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Neuer Ärger um die Sex-Mobile an der B 73

Neuer Ärger um die Sex-Mobile an der B 73

Weil auf dem Parkplatz an der Bundesstraße 73 am Rand der Gemeinde Nottensdorf inzwischen vier Sex-Mobile stehen, regt sich Widerstand in der Bevölkerung. Über Jahre parkten dort zwei Fahrzeuge, sie gehörten gewissermaßen schon zum Ortsbild. Bürger beschweren sich immer wieder.

Von Daniel Beneke Montag, 15.05.2017, 18:49 Uhr

Die Verwaltung der Samtgemeinde Horneburg ist machtlos, wie Ordnungsamtsleiter Knut Willenbockel im Rahmen der jüngsten Sitzung des zuständigen Fachausschusses ausführte: „Es ist alles genehmigt.“ Das Gelände gehöre dem Bund, die Kommune habe darauf keinen direkten Zugriff. Ohnehin sei der Betrieb der Sex-Mobile alleine noch nicht illegal. Allerdings seien einige Wohnwagen zeitweise nicht fahrbereit und hätten keine Zulassung. Sie dürften nicht auf einem öffentlichen Parkplatz deponiert werden. Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr müsse sich kümmern, sagte Willenbockel.

Nur wenn Abfall abgelegt werde oder Öl austrete, sei der Landkreis Stade als Umweltbehörde zuständig. Die mit auffälligen pinkfarbenen Plüschtieren, roten Herzen und handgeschriebenen Plakaten verzierten Mobile, die aktuell dort parken, sehen zum Teil arg heruntergekommen aus, verfügen aber über amtliche Kennzeichen. Eins trägt Werbung für ein einschlägiges Internetportal, das auch Steckbriefe der Prostituierten zeigt, die in den Wagen anzutreffen sein sollen. Eine „Deutsche Frau Steffi“ macht mit einem hinter eine Scheibe geklebten Zettel auf sich aufmerksam.

Mit Hilfe der Polizei habe die Samtgemeinde-Verwaltung die Halter ermittelt und angeschrieben. Es handele sich dabei um zwei Privatpersonen, die jeweils zwei Fahrzeuge dort postiert hätten. „Das sind nicht die Damen, die in den Wagen arbeiten“, sagte Willenbockel. Laut Kennzeichen stammen die Halter aus dem Kreis Stade. Die Adressen habe sein Amt an die Landesbehörde weitergereicht. Er sprach von einem „Ärgernis“. Die Recherche sei aufwendig und mit immer neuen Nachfragen verbunden. Das Verfahren befinde sich „in der Klärung“, hieß es.

„Die Wagen dürfen dort stehen“, erklärte auch der Sprecher der Polizeiinspektion Stade, Andre Janz, auf TAGEBLATT-Nachfrage. Die Beamten kontrollieren die Mobile an der Bundesstraße regelmäßig. Bei der jüngsten Überprüfung in der vergangenen Woche konnten sie keine Hinweise auf Straftaten feststellen. „Sie sind aus unserer Sicht absolut unauffällig“, sagte Janz. Aus polizeilicher Perspektive sei eine Verbannung der Prostituierten aus dem öffentlichen Raum ohnehin nicht begrüßenswert. Hier können sie kontrolliert und im Hinblick auf mögliche Gefahren beraten werden. Wenn die Damen ihrer Tätigkeit im Verdeckten nachkommen, wird der Zugriff für die Ermittler schwieriger.

Gleichstellungsbeauftragte und Opferhilfeorganisationen lehnen den Betrieb der Sex-Mobile ab. Sie sprechen von einem Netzwerk aus Kriminalität und Gewalt. Ihrer Meinung nach handelt es sich um ein schmutziges Geschäft. Bei Veranstaltungen kritisieren sie das Gewerbe.

Belege für kriminelle Rotlicht-Strukturen im Kreis gibt es allerdings kaum. Lediglich durch mysteriöse Brände gerieten die Fahrzeuge in die Schlagzeilen. Warum die Feuer ausbrachen, blieb unklar. Insider gingen von Anschlägen aus. Die Sex-Mobile sollen dem Vernehmen nach zum Einflussbereich von Rockergruppen zählen. Die Hintermänner sind unbekannt.

Auch im weiteren Verlauf der Bundesstraße 73 nimmt die Zahl der Wagen zu. Zum Beispiel haben sich am Rand der Ortschaft Neukloster auf einem Parkplatz am Grünen Wald zwei Wagen etabliert. Jahrelang war dieser Standort nicht besetzt. Die Behörden lassen die Prostituierten gewähren.

Andernorts wird härter durchgegriffen: Im Landkreis Gifhorn hatte die Landesbehörde für Straßen und Verkehr verfügt, dass die Sex-Mobile an der Bundesstraße 188 entfernt werden müssen. Offiziell aus Gründen der Sicherheit. Damit werden die erotischen Dienstleistungen allerdings nur an andere Orte verdrängt. Im Sommer tritt das neue Prostituiertenschutzgesetz mit verschärften Regeln in Kraft. Es verlangt unter anderem, dass die Sex-Arbeiterinnen ihr Gewerbe anmelden müssen und eine Erlaubnis zum Anschaffen benötigen.

Neuer Ärger um die Sex-Mobile an der B 73

Ein Wohnmobil auf dem Parkplatz am Rand der Gemeinde Nottensdorf ist im Oktober 2012 unter mysteriösen Umständen ausgebrannt . Auch in diesem Fahrzeug boten Prostituierte ihre Dienste an. Archivfoto: Vasel

Ein Wohnmobil auf dem Parkplatz am Rand der Gemeinde Nottensdorf ist im Oktober 2012 unter mysteriösen Umständen ausgebrannt . Auch in diesem Fahrzeug boten Prostituierte ihre Dienste an. Archivfoto: Vasel

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