Neu Wulmstorfs Grünmüll versinkt im Planungschaos
Für Anlieferer mit WL-Kennzeichen wird das Abfallwirtschaftszentrum Ardestorf ab Ende Juni die Schranken nicht mehr öffnen. Der Kreis Stade braucht die Annahmekapazitäten für die eigenen Bürger. Foto Michaelis
Die Bürger im westlichen Kreis Harburg müssen sich künftig auf längere Wege einstellen, wenn sie Grünabfall loswerden wollen. Die Deponie Ardestorf ist für WL-Bürger ab Juli tabu, und die Pläne für die neue Annahmestelle in Grauen sind vorerst geplatzt.
Wenn die Neu Wulmstorfer ab Juli die Annahmestelle in Ardestorf im eigenen Gemeindegebiet nicht mehr nutzen dürfen, sollte nach den Plänen des Kreises die neue Annahmestelle auf dem Gelände der Firma Helmuth Meyer GmbH & Co. KG in Grauen ihre Pforten öffnen.
Sieben Wochen sind es noch, bis der Landkreis Stade die Pforten für die WL-Bürger in Ardestorf endgültig schließt. Doch von einer Eröffnung in Grauen ist beim Landkreis derzeit keine Rede mehr, auf Nachfragen nach der Entsorgungs-Alternative für die Bürger im nordwestlichen Harburger Kreisgebiet gibt sich die Kreisverwaltung äußerst wortkarg. Das hat seinen Grund: Mit der neuen, vom Kreis angekündigten Annahmestelle auf dem Gelände der Firma Helmuth Meyer in Grauen wird es vorerst nichts. Nicht bis zum 1. Juli, und ob das Vorhaben überhaupt zustande kommt, ist mehr als fraglich.
Mit der Planung in Grauen gibt es gleich mehrere Probleme: So hat sich herausgestellt, dass der Bebauungsplan Grauen-West, den die Gemeinde Appel vor sechs Jahren für die Erweiterung des Geländes der Firma Meyer geändert hat und der für die Einrichtung der Abfallannahmestelle vom Rat noch einmal entsprechend angepasst werden müsste, rechtswidrig ist. Obendrein sei Firma Meyer gar nicht Eigentümer des Erweiterungsgeländes, habe auch keinen Pachtvertrag und könne folglich gar nicht über die Fläche verfügen, berichtet Appels Bürgermeister Reinhard Kolkmann auf TAGEBLATT-Nachfrage. All das sei dem Landkreis aber bekannt.
Zwar ist die Gemeinde derzeit dabei, den Formfehler mit dem Bebauungsplan zu heilen, um dem Abbruch- und Tiefbauunternehmen die seinerzeit gewünschte Erweiterung zu ermöglichen. Ob der Gemeinderat aber auch einer weiteren Anpassung des Plans für die Einrichtung der Abfallannahmestelle zustimmen werde, dazu möge er keine Prognose abgeben, sagt Kolkmann.
Denn in Grauen hat sich mittlerweile eine Bürgerinitiative formiert, die gegen die Grünabfall-Annahmestelle auf dem Meyer-Gelände an der Grauener Dorfstraße (K 53) protestiert, weil sie eine erhebliche Verkehrs-, Lärm-, und Schmutzbelastung für den kleinen Ort befürchtet. Auch würden die Neu Wulmstorfer über die kürzeren Schleichwege nach Grauen fahren und das gesamte Dorf mit Verkehr belasten, fürchten die Bürger.
Nach Berechnungen des Kreises gibt es pro Jahr 55 000 Anlieferer aus dem Kreis Harburg in Ardestorf. Als Berechnungsgrundlage für die Ausschreibung hatte der Kreis 80 000 Anlieferer zugrunde gelegt, weil auch Moisburger und Hollenstedter nach Ardestorf fahren. An 300 Tagen im Jahr rechnet der Kreis mit 270 Anlieferern pro Tag oder 30 Anlieferern pro Stunde. Auch fürchten die Grauener, dass sich die Anlieferer zu den Stoßzeiten bis auf die Kreisstraße zurückstauen.
All das sieht auch Bürgermeister Kolkmann, der seit 2011 mit seiner parteiunabhängigen Truppe Bündnis für Appel (BfA) regiert und die Anliegen der Bürger sehr ernst nimmt. Für ein kleines 270-Einwohner-Dorf wie Grauen sei das schon viel und sehr die Frage, ob das sein müsse, findet auch Kolkmann.
Im Klartext bedeutet das: Bis Ende Juni wird es mit Grauen sicher nichts, und ob es überhaupt etwas wird, ist mehr als fraglich. In den betroffenen Gemeinden fragen sich unterdessen viele, wie der Landkreis mit einem Bieter Verträge schließen konnte, ohne zu prüfen, ob dieser überhaupt die Voraussetzungen erfüllt.
Wie mehrfach berichtet, hatte der Landkreis Stade zum Jahresende 2016 die Zweckvereinbarung mit Harburg über die Grünmüllannahme gekündigt, weil durch die hohe Zahl von Anlieferungen aus dem Kreis Harburg die Abfallmenge die genehmigte Kapazität der Anlage weit überstieg. Am Ende hatte sich der Landkreis Harburg entschieden, die Leistung europaweit auszuschreiben. Darauf hatte sich aber nur Firma Meyer beworben, und der Kreis Meyer letztlich mit der Grünschnitt- und Elektroschrott-Annahme beauftragt.
Von der Kreisverwaltung gibt es aus gegebenem Anlass derzeit nur schriftliche Äußerungen zum Thema: Die grundsätzliche Entsorgungssicherheit bleibe auch nach Ende Juni gewährleistet, heißt es aus dem Kreishaus. In jedem Fall stünden für die Grüngutentsorgung die neue Biotonne sowie unverändert die monatliche Grünabfall-Straßensammlung zur Verfügung. Sperrmüll werde auf Bestellung abgeholt, für Elektroschrott und Kleinmengen an Siedlungsabfällen gebe es die bekannten Annahmestellen im Kreis, wie Nenndorf oder Todtglüsingen. Darüber hinaus sei die Kreisverwaltung bemüht, „für die Bürger im Nordwesten des Landkreises eine ortsnahe Anschlussmöglichkeit zu schaffen“.