Pastor Adolphsen kämpft für Senioren in Buxtehude
Helge Adolphsen, langjähriger Hauptpastor von St. Michaelis, hält in Buxtehude einen Vortrag zum Thema „Gemeinsam statt einsam“ im VHS-Haus in Buxtehude. Foto: Markus Scholz/dpa
Der Verein „Miteinander-Füreinander“ aus Buxtehude und die Volkshochschule Buxtehude haben gemeinsam die Veranstaltungsreihe „Lange gut leben – in unserer Stadt!“ entwickelt. Den Auftakt bildet ein Vortrag von Helge Adolphsen aus Neugraben.
Thema des ehemaliger Hauptpastors der Michaeliskirche in Hamburg: „Gemeinsam statt einsam – wie Bürger Solidarität organisieren“. Der Vortrag mit anschließendem Gespräch findet am morgigen Dienstag, 24. Oktober, von 18 bis 19.30 Uhr in der Volkshochschule Buxtehude (Raum 10) in der Bertha-von-Suttner-Allee in Buxtehude-Altkloster statt.
Adolphsen geht es um die Vorteile von Seniorengenossenschaften und Vereinen wie etwa „Miteinander-Füreinander“ (M & F). Der Ansatz: Rüstige Rentner und Rentnerinnen helfen hilfsbedürftigen Rentnern. Beispiele: Wer nach einem Krankenhausaufenthalt für einige Zeit etwa Hilfe in der Wohnung, im Garten oder bei der Grabpflege braucht, wer eine Begleitung für einen Konzertbesuch wünscht oder sich nicht alleine zum Arzt oder zur Behörde traut, kann sich an „M & F“ wenden und erhält ehrenamtlich – gegen eine Aufwandsentschädigung – Hilfe. Das TAGEBLATT hatte die Vereinsaktivitäten für Senioren im Vorfeld vorgestellt.
22 Prozent der Buxtehuder sind über 65 Jahre, 2050 wird bereits jeder Dritte mindestens 65 Jahre alt sein. Die Reihe – begleitet vom TAGEBLATT – „soll aufzeigen, welche Problemlösungen für die berechtigten und besonderen Belange älterer Menschen in Buxtehude verfügbar sind oder noch geschaffen werden sollten“, sagt Michael Töpel vom Verein. Dabei werden unter anderem Themen von „Gesund alt werden“ und „Länger zuhause leben“ über „Gemeinschaftliches Wohnen im Alter“ und „Pflege“ bis zur „Caring Community – Was die Stadt tun kann“ behandelt.
Das Besondere diese Reihe liegt darin, dass die Akteure und Betroffenen bereits in die Veranstaltungsplanung einbezogen sind und so ein realistisches Bild der Situation in Buxtehude gezeigt werden kann. Am Schluss der Auftaktveranstaltung werden die Besucher ihre Wünsche für weitere Vortragsthemen äußern können. Die Reihe ist erst einmal bis Herbst 2018 angelegt.
2016 hatte bereits der frühere Bremer Bürgermeister Henning Scherf in der Sparkasse in Buxtehude auf Einladung des Vereins „Miteinander-Füreinander“ für generationenübergreifende Angebote und Mehrgenerationenwohngemeinschaften geworben.
www.miteinander-fuereinander-buxtehude.de
Warum setzen Sie fürs Alter auf das genossenschaftliche Prinzip der „Hilfe auf Gegenseitigkeit“?
Die Zeit, wo Alte betüdelt und betreut wurden, ist lange vorbei. Ältere sind motiviert, neugierig, wollen selbst aktiv bleiben. Die drei Prinzipien von Genossenschaften sind ideal für die neuen Alten: Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Selbstverwaltung. Gegenseitiges Geben und Nehmen stiftet Beziehungen – das Heilmittel gegen Einsamkeit.
Woran könnte es liegen, dass Seniorengenossenschaften und Vereine wie „Füreinander-Miteinander“, die Unterstützung im Alltag für ältere Menschen anbieten, Schwierigkeiten haben, Mitglieder zu finden, während es bei Wohnprojekten eine große Nachfrage gibt?
Seniorengenossenschaften sind noch zu wenig bekannt. Das alte Bild der Alten lebt noch: Du bist raus, überflüssig, hast ausgedient. Auch Angst, die im Alter zunimmt, spielt eine Rolle: Man lässt keine Fremden ins Haus. Viele scheuen neue Kontakte. Unbekanntes befremdet.
Mehr Kooperation als Konkurrenz in einer Stadt: in Beziehungspflege investieren. Mehr wachsen lassen von unten und weniger von oben verordnen. Eine solidarische Gesellschaft ist eine Vision und bleibt ein Ziel. Der Rückzug ins Private und das Unwesen der „Ichlinge“ hat meines Erachtens den Zenit überschritten.