Neu Wulmstorf: Protest gegen die Böllerei wächst
Vor allem wegen der vielen Reetdächer in Rübke gelten in Neu Wulmstorf seit 2017 verschärfte Spielregeln für das Abbrennen von Feuerwerk. Doch viele Bürger wünschen sich mehr. Foto: Michaelis
Weil die exzessive Böllerei teilweise erhebliche Sachschäden anrichtet, wünschen sich immer mehr Bürger auch in Neu Wulmstorf ein Verbot der exzessiven privaten Knallerei in der Silvesternacht. Doch die Gemeinde sieht dafür keine Handhabe.
Die Silvesternacht naht, und mit jedem Tag, den sie näher rückt, wächst die Angst bei Helga Bohm. Die Rentnerin wohnt in der Neu Wulmstorfer Heidesiedlung und erinnert sich noch mit Grausen an die Silvesternacht vor einem Jahr, als Böller-Freaks mit Polenböllern in der Siedlung unterwegs waren. Am nächsten Morgen konnte sie das Ausmaß der Schäden kaum fassen. Ihr Gartengrün zerzaust und zerrauft, das Dach war übersät mit Bölleresten. An ihrer Terrasse waren durch den starken Sprengstoff Steine kaputtgegangen und die Kanten der Stufen abgebrochen, und der Wohnwagen der Nachbarn hatte schwarze Löcher im Dach, berichtet Helga Bohm. „Das ist kein Silvesterspaß mehr, das ist Vandalismus“, sagt sie.
Eine solche Silvesternacht möchte die gelernte Schneiderin, die sich seit vielen Jahren für verschiedenste Belange in ihrem Heimatort engagiert, nie mehr erleben. „Wenn das dermaßen ausartet und Menschen sich überhaupt nicht mehr benehmen können, dann muss das Geböller im ganzen Umkreis verboten werden“, sagt Helga Blohm und weiß sich in ihrem Wunsch nach strengeren Regeln für die Knallerei mit vielen Nachbarn und auch vielen Geschäftsleuten im Ort einig.
In Hamburg hat die Polizei erstmals ein Böllerverbot rund um die Binnenalster erlassen, weiß Bohm. So etwas müsste auch die Gemeinde Neu Wulmstorf tun, wünscht sie sich und will sich dafür mit allen Mitteln einsetzen. „Warum geht das nicht auch hier? Wir müssen das unbedingt erreichen, denn so etwas ist Schädigung von Eigentum.“ Bei der Gemeinde ist Helga Bohm bereits an verschiedenen Stellen vorstellig geworden und hat ihren Wunsch vorgetragen, doch bisher ohne Erfolg.
Tatsächlich seien auch in Neu Wulmstorf immer mehr Leute gegen die Knallerei, aber die Gemeinde könne und werde nicht mehr tun als das, was sie bereits getan habe, sagt Neu Wulmstorfs Gemeindesprecherin Sandra Lyck.
Für Verbote mit Blick auf die öffentliche Sicherheit habe die Gemeinde keine Handhabe, erklärt Lyck. In Hamburg herrschten ganz andere Voraussetzungen als in Neu Wulmstorf. „Wir haben hier keine besonderen Gemengelagen oder Gefahrenpunkte, die das rechtfertigen würden“, erklärt Lyck. Obendrein hätte die Gemeinde auch gar nicht das Personal, um die Einhaltung eines solchen Verbots zu kontrollieren.
Auch in diesem Jahr werden deshalb in Neu Wulmstorf „nur“ wieder jene verschärften Spielregeln gelten, die die Gemeinde bereits 2017 erstmals für das Abschießen von Böllern und Feuerwerk verordnet hatte und die seither Jahr für Jahr für die Silvesterzeit erneuert werden. Vor allem zum Schutz der Reetdächer im Gemeindegebiet hatte der Rat auf Initiative der SPD eine Verordnung erlassen, die erstmals dieerforderlichen Abstände konkret in Metern definiert hatte. Demnach gilt von brandempfindlichen Gebäuden wie Reetdächern, Holzhäusern, Tankstellen, Kraftstoff-, Gas- und Öllagern gilt für das Abschießen von Raketen, Batterien, Fontänen und Böllern jetzt ein Mindestabstand von 200 Metern, Wunderkerzen und Knallerbsen dürfen im Umkreis von 50 Metern um die genannten Anlagen nicht benutzt werden.
Das Schießen mit Signal- und Schreckschusswaffen ist im Umkreis von 50 Metern um Kirchen, Krankenhäuser, Tiergehege, Kinder- und Altenheime verboten. Wer gegen diese Regelung verstößt und erwischt wird, kann mit einer Geldbuße von bis zu 1000 Euro bestraft werden. Fast gleiche Regeln gelten übrigens auch in Moisburg: Die Samtgemeinde Hollenstedt, in der es besonders viele Tiergehege gibt, hat aktuell eine ganz ähnliche Verfügung erlassen, mit den gleichen Meterabständen wie Neu Wulmstorf.
Die gesamte Neu Wulmstorfer Verfügung ist unter www.neu-wulmstorf.de einzusehen.