PFH: Der Hansecampus wird international
Die Studierenden am Hansecampus Stade werden in Zukunft nicht mehr über den Bürger-Dialog der Stadt Stade brüten müssen. Die Kooperation wird eingestellt. Foto pfh
Der Stader Ableger der Privaten Hochschule Göttingen PFH hat einen Lauf. Airbus verlängerte die Stiftungsprofessur, die Stadt greift unter die Arme und beim CFK-Masterstudiengang haben sich verstärkt Inder und Chinesen eingeschrieben. Ein Sorgenkind bleibt jedoch.
Bei der Feier am Freitag im Stader Rathaus beschrieb Hochschulpräsident Dr. Frank Albe mit seiner Wortschöpfung „glocal“, wohin die Reise an Stades Hochschule geht. Die PFH streckt weltweit – also global – ihre Fühler aus, um im Bereich des CFK-Werkstoffes mitzumischen, der nicht nur Airbusflugzeuge leicht und wettbewerbsfähig macht. Gleichzeitig fühlt sich die PFH beim Studiengang BWL den hiesigen mittelständischen Unternehmen verbunden – ist also local unterwegs.
Die globale Schiene läuft derzeit besser. Vor einem Jahr, als die Frage aufgeworfen wurde, ob der Stader Hochschule die Studierenden ausgehen, und die Stadt ein „Rettungsboot“ auf den Weg brachte, machten sich die PFH-Verantwortlichen auf den Weg nach Asien, um Zusammenarbeit auszuloten. Die Skepsis von Beobachtern aus Politik und Wirtschaft war groß. Aber anscheinend fruchtete das Vorhaben. Professor Albe konnte jetzt bei der Feierlichkeit zu Studienstart und -ende verkünden, dass die große Mehrheit der frischen CFK-Masterstudierenden aus Indien und China komme. In den nächsten zwei Jahren werde sich die Anzahl auf über 30 verdoppeln, wagte er einen Blick in die Zukunft.
Was der PFH in Zeiten guter Konjunktur in die Hände spielt, ist die durch eine Verlängerung der Professur gefestigte Zusammenarbeit mit Airbus. Airbus war vor 17 Jahren auch Initiator des Studiengangs, den die PFH Göttingen in Stade bis heute ausfüllt.
Matthias Havekost, Leiter der Ausbildung bei Airbus, machte deutlich, wie sehr es im Flugzeugbau brummt. Heute würden doppelt so viele Flugzeuge gebaut wie noch vor zehn Jahren. Hier blickte Havekost auf die „Profischmiede PFH“. Tatsächlich nehmen aktuell 15 Absolventen des Studiengangs Verbundstoffe ihre Arbeit im Airbus-Konzern auf.
Für die Stadt erinnerte Bürgermeisterin Silvia Nieber an das „Rettungsboot“, das die Politik vor einem Jahr an den Start brachte. Gerade beim Sorgenkind BWL sollte sich die Miene erhellen. So wurden Stipendien für 16 Studierende auf den Weg gebracht, jedes 300 Euro schwer, um die Studiengebühr von 700 Euro monatlich erträglicher zu machen. Abgerufen wurde davon bislang nur eins. Das liege vor allem an den harten Auswahlkriterien, die die PFH treffe, um eine hochwertige Schule zu bleiben, so Professor Albe. Betriebswirtschaftlich geht natürlich anders.
Was den Studiengang am Laufen hält – gerade mal eine Handvoll Studierender wurde jetzt mit Urkunde verabschiedet – sind heimische mittelständische Betriebe. Sie bieten ihren Azubis eine duale Ausbildung, wobei Theorie und Praxis miteinander verzahnt sind. So ziehen sie sich ihren Managementnachwuchs selbst heran.
Die Hilfsaktion der Stadt sieht auch eine Stiftungsprofessur für den Bereich BWL vor. Dazu wird die PFH im November mit Anzeigen zwei halbe Professorenstellen anbieten. Die Verantwortlichen hätten lange diskutiert, welchen Zuschnitt die Stellen haben sollen, welche Felder im Mittelstand zu beackern seien, so Albe. Das Geschenk der Stadt ist über ein Jahr alt.
In ihrem Grußwort hatte Silvia Nieber noch eine gute Nachricht parat: In der Salztorsvorstadt habe die Stadt jetzt ein Grundstück verkauft, auf dem ein Studentenwohnheim errichtet werde. Die Unterbringung von Studierenden war immer ein Problem, das durch die Ankunft von Studierenden aus Asien nicht kleiner wird.
Einen Boom erlebt der Hansecampus gerade im Bereich Fernstudium. Die Zahl der Fernstudierenden, die zum Beispiel für Klausuren oder Laborarbeiten in Stade vorbeischauen, habe sich in den letzten Jahren auf 200 verdoppelt. In Kürze wird der neue Fernstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen beim Stader Ableger platziert. Professor Dr. Frank Albe: „Sie sehen, wir haben noch viel vor.“
33 Erstsemester nehmen ihr Studium am PFH Hansecampus Stade auf. 27 Absolventen erhielten ihre Urkunden. Das TAGEBLATT pickte sich drei heraus.
Er ist der beste CFK-Student aller Zeiten: Alexander Keck. Der 22-Jährige aus Assel legte einen Schnitt von 1,36 hin. Den Werkstoff CFK findet er faszinierend und darum bleibt der frisch gebackene Ingenieur auch bei Airbus.
Nicola Meier aus Bliedersdorf lobt ihr BWL-Studium an der PFH über alle Maßen. Was sie theoretisch lernte, konnte sie gleich in der Praxis bei CFK Nord anwenden. Die Bliedersdorferin fand sofort eine Arbeit in Hannover als Wirtschaftsprüferin.
Johanna Klee, die stellvertretend für die BWL-Absolventen eine emotionale Rede hielt, sah während ihres Studiums viel von der Welt. Die Wiepenkathenerin bleibt ihrem Arbeitgeber, CFK Valley, weiterhin erhalten.