Zähl Pixel
Archiv

Naturschutzgebiet im Neukloster Forst geplant

Betreten verboten: Teile des Landschaftsschutz- und Fauna-Flora -Habitat-Gebiets im neuen Naturschutzgebiet Neuklosterholz im Neukloster Forst werden bereits als Waldschutzgebiet bewirtschaftet. Foto Vasel

Betreten verboten: Teile des Landschaftsschutz- und Fauna-Flora -Habitat-Gebiets im neuen Naturschutzgebiet Neuklosterholz im Neukloster Forst werden bereits als Waldschutzgebiet bewirtschaftet. Foto Vasel

Die Rechte von Besitzern und Nutzern von Flächen in Naturschutzgebieten sollen gewahrt werden. Das ist ein Ergebnis der letzten Beratung zum geplanten Naturschutzgebiet  Neukloster Forst im Ausschuss für Regionalplanung und Umweltfragen des Stader Kreistags.

Von Karsten Wisser Donnerstag, 15.02.2018, 17:21 Uhr

Weil nach einer Änderung wichtige Flächen des Betriebs von Landwirt Johannes Prigge im Naturschutzgebiet (NSG) liegen, wurden Passagen im Verordnungstext so angepasst, dass er in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde in Stade die dreieinhalb Hektar große Fläche weiter so nutzen kann, dass er keinen wirtschaftlichen Schaden zu befürchten braucht. „Das ist keine Riesenfläche, aber irgendwo müssen wir noch vernünftiges Futter machen können“, sagte Prigge. Die Familie hat bereits Flächen für intensive Nutzung in anderen Bereichen an den Naturschutz verloren. Diese Kompromissbereitschaft von Kreisbaurat Hans-Hermann Bode und dem Leiter des Naturschutzamts, Dr. Uwe Andreas, ist insofern ein wichtiges Signal, weil der Kreis aufgrund einer Vereinbarung mit dem Land Niedersachsen in diesem Jahr 14 vergleichbare Projekte umsetzen will. Das Naturschutzgebiet im Neukloster Forst gehört dann zu den unkomplizierten, weil fast die gesamte Fläche den niedersächsischen Landesforsten gehört.

Bei anderen Gebieten ist die Zahl der Eigentümer und damit die Zahl der unterschiedlichen Interessen deutlich größer. Ohne eine gewisse Kompromissbereitschaft dürfte der Landkreis Schwierigkeiten bekommen, seinen Zeitplan einzuhalten. Das gilt umso mehr, weil im zuständigen Ausschuss viele Mitglieder sitzen, die den Interessen der Landwirtschaft sehr zugewandt sind.

Mit Gerd Lefers (Freie Wählergemeinschaft) und Peter Rolker (Gruppe FDP/Piraten) sind zum Beispiel zwei Obstbauern vertreten. Und Kreislandwirt Johann Knabbe ist in dem Ausschuss zwar nicht stimmberechtigt, aber als beratendes Mitglied argumentativ ein Schwergewicht. Gemeinsam mit der agraraffinen CDU und der AfD könnte es so immer politische Mehrheiten gegen zu massive Eingriffe in die Rechte der Eigentümer geben.

Bei der neuen Regelung für den Landwirt Prigge geht es um die Neuansaat von Gras, die aus Sicht der Landwirtschaft alle paar Jahre notwendig ist, um den Ertrag konstant zu halten. Das hatte der Entwurf der Verordnung ausgeschlossen, jetzt ist das mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde möglich. Zugleich wurde die Insektizidnutzung auf einem Waldacker neu geregelt.

Für den normalen Nutzer wird sich im Forst nicht viel ändern. Die vielen Spaziergänger dürfen das beliebte Naturschutzgebiet weiter nutzen, sind nach Ausweisung verpflichtet, die Wege zu nutzen. Hunde würden nur noch an der Leine ins Gebiet dürfen.

Eine Ausnahme für das Betretungsverbot außerhalb der Wege wird für den dort beheimateten Waldkindergarten gemacht. Auch der Friedwald als besondere Beerdigungsvariante kann dank einiger Ausnahmen bestehen bleiben.

Seit 1976 sind der Neukloster Forst und die angrenzenden Flächen im Süden bereits Teil eines rund 630 Hektar umfassenden Landschaftsschutzgebietes. Eine Größe von 240 Hektar des insgesamt etwa 323 Hektar großen Neukloster Forstes werden von den Landesforsten bereits als Waldschutzgebiet bewirtschaftet. 241 Hektar stehen unter dem Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie – abgekürzt FFH – der Europäischen Union. Das FFH-Gebiet muss bis 2018 national gesichert werden – durch ein 260 Hektar großes Naturschutzgebiet.

Beim Aufbau einer Este-Partnerschaft gibt es dank der Intervention der Stader Landrats Michael Roesberg und seines Harburger Kollegens Rainer Rempe einen wesentlichen Fortschritt. Nach einer gemeinsamen Sitzung haben jetzt auch die Samtgemeinden Hollenstedt und Tostedt im Landkreis Harburg signalisiert, dass sie beim koordinierten Hochwasserschutz an der Este mitmachen wollen. Entsprechende Beschlüsse der Kommunen sind angekündigt. Damit kann im April, wenn sich alle beteiligten Kommunen noch einmal treffen wollen, ein entscheidender Schritt getan werden. Es gibt bereits einen Entwurf für die Partnerschaftsvereinbarung, Buxtehude und Jork haben aber gegen einzelne Passagen bedenken angemeldet. Lässt sich das auf der nächsten Sitzung bereinigen, steht der Gründung der Partnerschaft nichts mehr im Wege. Das ist das Resultat einer Anfrage der AfD im Ausschuss für Umwelt und Regionalplanung.

Für die Menschen, die in Estebrügge, im Überschwemmungsgebiet der Este wohnen, dürfte es dagegen keine kurzfristige Lösung geben. Ihre Grundstücke werden nach eigener Aussage deutlich öfter überflutet als früher. Die Forderung der IG Este, die Schließzeiten des Estesperrwerks so anzupassen, dass das Wasser aus der Este schneller ablaufen kann, ist offenbar nicht schnell umsetzbar. Nach Auskunft der Kreisverwaltung braucht es dafür ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren, in dem dann auch andere Dinge wie die Interessen der Schifffahrt und der Natur berücksichtigt werden. Das heißt, ob dieses Verfahren das von den Este-Anwohnern gewünschte Resultat hätte, ist völlig ungewiss. Kreisbaurat Hermann Bode sagte in der Diskussion zu dem Thema, dass auch die Eigentümer Pflicht zur Vorsorge hätten. Bode schlug ihnen vor, mithilfe kleiner Erdverwallungen das Wasser abzuhalten und bot dafür den fachlichen Rat der Kreisverwaltung an.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.