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Olympiareiterin Emma Kanerva trainiert in Stade

Emma Kanerva beim Training mit der Stute Feldrose. Fotos: M. Scheer

Emma Kanerva beim Training mit der Stute Feldrose. Fotos: M. Scheer

Auf dem Hof von Gert Saborowski in Stade-Haddorf hat Emma Kanerva seit einem Jahr eine neue Heimat gefunden. Gemeinsam mit Benny, ihrem Border Collie, der sogleich schwanzwedelnd zur Begrüßung heranstürmt. Von dort erobert die 34-jährige Finnin die Dressurwelt.

Donnerstag, 01.08.2019, 11:51 Uhr

Von Mareike Scheer

Ihre bislang größten Erfolge waren die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 in London und der Sieg beim Hamburger Derby 2018. „Aber Olympia war schon etwas ganz Besonderes. Auf Turnieren kennt man alle Reiter, aber dort haben wir im olympischen Dorf gewohnt und auch die ganzen anderen Sportler getroffen“, erinnert sich Emma Kanerva und ihre Augen fangen wieder an zu glänzen. „So nah kommt man sonst nicht an sie ran und ich durfte auch an der Eröffnungszeremonie teilnehmen. Der Jubel war unglaublich.“

Sportlich lief es für die junge Finnin. Sie wurde mit ihrem damaligen Spitzenpferd Sini Spirit 22. im Grand Prix Spezial und verpasste nur knapp das große Finale der besten 18. „Es war aber sein bester Wettkampf, den er je gezeigt hat. Er war nicht immer einfach und sehr sensibel“, sinniert die Reiterin. Vor knapp einem Monat musste ihr Erfolgspferd im Alter von 22 Jahren aufgrund von Herzproblemen eingeschläfert werden – das war ein Stich ins Herz von Emma Kanerva.

Doch die Liebe zum Beruf lässt sie trotzdem strahlen. Denn die Faszination der Pferde hat sie bereits früh ergriffen. Dabei hatte ihre Familie nichts mit Reitsport zu tun. Doch als ihre elf Jahre ältere Schwester Reitunterricht nahm, wollte auch die kleine Emma auf den Rücken eines Ponys. Mit acht Jahren fing sie mit einem Anfängerkurs an. Und ihre damalige Reitlehrerin wurde zu ihrer Trainerin. „Sie hat mich vom Ponyreiten bis zur Intermediaire-Prüfung gebracht“, sagt die Finnin dankbar. Für sie war mittlerweile klar, dass sie Profireiterin und eine Ausbildung zur Pferdewirtschaftsmeisterin machen würde. „Eines Tages hat meine Trainerin mir dann gesagt, dass sie mir nichts mehr beibringen kann“, so die 34-Jährige.

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Das war der Startschuss für ihre Karriere in Deutschland. Über die Tochter ihrer damaligen Sponsorin, die bereits bei Hubertus Schmidt in Etteln (Westfalen) ritt, fand sie den Weg zu dem erfolgreichen Dressurreiter und Ausbilder auf den Fleyenhof. „Eine Woche habe ich zur Probe bei Hubertus gearbeitet, dann durfte ich kommen“, berichtet Emma Kanerva – und fügt lachend hinzu: „Einzige Bedingung war, dass ich in den drei Jahren der Ausbildung deutsch lernen muss.“

Gesagt, getan. Die Zwischenprüfung absolvierte sie noch mit einem Wörterbuch, doch mittlerweile ist keine Spur von Sprachbarrieren zu hören. „Ich bin Hubertus unglaublich dankbar, dass er mich soweit gefördert hat. Ich habe so viel von ihm gelernt und konnte gute Grand-Prix-Pferde reiten“, sagt Emma Kanerva. „Sini Spirit habe ich mit ihm zusammen ausgebildet.“

Genau das ist es, was die 34-Jährige an ihrem Sport fasziniert und warum sie sich für die Dressur entschieden hat. „Es ist einfach toll, wenn man einem Pferd etwas beibringen kann. Wenn man es als vierjähriges Pferd übernimmt und bis zum Grand Prix ausbildet“, sagt Emma Kanerva. „Sie hören erst auf feine Hilfen und später muss man nur noch an die nächste Lektion denken und sie verstehen es.“

Nach neun Jahren im Stall von Hubertus Schmidt, unter dessen Ägide sie die finnischen Farben bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften vertreten hat, zog es Emma Kanerva 2015 für ein Jahr nach England, wo sie im Stall ihres Nationaltrainers Emile Faurie tätig war. Doch schon zwölf Monate später wechselte die Dressurreiterin nach Norddeutschland, auf die Anlage von Jürgen Böckmann in Schönefeld. Bereits dort ritt sie fünf Pferde von Gert Saborowski, der selbst nicht reitet, sondern die Tiere als Hobby hält und die Anlage einst für seine damals noch im Reitsport aktive Tochter übernahm – und im Juli 2018 Emma Kanerva zu sich lockte. „Hier ist es wunderschön. Ich wohne direkt auf der Anlage, falle aus dem Bett in den Stall“, sagt sie.

Bis zu neun Tiere bewegt sie täglich. Toppferd Dambacu gehört erst seit kurzem wieder dazu. Nach einem Sehnenenschaden befindet er sich im Aufbautraining – ob es bis zur Europameisterschaft Mitte August in Rotterdam was wird, ist fraglich. So wird der Wallach auch nicht mit nach Elmlohe kommen. Dort geht die Finnin mit Amazing Boy (8 Jahre alt) und Feldrose (7) in der Jungpferde-Tour an den Start. Mit Greek Air (8) will sie sich in der Louisdor-Qualifikation ein Finalticket sichern.

Zudem wird sie vermutlich ihr zweites Toppferd zum Trainieren dabei haben: Eye Catcher. Der zehnjährige Hengst gab 2018 sein Debüt auf Grand Prix-Niveau und gilt als Nachwuchs-Star. Das Ziel mit ihm oder Dambacu: Olympia 2020 in Tokio.

Vorher will Emma Kanerva in Elmlohe für Furore sorgen. „Es ist immer ein gutes Pflaster für mich“, frohlockt sie. Denn im vergangenen Jahr gewann sie mit Dambacu den Grand Prix vor Lokalmatadorin Anke Dieckell.

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