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Nina Petri mal ganz privat

Hier schon im Bühnen-Outfit und frisch geschminkt: Nina Petri ist 20 Minuten vor der Vorstellung „eher gespannt als aufgeregt“. Foto Andrae

Hier schon im Bühnen-Outfit und frisch geschminkt: Nina Petri ist 20 Minuten vor der Vorstellung „eher gespannt als aufgeregt“. Foto Andrae

Nur noch 20 Minuten, bevor es losgeht. Hauptdarstellerin Nina Petri gibt ein paar private Einblicke. Zwei Stunden später wird die Schauspielerin in „Gift. Eine Ehegeschichte“ auf der Halepaghen-Bühne gefeiert.

Donnerstag, 19.01.2017, 19:36 Uhr

Eine gute Stunde vor Vorstellungsbeginn läuft sie mit wehendem Mantel durch die Flure des Halepaghen-Gymnasiums, wirft einen Blick auf den Ort, an dem sie später im Zwei-Personen-Stück „Gift“ zu sehen sein wird. Zurück in der Garderobe wirft sie den Mantel ab, streicht das Haar mit einer schnellen Handbewegung aus dem Gesicht und schaut auf. Zeit für ein kurzes Gespräch.

Nina Petri wirkt angespannt. Ist das Lampenfieber? Nein, klassisches Lampenfieber sei das nicht, eher eine Art Gespanntheit. Sie spiele das Stück heute Abend auch nicht zum ersten, sondern schon zum 52. Mal, und ihren Partner auf der Bühne, Nicki von Tempelhoff, kenne sie schon ewig.

Während Nicki von Tempelhoff sich im Vorraum einen heißen Kaffee zapft, erzählt Nina Petri, dass das als glamourös geltende Schauspielerdasein nach einiger Zeit auch zu einem normalen Beruf wird, der routinierte Abläufe erfordert und seine Schattenseiten bereithält. Wenn sie wisse, dass sie am Abend spielt, dann sei das der Fixpunkt des Tages, um den herum sie plane. Ihre Zwillingstöchter, beide 22 Jahre alte Studentinnen, seien jedenfalls nie auf die Idee gekommen, es ihrer Mutter beruflich gleichzutun. Sie hätten den Beruf sogar oft als belastend wahrgenommen. Nina Petri hat ihre Töchter allein großgezogen. Was nicht immer eine leichte Aufgabe gewesen ist. Auf die Frage, ob ihre nun erwachsenen Töchter ihre Kindheit als schön empfunden haben, antwortet Nina Petri mit Entschlossenheit: Ja, da sei sie sich sicher. Sie habe als Mutter keinen Druck ausgeübt, die beiden Mädchen immer gelassen. Für Petri ohnehin das Geheimrezept für eine gelungene Erziehung. Unter diesem Gesichtspunkt beurteile sie auch, wenn andere Frauen sich über die pubertären Anwandlungen ihrer Kinder beschwerten: „Diese Frauen können ihr Älterwerden nicht ertragen, sie machen ihren Kindern ständig Vorschriften. Ich glaube, da ist oft Neid auf die erblühende Tochter mit im Spiel.“

Nina Petri selbst ist dieses Gefühl fremd. Man glaubt es ihr. Seit langem trägt sie das Etikett der starken, unabhängigen Frau, und auch im persönlichen Umgang macht sie nicht den Eindruck, um jeden Preis gefallen zu wollen. Ist sie ein unkomplizierter Mensch? Nina Petri denkt sehr kurz nach. „Unkompliziert? Nein, Unkompliziertheit wird mir eigentlich nicht ausdrücklich nachgesagt.“ Also nicht unkompliziert. Aber ehrlich.

Und anders als die Frau, die sie in ein paar Minuten auf der Halepaghen-Bühne verkörpern wird, scheint Nina Petri ein ausgesprochen pragmatischer Typ zu sein. Angesprochen auf ihre bevorzugte Beschäftigungsart – also ob sie lieber Theater spiele oder vor der Fernsehkamera stehe, womöglich für ein seichtes Unterhaltungsformat – meint sie lässig: „Ach, beides ist gut.“ Früher habe sie sich die Rollen aussuchen können, das sei heute nicht mehr so. Sie nehme auch Engagements an, weil sie schließlich Geld verdienen müsse. Aber das sei auch in Ordnung so. „Außerdem genieße ich es, dass ich im ganzen breiten Spektrum meines Schauspielerberufs zu Hause sein kann.“

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