Zähl Pixel
Archiv

„Peking“ schwimmt wieder

„De Hamborger Veermaster“ schwimmt wieder. Bei bestem Wetter wurde der Traditionssegler „Peking“ am Montag auf der Peters Werft in Wewelsfleth (Kreis Steinburg) ausgedockt. Zwei Schlepper zogen die historische Viermastbark auf das Flüsschen Stör zu einem angrenzenden Werftpier.

Montag, 24.06.2019, 19:15 Uhr

Das letzte Zu-Wasser-Lassen des 100 Jahre alten Frachtseglers beginnt unspektakulär. Durch eine Öffnung in den Schleusentoren strömt dunkles Wasser schäumend in das Trockendock. „Rund zwei Kubikmeter pro Sekunde“, sagt Torge Averhoff von der „Projektleitung Peking“.

Nach knapp einer Stunde schwimmt der historische Segler auf eigenem Kiel. Stolz flattert am Heck die schwarz-rot-goldene Bundesflagge, während hoch oben am Kreuzmast – dem zweiten Mast des Viermasters – die Flaggen der Peters-Werft und der Stiftung Hamburg Maritim gehisst sind.

Nach einer Grundsanierung des Unterwasserschiffs ist der Traditionssegler wieder ohne Einschränkungen schwimmfähig. Doch seetüchtig ist er nicht. Und wird es auch nie wieder sein. Die „Peking“, 1911 bei Blohm+Voss vom Stapel gelaufen, gehörte zu den legendären „Flying P-Linern“ der Hamburger Reederei Laeisz. Aufgrund seiner Geschwindigkeit, Sicherheit und Präzision konnte der Frachtsegler zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch gegen Dampf- und Maschinenschiffe antreten. Er wurde als Transportschiff für den damals stark nachgefragten Salpeter aus Chile eingesetzt und absolvierte insgesamt 34 Fahrten rund um Kap Hoorn.

{picture1}

Heute braucht das Schiff Schlepper-Hilfe zum Vorwärtskommen und zum Manövrieren. Bevor es hinaus auf die Stör geht, wird die „Peking“ an den Rand des gefluteten Docks gezogen. So kann sich Schlepper „Primus“, der den Bug der alten Lady lenkt, an der Backbordseite der „Peking“ mit hineinquetschen. Die Viermastbark muss mit dem Heck voran rückwärts aus dem Trockendock hinaus. Das Problem: Zwei „Klüsen“ genannte Öffnungen kurz über der Wasserlinie sind auf Wunsch der Auftraggeber mit Stahlplatten dichtgeschweißt worden, sagte Torge Averhoff. Schlepper „Elbclearing 3“ muss seine Trosse daher am Ruderstock des Großseglers festmachen.

Als die „Peking“ langsam rückwärts Fahrt aufnimmt, quietschen dicke Fender. Die mit Luft gefüllten Gummiblasen verhindern, dass der frisch angemalte Schiffsrumpf beschädigt wird. Doch die Schlepper-Kapitäne verstehen ihr Handwerk, schaffen es ohne Kratzer.

Die „Peking“ wird seit Sommer 2017 auf der Peters Werft aufwendig restauriert. Sie soll in den Zustand von 1927 versetzt werden – samt Holzdeck und den ursprünglichen Laderäumen. Die Arbeiten sollen im Mai 2020 beendet sein. Wann und wo die museale Inneneinrichtung eingebaut wird, sei zurzeit noch nicht bekannt, sagt Torge Averhoff.

Ihren letzten Liegeplatz soll die „Peking“ später im geplanten Deutschen Hafenmuseum im neuen Stadtteil Grasbrook im Hamburger Hafen bekommen.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.