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Finkenwerder

Neue Airbus-Ära mit Luise und Renate

Technische Revolution bei Airbus in Finkenwerder: Kollegin Roboter hat Einzug gehalten in der vierten Endmontagelinie für die A320- Familie. „Luise“ und „Renate“ wurden die beiden genannt. Fotos Strüning

Technische Revolution bei Airbus in Finkenwerder: Kollegin Roboter hat Einzug gehalten in der vierten Endmontagelinie für die A320- Familie. „Luise“ und „Renate“ wurden die beiden genannt. Fotos Strüning

Der Flugzeughersteller hat am Donnerstag eine vierte Produktionslinie für die Maschinen der A 320-Familie offiziell in Betrieb genommen. Auch das Auslieferungszentrum wurde erweitert. Es wurde auf den Namen Walther Blohm getauft. Namen tragen in der Produktionslinie auch die Roboter.

Von Lars Strüning Donnerstag, 14.06.2018, 20:00 Uhr

„Ich bin Luise“, „Ich bin Renate“ steht auf den großen Apparaten in der neu eingerichteten Fertigungshalle, die mit ihren 21 Tonnen bis zu sieben Meter in die Luft ragen. Luise ist der Roboter für die linke Seite des Fliegers, Renate für die rechte. Die Mitarbeiter haben sie so getauft. Nach anfänglichen Berührungsängsten mit Kollege Roboter haben sich die Flugzeugbauer an die neue Arbeitsweise gewöhnt. „Es überwiegt die Neugier“, sagt Projektleiter Jens Siebels aus Buxtehude zum Verhältnis von Mensch zu Maschine.

Airbus hat einen leerstehenden Hangar aus dem A 380-Programm innerhalb von 14 Monaten komplett bestückt, um dort den Renner im Portfolio, die Maschinen aus der A 320-Familie, nach neuesten Techniken zusammenzusetzen. „Digitalisierung“ und „Automatisierung“ sind die Schlagworte, mit denen Klaus Röwe die Besonderheiten der neuen Fertigungslinie beschreibt. Der Automatisierungsprozess sei erst am Anfang. Röwe wohnt ebenfalls in Buxtehude und ist Leiter des A 320-Programms. Er sagt aber auch: „Flugzeugbau ist weiterhin noch viel Handarbeit.“

„Luise“, der Roboter für den linken Bereich des Fliegers, in Aktion. Sie ist mit ihrer Schwester „Renate“ ein wichtiger Bestandteil des Automatisierungsprozesses bei Airbus. 

Luise und Renate nehmen den Flugzeugbauern viel Arbeit ab. 2800 Löcher schneiden sie lasergestützt passgenau in den Rumpf des Fliegers. Das sind etwa 80 Prozent dieser Arbeit, der Rest wird nach wie vor manuell erledigt. Frank Rocksien aus Helmste, Leiter der vierten Endmontagelinie, schwört auf das Endprodukt aus seiner Halle: Zwei Flieger, die sein Team zusammengebaut hat, sind bereits in der Luft. Die Kunden-Kritiken seien hervorragend. Für die Mitarbeiter habe sich die Ergonomie am Arbeitsplatz deutlich verbessert. Dennoch ist die vierte Linie noch nicht im Hochlauf. Unter Volldampf sollen hier gut 200 Mitarbeiter pro Monat zehn Flieger fertigen. So viel wie in den anderen drei Endlinien in Hamburg, aber mit weniger Personal.

Der Hochlauf ist wichtig, damit Airbus alle Kundenwünsche erfüllen kann. 8000 Flugzeuge der A 320-Familie wurden in den vergangenen 30 Jahren hergestellt, 6000 stehen noch in den Auftragsbüchern. Airbus hat Tempo aufgenommen, um dem Markt gerecht zu werden. Einst benötigte der Flugzeugbauer zwölf Jahre, um 1000 Flieger zu fertigen, jetzt sind es nur noch zwei Jahre. Der Prozess wird fortgesetzt. Mit der neuen Montage verfügt Airbus über acht A 320-Fertigungslinien an vier Standorten in Deutschland, Frankreich, China und den USA. Mit der neuen Hamburger Fertigungslinie wird der Ausstoß im nächsten Jahr auf insgesamt 60 Maschinen erhöht, also 720 im Jahr.

Daumen hoch: Die Airbus-Manager (von links) Klaus Röwe, Guillaume Faury und Olaf Lawrenz weihen mit Wirtschaftssenator Frank Horch (Zweiter von links) die vierte Endmontagelinie in Hamburg ein.

Entsprechend euphorisch waren die Stellungnahmen von Offiziellen und Verantwortlichen am Donnerstag. „Das ist ein wichtiger Meilenstein für Airbus in puncto Produktionseffizienz und Digitalisierung“, sagte der Chef der Airbus-Sparte für Zivilflugzeuge, Guillaume Faury. „Wir werden smarter und schneller in allem was wir tun.“

Der A 320 habe aus dem kleinen Hersteller Airbus einen der weltweit führenden Flugzeugproduzenten gemacht. Alle 1,5 Sekunden starte oder lande irgendwo auf der Welt ein A 320. Das vor mehr als 30 Jahren entworfene Flugzeug sei kontinuierlich verbessert worden und verbrauche heute ein Viertel weniger Sprit bei doppelter Reichweite. Die aktuellen Produktionszahlen habe sich beim Start des Programms niemand vorstellen können. 2020 werde der 10 000. Airbus für die A 320-Familie ausgeliefert.

Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch sprach von einem Flaggschiff der Hamburger Wirtschaft und exzellenten Beispiel für die Industrie 4.0. Für Thomas Jarzombek, Luftfahrt-Koordinator der Bundesregierung, ist die Endlinie ein Leuchtturm-Projekt.

Am gleichen Tag eröffnete Airbus sein modernisiertes und ausgebautes Auslieferungszentrum, das nach dem Hamburger Luftfahrt-Pionier Walther Blohm benannt wurde. Er hatte 1940 den Grundstein für den zivilen Flugzeugbau in Finkenwerder gelegt.

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