Noch illegal: Reiterhof soll Therapiezentrum werden
Illegal erstellt: Fundamente und Konstruktion der Bewegungshalle. Archivfoto: Beneke
Die Arbeiten haben begonnen, obwohl keine Genehmigung vorliegt. Ein Bebauungsplanverfahren soll die Erweiterung der Reitanlage am Kutenholzer Weg am Rand der Gemeinde Fredenbeck jetzt legalisieren.
Die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses des Rates signalisierten Wohlwollen. Geschäftsmann Mahmut Ciftci hat das Grundstück, auf dem ein Winkelbungalow aus den 1970er Jahren und Ställe stehen, vor einem Jahr gekauft – mit dem Ziel, einen Reiterhof mit Therapieangeboten für Menschen und Tiere einzurichten.
Psychisch und körperlich beeinträchtige Menschen und Pferde sollen behandelt werden. Dazu müssen jedoch weitere Gebäude hochgezogen werden. Eine Bewegungshalle soll entstehen. Besonders im Winter sollten die Pferde nicht permanent im Freien stehen, lautete der Rat eines Tierarztes. Sein Sprecher Halit Yigli stellte das Konzept während der Sitzung vor.
So sind eine Futterhalle und eine Mistplatte geplant. Der Reitplatz und das Paddock sollen verlegt werden. Kleine Ferienhäuser als Unterkünfte für Therapiegäste gehören zum Ensemble, ebenso wie Wohnungen für Betriebsangehörige. Gräben und Teiche sollen die Entwässerung sicherstellen und zur Naherholung beitragen. Eine neue Zuwegung soll über den Kutenholzer Weg erfolgen.
Die Fundamente für die Bewegungshalle sind schon gegossen, die weiteren Bauteile gekauft. Vor drei Wochen kam Architekt Manfred von Bargen ins Spiel. Seine Aufgabe: Bei der Legalisierung des Projektes helfen. „Da war das Kind schon in den Brunnen gefallen“, gestand er. Wenn der Rat einen Aufstellungsbeschluss fasst, könne Mahmut Ciftci einen Bauantrag stellen. „Er wusste es nicht besser“, sagte der Architekt. Auch Stadtplaner Hans Joachim Guleke hilft bei der Vorbereitung des Bebauungsplanes. Beide unterstützten Halid Yigli bei der Projektvorstellung in der Sitzung im Fredenbecker Rathaus.
Der Ausschussvorsitzende Fabian Schild von Spannenberg sprach von „einer ganz spannenden Geschichte“. Dass ein rechtsfreier Raum legalisiert werden soll, lobte er. Vertreter aller Fraktionen äußerten sich angetan von den Plänen. Der Tenor: Die Gemeinde Fredenbeck habe viele pferdeaffine Bürger, der Reitsport sei ein starker Faktor in der Region. Das Konzept sei erfolgsversprechend, vergleichbare Angebote gebe es in der Umgebung nicht. CDU-Ratsherr Jörn Euhus sprach von einem „Rieseninvest“. Er sah „die Chance, etwas über die Gemeindegrenzen hinweg Vorzeigbares“ entstehen zu lassen. „Diese Chance bekommen wir nicht zweimal“, begründete der Politiker seine Zustimmung.
Einstimmig votierte der Ausschuss für die Aufstellung des Bebauungsplanes. Wenn der Rat, der am Donnerstag tagt, zustimmt, kann Planer Hans Joachim Guleke mit der Behördenbeteiligung (Scooping-Verfahren) starten. Auch Lärmschutz-, Artenschutz- und Umweltbericht müssen noch erstellt werden.