Neugrabens Geschäftszentrum wird zum Geisterhaus
Das Süderelbe Einkaufszentrum hat seine besten Tage längst hinter sich. Im Inneren herrscht gähnende Leere. Foto: Wahba
Das Süderelbe Einkaufszentrum mitten in Neugraben wird zunehmend zum städtebaulichen Problemfall. Leerstände prägen das heruntergekommene Gebäude, in dessen Modernisierung fünf Millionen Euro fließen sollten. Passiert ist nicht viel.
Im Erdgeschoss halten noch einige Ladenbesitzer die Stellung. Mit dem Lebensmittel-Discounter Netto haben sie wenigstens einen Frequenzbringer, der noch Kunden ins Süderelbe Einkaufszentrum (SEZ) zieht. Mit der Rolltreppe – sie funktioniert inzwischen wieder – geht es ins Obergeschoss. Und hier herrscht gähnende Leere. In der Decke fehlen einige Deckenplatten. Kaum ein Laden ist vermietet. Eine Änderungsschneiderei gibt es noch. Und als wolle er dem Leerstand bewusst trotzen, hält der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete André Trepoll an seinem Wahlkreisbüro im SEZ fest.
Reden will niemand über den maroden Zustand und den eklatanten Leerstand im SEZ – schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Im Jahr 2013 hatte die Eigentümerin, die dänische MC Property Fund Hamburg GmbH – ein dänischer Konzern mit Sitz in Kiel – angekündigt, mehr als fünf Millionen Euro zur Aufwertung des mehr als 30 Jahre alten, heruntergekommenen Einkaufszentrums zu investieren. Ein entsprechendes Konzept war damals mit der Hamburger Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft (steg) abgestimmt worden. Passieren sollte die Modernisierung bis 2020. Besucher des SEZ allerdings dürften sich fragen, wo das Geld geblieben ist.
„Offenkundig verfügt der Betreiber nicht über die nötigen Mittel, um die ganzen Pläne umzusetzen“, vermutet der SPD-Fraktionsvorsitzende in der Harburger Bezirksversammlung, Jürgen Heimath. „Mit Ausnahme des bekundeten Willens, das SEZ zu modernisieren und damit dem großen Leerstand entgegenzuwirken, sehe ich keinen Fortschritt“, stellt Heimath fest.
Droht in Neugraben ein zweites Harburg Center? In bester Innenstadtlage verrottete jahrelang das Einkaufszentrum am Harburger Ring. Die Politik war machtlos. Das leerstehende Center war zum Problemfall für die innerstädtische Entwicklung geworden. Der Inhaber, Hans-Dieter Lindberg, suchte mehrere Jahre lang einen Käufer. Ihm fehlte das Geld, um das Einkaufszentrum zu sanieren oder abzureißen. Erst jetzt reißt die neue Eigentümerin, die bpd Immobilienentwicklung GmbH, das marode Bauwerk ab und plant unter anderem, 220 neue Wohnungen in dem neuen Komplex in der City zu bauen.
Im Harburger Bezirksamt liegen schon die Pläne für die bauliche Umgestaltung des Neugrabener Zentrums. Das Polizeikommissariat 47 und das Ortsamt werden ausziehen. Entstehen sollen hier dringend benötigte Wohnungen. Die Marktpassage wird neu gestaltet.
Und nördlich der Bundesstraße 73 am Neugrabener Bahnhof ist ebenfalls Wohnungsbau geplant. Das Ortsamt soll einen Neubau auf der Fläche, auf der heute das Restaurant Schweinske steht, beziehen. Die Polizeiwache wird an die Cuxhavener Straße/Süderelbebogen verlegt. Schon im kommenden Jahr soll es losgehen. „Es ist alles in trockenen Tüchern, bis auf die endgültige Verkehrsplanung. Die ganze Randbebauung des Marktes wird vernünftig aussehen. Und wir hoffen, dass dann der Druck auf den Inhaber des Einkaufszentrums steigt“, sagt Jürgen Heimath.
Der Harburger SPD-Politiker hofft, dass die dänische Holding doch noch auf die Idee kommt, dass in den beiden großen Neubaugebieten an der B 73 immense Kaufkraft zu holen ist und endlich investiert. Aber: „So, wie das SEZ jetzt aussieht, kommt niemand aus dem Vogelkamp oder den Fischbeker Reethen, um hier einzukaufen“, befürchtet Heimat.