Opposition fordert „knallharte Aufklärung“
Ausgerechnet das Jugendamt Mitte. Mal wieder. Keine andere Einrichtung der Jugendhilfe in Hamburg war zuletzt so skandalbelastet. Und nun das: Ein Regionalleiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) im Hamburger Bezirk Mitte hat offenbar mit fiktiven Jugendlichen und Kindern Hunderttausende Euro öffentlicher Hilfsgelder veruntreut.
Ausgerechnet das Jugendamt Mitte. Mal wieder. Keine andere Einrichtung der Jugendhilfe in Hamburg war zuletzt so skandalbelastet. Und nun das: Ein Regionalleiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) im Hamburger Bezirk Mitte hat offenbar mit fiktiven Jugendlichen und Kindern Hunderttausende Euro öffentlicher Hilfsgelder veruntreut.
Wie berichtet, soll der Mann über zwölf Jahre Schicksale erfunden und für die Betreuung städtisches Geld kassiert haben. Ein Komplize sei gefasst worden und geständig, heißt es, der Hauptverdächtige aber untergetaucht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Verdächtige, will sich zu weiteren Einzelheiten derzeit aber nicht äußern.
Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) hatte die Grundzüge des Falls am Mittwoch öffentlich gemacht und sich schockiert gezeigt. Eine Erklärung, wie der Betrug über so lange Zeit im Amt unbemerkt bleiben konnte, hatte er nicht.
Gerade vom Bezirkschef erwartet die Opposition nun knallharte Aufklärung. Für den CDU-Familienpolitiker Philipp Heißner handelt es sich dabei um einen „Skandal ersten Ranges“, der sich in die Negativereignisse im Jugendamt Hamburg-Mitte einreihe. In dessen Verantwortung waren in den vergangenen Jahren mehrere Kinder aus problematischen Verhältnissen zu Tode gekommen. Nach Bekanntwerden solcher Fälle waren stets die Strukturen der bezirklichen Jugendhilfe kritisch durchleuchtet worden, zuletzt nach dem Tod der dreijährigen Yagmur vor drei Jahren. Heißner: „Es zeigt sich einmal mehr das jahrelange Führungsversagen im Bezirksamt Mitte.“
Der familienpolitische Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Daniel Oetzel, sprach von einem „ungeheuerlichen Verdacht“ und forderte „schnelle und rückhaltlose“ Aufklärung. Sollte sich der Vorwurf bewahrheiten, so Oetzel, sei außer dem finanziellen Schaden erneut ein immenser Vertrauensverlust in den ASD zu befürchten. „Das interne Controlling hat scheinbar komplett versagt, und das obwohl die Prozesse und Abläufe in den Diensten erst kürzlich umfassend weiterentwickelt worden sind.“