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Nähen und Basteln für Frühchen und Sternenkinder

Nähen und Basteln für Frühchen und Sternenkinder : Wiebke Müller (links) und Melanie Hesse-Völkner zeigen ein Pucksäckchen, Erinnerungsperlen und Strampler. In das genähte Körbchen können Eltern ihre totgeborenen Kinder betten. Foto Klempow

Nähen und Basteln für Frühchen und Sternenkinder : Wiebke Müller (links) und Melanie Hesse-Völkner zeigen ein Pucksäckchen, Erinnerungsperlen und Strampler. In das genähte Körbchen können Eltern ihre totgeborenen Kinder betten. Foto Klempow

Plötzlich wird aus großer Hoffnung tiefer Schmerz: Wenn Kinder während der Schwangerschaft sterben, still und leblos auf die Welt kommen. Um Eltern einen würdevollen Abschied zu ermöglichen, gibt es die Aktion „Nähen für Regenbogenkinder“.

Von Grit Klempow Donnerstag, 16.06.2016, 17:32 Uhr

Melanie Hesse-Völkner und Wiebke Müller sind dabei. „Wir sind eine fröhliche Gruppe“, sagt Melanie Hesse-Völkner aus Gräpel. Gemeinsam mit ihrer Freundin Wiebke Müller aus Düdenbüttel hat sie ein Treffen der Nähgruppe am Sonnabend im Gemeindehaus Düdenbüttel organisiert. Frauen aus ganz Norddeutschland reisen an, um gemeinsam zu nähen, Stoffe auszutauschen, sich Tipps zu geben, zu scherzen – und manchmal auch ganz still zu sein. Mit dem gemeinsamen Nähen wollen sie Eltern einen würdevollen Abschied von ihren Kindern ermöglichen, aber auch Eltern Frühgeborener unterstützen

Sie wissen zwar, dass sie mit den kleinen Mützchen und Socken, mit den Stramplern und Pucksäckchen, die es so klein nicht zu kaufen gibt, den Eltern von Frühchen eine große Stütze sind. Aber da sind auch die kleinen Taufaufleger, gerade mal so groß wie eine Hand, für die Nottaufen, weil das Kind es nicht schaffen wird. Da sind die kleinen Stoff-Schiffchen mit den Einschlagdeckchen, in die Eltern ihre toten Kinder hüllen können, um sie würdevoll zu bestatten. Die Frauen nähen Erinnerungsherzen, eins für die Eltern, eines für das Regenbogenkind im Grab. Die Näherinnen wissen um die tiefe Trauer der Eltern, über die immer noch so wenig geredet wird. „Ich kann auf diese Weise Trost spenden, das macht mich glücklich“, sagt Wiebke Müller. Sie bastelt Perlenengel, Kerzen und Karten für die Eltern der Sternenkinder.

Das ist Teil ihrer eigenen Trauerarbeit. Zu ihrer Familie gehört neben der dreieinhalbjährigen Tochter auch Sternenkind Merle. 2014 wurde Merle geboren, in der 30. Woche. „Man kriegt so eine Diagnose vor den Kopf geknallt, und wir sind dann erst mal nach Hause.“ Die zwei Tage bis zur Geburt gab es Gespräche mit dem Pastor, dem Bestatter. „Wir sind damals in der Klinik in Hamburg allein gelassen worden“, erzählt sie. Dort habe es kaum Unterstützung gegeben. Es gab niemanden, der den Tipp gab, ein Foto von Merle machen zu lassen. Aber eine Hebamme, die fragte: „Wollen Sie noch mal kuscheln? Sonst pack’ ich sie jetzt in den Kühlschrank.“ Wiebke Müller: „Es ist so, so schwierig für Eltern. Wenn man weiß, unser Kind kommt still zur Welt.“ Während auf der Station rundherum die Neugeborenen weinen. Wiebke Müller suchte nach einem Weg, ihre Trauer um Merle zu verarbeiten. Sie wollte Eltern in der gleichen Situation Hilfe und ein wenig Trost anbieten können. So kam sie zur „Aktion Nähen für Regenbogenkinder“. Melanie Hesse-Völkner packt mit an, weil sie Sinnvolles tun will und sie die große Dankbarkeit spürt, die zurückkommt.

Mit Notfallpaketen und Frühchen-Kleidung werden Kliniken ausgestattet. Bis Größe 44 nähen die Frauen. Ab Größe 50 gibt es Kleidung im Handel. Sich bei Treffen mit den anderen Frauen auszutauschen, „ist so wertvoll“, sagt Melanie Hesse-Völkner. Schon allein, weil die Handarbeit nicht ganz ohne ist. Welche Naht drückt nicht beim Frühchen-Strampler? Welcher Stoff ist für die Krankenhauswäsche passend, welcher ist biologisch abbaubar und somit für ein Sternenkinder-Schiffchen geeignet? Die Frauen gehen sachlich mit diesen Fragen um, sind mal still, lachen viel – und machen sich an die Arbeit.

Wer die Gruppe mit Stoffspenden oder praktisch unterstützen will, ist am Sonnabend, 18. Juni, von 14 bis 17 Uhr im Gemeindehaus Düdenbüttel herzlich willkommen.

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