Zähl Pixel
Kiellegung

TPella Sietas Werft baut Eisbrecher für Russland

So wird der Eisbrecher vom Typ 195 der Pella Sietas Werft im Jahr 2023 aussehen. Das Spezialschiff wird die Seewege bei Wladiwostok freihalten. 2,5 Meter dickes Eis ist kein Problem.

So wird der Eisbrecher vom Typ 195 der Pella Sietas Werft im Jahr 2023 aussehen. Das Spezialschiff wird die Seewege bei Wladiwostok freihalten. 2,5 Meter dickes Eis ist kein Problem.

Die Pella Sietas Werft hat am Donnerstag die Kiellegung ihres Eisbrechers gefeiert. „Es ist der erste Auftrag aus Russland“, betonte Werft-Chefin Natallia Dean. Das 100 Millionen Euro teure Spezialschiff soll Ende 2023 fertig werden, Auftraggeber ist Rosmorport.

Freitag, 30.10.2020, 06:00 Uhr

Der russische Staatskonzern wird den Eisbrecher einsetzen, um die Seewege um Wladiwostok ganzjährig eisfrei zu halten. Der Auftrag aus Russland sichert Arbeitsplätze an der Este in Neuenfelde. „Jeder Tag im Schiffbau ist ein Kampf“, sagte Werft-Chefin Natallia Dean. Die bereits 1635 gegründete und im Jahr 2014 von Pella Shipyard aus St. Petersburg in Russland gerettete Werft trotze dem Trend. Vor einem Jahr hatte das russische Staatsunternehmen Rosmorport den Auftrag „über unsere Muttergesellschaft“ erteilt. „Es ist der erste Auftrag aus Russland und der einzige für eine deutsche Werft“, sagte Dean. Sie hofft, dass sich die Wirtschaftsbeziehungen (wieder) vertiefen – und verwies auf die seit bereits 1957 bestehende Städtepartnerschaft der Hafenstädte St. Petersburg und Hamburg.

Rubel-Münze soll Glück bringen

Der Bau eines Eisbrechers, so Co-Werft-Chefin Beate Debold, stelle „hohe Ansprüche an die Ingenieurskunst“; sie lobte ihre 350 Mitarbeiter – vom Ingenieur bis zum Schiffbauer. Die Kiellegung sei ein Meilenstein, alle hätten diesem Tag entgegengefiebert. Mit dem symbolischen Auf-Kiel-Legen ist ein Ritual – seit der Antike üblich – verbunden: Eine Münze soll Glück bringen. Beate Debold und Natallia Dean legten eine russische Fünf-Rubel- und eine Zwei-Euro-Münze vor dem Absenken unter das knapp 75 Tonnen schwere Segment. Und Russlands Generalkonsul Andrei Sharashkin und der Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Andreas Rieckhof, schraubten am Doppelboden eine Messingplakette fest. Das sei so Tradition im Schiffbau in der Russischen Föderation.

Feier unter Corona-Auflagen: Die Geschäftsführerinnen der Pella Sietas Werft in Neuenfelde, Beate Debold und Natallia Dean, halten die Münzen für die Kiellegung des Eisbrechers in ihren Händen: eine russische Fünf-Rubel- und eine Zwei-Euro-

Feier unter Corona-Auflagen: Die Geschäftsführerinnen der Pella Sietas Werft in Neuenfelde, Beate Debold und Natallia Dean, halten die Münzen für die Kiellegung des Eisbrechers in ihren Händen: eine russische Fünf-Rubel- und eine Zwei-Euro-

Wasserwege um Wladiwostok eisfrei halten

Der stellvertretende Generaldirektor der Rosmorport-Flotte (277 Schiffe, darunter 37 dieselelektrische Eisbrecher), Vasily Strugov, kündigte in einer Grußbotschaft an, dass der Eisbrecher im Fernen Osten Russlands eingesetzt werden solle, drei ähnliche Eisbrecher sind bereits im Einsatz. Der Neubau soll ab 2024 die Häfen und Wasserwege in der östlichen Bucht Russlands um Wladiwostok ganzjährig eisfrei halten. Der rund 10.000 Tonnen schwere, dieselelektrisch angetriebene Eisbrecher könne mühelos 2,5 Meter dickes Eis knacken, unterstrich Projektleiter Christian Gurr. Ausgerüstet mit einer Mega-Schleppwinde, einem Helideck und einem Feuerlöschsystem mit einer Wurfweite von 120 Metern, könne das Schiff auch bei Schlepp- und Rettungseinsätze genutzt werden. Es wird komplett auf der Werft in Neuenfelde gefertigt und ausgerüstet. Auf der Arbeitsplattform wird es (ähnlich wie der Saugbagger) aus insgesamt 17 Blöcken zusammengesetzt. Der Eisbrecher wird 119,8 Meter lang und 27,5 Meter breit sein, der Tiefgang liegt bei 8,5 Meter. Die Einsatzreichweite beträgt 11 000 Seemeilen, der neue Eisbrecher wird bis zu 17 Knoten schnell sein. Zusätzlich zur Crew (35) können 22 Arbeiter aufgenommen werden.

75 Tonnen ist das erste Eisbrecher-Segment schwer.

75 Tonnen ist das erste Eisbrecher-Segment schwer.

Die Altländer hoffen auf weitere Aufträge – nicht nur aus Russland. Der Schiffsneubau für Rosmorport unterliegt (trotz der EU-Sanktionen) keinen Restriktionen, so Debold. Sie hoffen bereits auf einen Anschlussauftrag. „Wir freuen uns, dass wir das technisch hoch anspruchsvolle Projekt im Auftrag von Rosmorport hier am Werftstandort in Hamburg umsetzen dürfen. Mit unserem Know-how beim Bau von Spezialschiffen wissen wir, wie man einen Eisbrecher dieser Größenordnung baut“, sagte Dean. Damit unterstreiche Pella Sietas erneut seine Position im Markt als eine der innovativsten Werften und „leistet einen weiteren Beitrag für die Wertschöpfung in der Region Hamburg in diesen außergewöhnlichen Zeiten“.

Schlick-Problem ungelöst

Das Schlick-Problem sei noch ungelöst, die Werft suche weiter nach einem Zweitstandort. Wegen der Unsicherheit liegen 70 Neueinstellungen auf Eis. Im Gespräch sei eine Dauerlösung, durch Einsatz eines Saugkopfbagger-Gerätes, das Sedimente im Winter über eine Pipeline in die Fahrrinne der Elbe leite. Hier liefen Gespräche zwischen Bund, Werft und Hamburg. Staatsrat Andreas Rieckhof betonte gegenüber dem TAGEBLATT, dass „noch einige Klippen zu umschiffen“ seien, um eine „erreichbare Lösung“ – gemeinsam mit der Werft sowie dem Bund und Hamburg – zur Sicherung des Werftstandortes zu erzielen. Im Genehmigungsverfahren müssten insbesondere naturschutzfachliche Fragen geregelt werden. Bei der Lösung sei vor allem die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes gefordert, denn auch die Este sei eine Bundeswasserstraße, so der Staatsrat. Natallia Dean dankte ihm für seinen Einsatz für die Werft.

Russlands Generalkonsul Andrei Sharashkin (links) und Staatsrat Andreas Rieckhof schrauben die Plakette an.

Russlands Generalkonsul Andrei Sharashkin (links) und Staatsrat Andreas Rieckhof schrauben die Plakette an.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.