Nesshof: Camping mitten im Alten Land
Günther und Sabine Penschow gehören zu den Dauercampern in Guderhandviertel. Fotos: Battmer
Mitten im Alten Land gibt es nur einen Campingplatz, auf dem Besucher sowohl in Zelten als auch in Wohnwagen übernachten können: den Nesshof in Guderhandviertel. Touristen, die das Alte Land besuchen, schätzen die Ruhe dort.
(Letztes Update am 6. August um 17.04 Uhr: Zahlen zum Campingtrend hinzugefügt.)
Schon die Zufahrt durch den großen historischen Torbogen schreit: Herzlich Willkommen im Alten Land. Der Neßhof liegt mittendrin im Alten Land und ist umringt vom Lühedeich. Es ist es ruhig. „Das schätzen die Leute“, sagt Martin Hollmichel, „diese naturnahe Entspannung.“ Hier übernachten Besucher in Wohnmobilen, Caravans, Schlaffässern oder Zelten. Der Nesshof bietet - abgesehen von der Insel Lühesand - den einzigen Zeltplatz im Alten Land.
Seit 1972 hat der Nesshof mit 100 Stellplätzen seine Pforten für Camper geöffnet. „Wir erleben gerade den Wandel von Dauercamping zum Touristischen“, sagt Martin Hollmichel. Viele Besucher bleiben nur wenige Tage oder Wochen und ziehen dann weiter. Trotzdem seien immer noch bis zu 40 Stellplätze pro Saison für Dauercamping reserviert. Auch die Familie Penschow aus der Nähe von Hamburg hat ihren Stellplatz für ein halbes Jahr gebucht. „Es ist hier sehr gemütlich, einfach ungezwungen. Und natürlich ist die Gegend einfach schön“, sagt Günther Penschow (69).
Camping wurde in den vergangenen Jahren wieder beliebter. Knapp 34,5 Millionen Übernachtungen aus dem In- und Ausland verzeichnete die deutsche Campingwirtschaft im Jahr 2018 nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes – und war damit das fünfte Rekordjahr in Folge. Deutschlandweit gibt es ungefähr 3000 Campingplätze.
Auch auf dem Nesshof seien in den vergangenen Jahren die Besucherzahlen gestiegen. Inzwischen kämen vermehrt internationale Besucher auf den Nesshof, etwa aus den Niederlanden oder Skandinavien, sagt Martin Hollmichel. Neu hingegen sei die Entwicklung, dass wieder mehr junge Familien zum Campen auf den Nesshof kommen. „Ich glaube, die flüchten vor Events wie dem Schlagermove oder dem Hafengeburtstag.“ Der Platz selbst sei aber kein Magnet, gibt Martin Hollmichel zu. „Touristen wollen das Alte Land besuchen und die Nähe zu Hamburg ist auch ein großer Faktor.“ Darum seien viele Gäste tagsüber unterwegs und nutzen den Nesshof als Basis.
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Das ist auch ein Grund dafür, warum es ganz bewusst kein Programm und keine Animation auf dem Neßhof gibt. Dafür wird jeden Abend der Grill angemacht und zweimal pro Woche steht Martina Hollmichel in der Küche und kocht für die Gäste Bratkartoffeln oder Pizza. Auf das Pizza-Rezept aus dem inzwischen geschlossenen Restaurant „Destille“ in Stade sind sie auf dem Neßhof besonders stolz.
Neben dem Campingplatz betreibt die Familie Hollmichel - wie es im Alten Land fast üblich ist - auch einen Obsthof. „Das ist allerdings für den Großhandel“, sagt Martina Hollmichel. Selbstpflücken sei zwar nicht möglich, „aber wenn Saison ist, dann haben wir natürlich auch Obst aus dem Alten Land für die Gäste.“ Der Hof ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Familienbesitz - inzwischen in fünfter Generation. Vor rund 22 Jahren hat Martina Hollmichel, eine geborene Pickenpack, den Hof von ihrem Bruder übernommen und kümmert sich seitdem um den Obsthof und den Campingplatz. Ihr Mann Martin arbeitet hauptsächlich als Softwareentwickler in Hamburg. Er hilft auf dem Hof, so viel er kann.
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Camping im Alten Land
Im Alten Land gibt es eine Vielzahl von Hotels und Obsthöfen, wo Touristen übernachten können. Außerdem gibt es sechs Wohnmobil-Stellplätze: in Lühe bei Stubbes Gasthaus und am Lüheanleger, in Jork auf dem Festplatz und am Yachthafen sowie in Hollern-Twielenfleth am Fährhaus und auf dem Campingplatz Neßhof in Guderhandviertel. Auf dem Nesshof können Touristen außerdem zelten, das geht im Alten Land sonst nur auf Lühesand.
Zur Blütezeit können Besucher unter den Kirschblüten zelten.