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Oldtimer-Serie: Die Auto-Liebhaber sind eher männlich

Auch wenn es keine örtliche Statistik gibt, bundesweit hat das Institut für Demografie (IfD) Allensbach in einer Umfrage viele Daten zu Oldtimern und Youngtimern erhoben. Es wird eindeutig bestätigt: Die Zahl der Oldies ist in den vergangenen zehn Jahren massiv angestiegen.

Von Peter von Allwörden Dienstag, 07.08.2018, 09:00 Uhr

Vorweg einige Daten aus der Allensbacher Erhebung: Die Oldtimer-Liebhaberei ist typisch männlich. 90,2 Prozent der Oldtimer-Besitzer sind Männer – und sie sind auch nicht unbedingt die Jüngsten: 36,5 Prozent sind zwischen 50 und 59 Jahre alt, 32,7 Prozent 60 Jahre und älter. Und – das erklärt sich auch wieder durch das Alter – die Oldtimer-Freaks verdienen überdurchschnittlich. Allein 14 Prozent der Oldie-Besitzer haben ein Nettoeinkommen von mehr als 6000 Euro im Monat.

Das Interesse an alten Autos ist erheblich verbreiteter als deren Besitz. Immerhin 22 Prozent der Deutschen interessieren sich für historische Autos und Motorräder, so erheben die Allensbacher. Sie haben ihre „Untersuchung zum Besitz und Umgang mit klassischen Autos und Motorrädern 2017/2018“ im Auftrag des VF Verlages Mainz, der mehrere Oldtimer-Zeitschriften herausgibt, und des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) unternommen.

Die Untersuchung bietet auf jeden Fall aktuelle Daten zum Bestand an Oldtimern in Deutschland, der zwar nach wie vor verschwindend gering, aber deutlich gewachsen ist. Binnen zehn Jahren hat er sich verdoppelt. Die Allensbacher beziehen sich dabei auf die statistischen Daten des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) in Flensburg. Danach sind in Deutschland rund 600 000 historische Fahrzeuge zugelassen. 380 000 dieser alten Autos haben das historische H-Kennzeichen. Dazu kommen nach KBA-Schätzung weitere 200 000 Oldtimer, die mit dem speziellen roten Kennzeichen, mit dem mehrere Fahrzeuge im Verkehr bewegt werden dürfen, gefahren werden.

Sehr hoch ist der Anteil der Cabriolets mit 124 000 bei den Oldtimern. Cabrios, Coupés und Sportwagen haben nach Expertenmeinung ohnehin die besten Chancen auf Wertzuwachs als Oldtimer. Gleichwohl ist die Zahl der alten Autos, die gerne als „Brot- und Butter-Autos“ bezeichnet werden, die höchste unter den Oldtimern. Sie werden in der Regel nicht sehr teuer gehandelt, weil sie in großen Stückzahlen hergestellt wurden und sehr verbreitet waren.

Laut KBA-Statistik führt bei den Oldtimer-Zulassungen die Marke VW die Statistik an (127 658 Fahrzeuge), gefolgt von Mercedes (120 833). Weit abgeschlagen folgen Automarken wie Ford und Opel (jeweils knapp 40 000). Auffällig hoch ist der Anteil von Porsche mit 30 528 Oldtimern. Hier ist der 911er verbreitet, während bei VW der Käfer und bei Mercedes die Baureihe W 123 ganz vorne liegen.

Die Frage, die sehr differenziert diskutiert wird, ist die nach dem Wertzuwachs von Oldtimern und ihrer Bedeutung als Wertanlage. Laut der Allensbach-Studie sagen 44 Prozent der Oldtimer-Eigentümer, dass ihr Oldtimer für sie eine Wertanlage sei. Gleichwohl wissen die meisten Oldtimerfans, dass am Ende die Kosten den potenziellen Wertzuwachs kompensieren. Für die meisten steht der Spaßfaktor im Vordergrund.

Dass Oldtimer nicht unbedingt eine Geldanlage sind, findet der Oldtimer-Fan und Banker Matthias Lühmann. Der Finanzexperte und Abteilungsdirektor bei der Kreissparkasse Stade: „Selbst wenn ein gewisser Wertzuwachs beim Oldtimer zu verzeichnen ist, muss man immer die Unterhaltungs- und Reparaturkosten dagegenhalten. Unterm Strich ist das meist ein Minusgeschäft.“ Es gebe Oldtimer, die zu hohen Preisen gehandelt werden, doch auf solche Wertsteigerungen zu setzen, sei höchst spekulativ. Der Banker: „Da gibt es bessere und sicherere Anlagen.“

Fest steht: Ein Wirtschaftsfaktor ist das Geschäft mit Old- und Youngtimern auf jeden Fall. Die BBE Automotive GmbH, eine auf die Automobilbranche spezialisierte Beratungsgesellschaft mit Sitz in Köln, schätzt den Jahresumsatz in diesem Bereich auf etwa 16 Milliarden Euro, wovon knapp vier Milliarden Euro auf die Oldtimer entfallen, zwölf Milliarden auf den erheblich größeren Anteil von Autos im Alter zwischen 15 und 29 Jahren (Youngtimer). Die Umsätze werden in den Bereichen Wartung und Instandhaltung, Restaurierung, Zubehör wie Kleidung, Zeitschriften und Bücher oder Modellautos sowie mit dem Handel der Autos selbst generiert.

Am Ende ist und bleibt die Oldtimer-Leidenschaft ein teures und zeitintensives Hobby. Von den Allensbachern erhobene Daten belegen dies eindeutig: Die meisten Oldtimer-Besitzer sind auch Schrauber. 53 Prozent der Befragten betrachten das Herumbasteln an ihrem Oldi als ihr eigentliches Hobby, und 62 Prozent schrauben gelegentlich an ihren Autos.

Die Classic Data ist eine umfängliche Datenbank, mit der Gutachter und Sachverständige arbeiten. Hier werden Marktpreise ebenso ausgewertet wie Mängel an bestimmten Typen und Marken. 15 000 Fahrzeuge von mehr als 200 Marken sind bei Classic Data registriert. Dazu zählen Marktnotierungen ebenso wie Kenndaten der Fahrzeuge – vom Ersatzteilpreis bis hin zu Lieferanten. In einer einfachen Kurzbewertung oder einem umfangreichen Gutachten können Oldtimer-Besitzer ihr Fahrzeug schätzen lassen. Zum einen ermitteln sie damit den Marktwert ihres Autos, zum anderen eine Grundlage für die Versicherung, sollte es einmal zu einem Schadensfall kommen. Für die Einstufung der Versicherung reicht ein Kurzgutachten aus. In dem umfangreichen Gutachten, das von Sachverständigen erstellt wird, wird das Auto komplett erfasst, untersucht und dokumentiert – sowohl schriftlich als auch anhand von Fotos. Der Zustand wird nach einer Checkliste von Classic Data bewertet. Betrachtet werden die Karosserie, der Innenraum, die Felgen und Reifen als auch Technik mit Motor und Antrieb. Bewertet wird zudem die Unterseite des Fahrzeugs. Es werden fünf Noten vergeben: Zustand 1 ist „makellos und perfekt“ (wird selten vergeben). Zustand 2 ist „gut und mängelfrei mit leichten Gebrauchsspuren“. Zustand 3 beschreibt einen gebrauchten Zustand ohne „erhebliche optische und technische Mängel“. Zustand 4 bewertet das Fahrzeug als nur „eingeschränkt fahrbereit“. Zustand 5 ist die Note für eine Restaurierungsbedürftigkeit. Diese Autos sind im „mangelhaften und nicht fahrbereiten“ Zustand.

Porträts über Oldtimer und ihre Besitzer aus dem gesamten Erscheinungsgebiet des TAGEBLATT sowie weitere Themen wie Handel und Dienstleistungen rund um die alten Autos greift die neue TAGEBLATT-Serie auf. Heute in Teil 2: die Soziologie des typischen Oldtimer-Fans.

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