in Hamburg geplant. Zum anderen wollen die Moorburger am morgigen Donnerstag, 4. April, den Moorburger Elbdeich ab 17 Uhr an der Einmündung der Waltershofer Straße zur Demonstration sperren.