Neues Magazin: Wellenreiten, Reisen und Outdoor
Um die perfekte Welle und andere Sehnsuchtsthemen geht es im Magazin „Waves & Woods“. Foto Lars Jacobsen
Aus dem Hobby einen Beruf machen: Viele träumen davon, wenige wagen es und noch weniger sind erfolgreich damit. Zu letzteren gehört Lars Jacobsen. Er gründete seinen eigenen Verlag, um eine Zeitschift auf den Markt zu bringen. Die Themen: Wellenreiten, Reisen und Outdoor.
Lars Jacobsen kann sich noch sehr gut an seine erste Welle erinnern. „Das war 1994 in Frankreich. Ich war 14 Jahre alt und habe damals mit einem Freund ein Surfcamp in Contis Plage besucht“, erzählt er. Seine Leidenschaft hat er längst zum Beruf gemacht: Letztes Jahr gründete der 37-Jährige seinen eigenen Verlag, um die Zeitschrift „Waves & Woods“ auf den Markt zu bringen. Darin geht es ums Wellenreiten, Reisen und das Outdoor-Leben.
Allerdings spielen die Abenteuer, von denen Jacobsen und sein Team berichten, nicht an klassischen Surfstränden, sondern gerne auch mal in entlegenen Ecken wie Alaska oder auf den Färöer-Inseln.
Die Begeisterung fürs Surfen wurde Jacobsen praktisch in die Wiege gelegt. „Meine Eltern haben in Rheda-Wiedenbrück damals den Laden ‚Reit- und Surftreff‘ betrieben – eine weltweit wahrscheinlich einzigartige Kombination“, grinst er. „Meine Mutter hat sich um die Reitartikel und mein Vater um die Surfprodukte gekümmert. Das war die Zeit, als Windsurfen total populär war. Es kamen ständig irgendwelche zotteligen Surfer in den Laden, und wir haben über Wind und Wasser geredet. Das hat mich geprägt.“
1998 absolvierte Jacobsen sein erstes Praktikum bei einem Surf-Magazin. Sein Ozeanographie-Studium – das weniger romantisch war, als er es sich vorgestellt hatte – schmiss er zugunsten seines Volontariats hin. 15 Jahre war er bei dem Magazin tätig, arbeitete sich bis zum Chefredakteur hoch, bis es eines Tages eingestellt wurde. „Danach habe ich noch kurz ein neues Surf-Magazin mit aufgebaut, aber nach ein paar Monaten hatte ich die Nase voll“, so Jacobsen. Er wollte endlich unabhängig sein. Außerdem hatte er erkannt, dass die Zielgruppe mit ihm mitgewachsen war. „Früher durfte es in Surf-Magazinen wirklich nur ums Wellenreiten gehen. Wer noch andere Interessen hatte, war nicht mehr authentisch. Mit der Zeit hat sich das geändert, die Leute haben auch andere Hobbies. Das wollte ich in Magazin-Form bringen.“
Nach nur drei Monaten Produktionszeit lag „Waves & Woods“ im März 2017 erstmals am Kiosk, gerade ist die achte Ausgabe erschienen. Jacobsen, dessen zweites Standbein die Fotografie ist, ist Herausgeber, Chefredakteur, Anzeigenleiter, Fotograf und Autor in Personalunion. Und es läuft gut: Die Auflage liegt mittlerweile bei 12 000 Heften. „Wenn man im Jahr 2017 mit einem neuen Printprojekt anfängt, kann das auch schnell ein Himmelfahrtskommando werden“, ist er sich im Klaren. „Man muss den Leuten deshalb etwas bieten, das nur Print kann. Print lebt von dem Haptischen: der Geruch von Papier und Farbe. Und es muss ein Produkt sein, das zeitlos auf dem berühmten Coffee Table liegen kann.“
Auf „Waves & Woods“ trifft all das zu. Mit dem klassischen aufgeräumten Layout ist es optisch ein echter Hingucker – auch, weil Jacobsen das größte Print-Format wählte, das man heutzutage an den Kiosk bringen kann. Es gibt lange Bildstrecken, doppelseitige Aufmacherfotos und tiefgründige Lesestücke. Wer die 126 Seiten durchblättert, bekommen deshalb schnell Fernweh. Dabei können längst nicht nur Surfer Freude an dem Heft haben. Auch das Thema „Van-Life“, also den Lebensentwurf jener Menschen, die oft oder immer im VW-Bus durch die Welt reisen, bildet „Waves & Woods“ ab.
Thematisch denkt Jacobsen gerne um die Ecke. „Klar berichten wir auch mal über Hawaii, aber wenn dann Dinge, die noch nicht jeder weiß“, sagt er. „Generell versuchen wir, Klischees zu vermeiden.“ Für die aktuelle Ausgabe zum Beispiel schickte Jacobsen einen Vulkanologen auf den Ätna und ließ einen Afrika-Historiker über die Transkei schreiben. Beide sind nebenbei leidenschaftliche Surfer, haben also den entsprechenden Hintergrund.
„Wir hatten auch schon mal eine Geschichte über einen Typen, der auf einer Eisscholle den Ozean runter driften will, bis die Eisscholle schmilzt, und neulich waren wir im Dezember bei minus 20 Grad auf Island Wellenreiten“, so Jacobsen. „Wir wollen über Orte berichten, an denen kein Massentourismus herrscht, sondern man wirklich noch die Natur entdecken kann.“
Jacobsen selbst pendelt zwischen Hamburg und der Ostsee – wenn er nicht gerade mit seinem umgebauten Geländewagen unterwegs ist. Bis zu 200 Tage im Jahr ist er auf Reisen, auch wenn das seit der Geburt seines Sohnes vor knapp einem Jahr weniger geworden ist. „Die letzten eineinhalb Jahre waren schon ein sportliches Programm“, sagt er. „Aber ich fühle mich mit dem Magazin gerade total angekommen. Wir haben uns in der Szene gut etabliert, und ich glaube tatsächlich, dass Print noch eine Menge kann. Viele Leute suchen im Moment wieder aktiv nach einem Offline-Knopf. Nach etwas, das sie von ihrem iPhone wegbringt. Wenn sie sich mit unserem Magazin fünf Minuten zurücklehnen und in Fernweh schwelgen, haben wir unser Ziel erreicht.“