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Drochtersen

Politik diskutiert Containerlösung für Kindergarten

Am Anfang des Fasanenweges neben dem Spielplatz liegt das Grundstück, auf dem die neue Kindertagesstätte gebaut werden soll. Foto Archiv

Am Anfang des Fasanenweges neben dem Spielplatz liegt das Grundstück, auf dem die neue Kindertagesstätte gebaut werden soll. Foto Archiv

Da der geplante Kindergarten im Fasanenweg in Drochtersen noch lange nicht in Sicht ist, plant die Verwaltung, eine Zwischenlösung mit Containern zu schaffen. Vergangene Woche wurde darüber im Sozialausschuss der Gemeinde heftig diskutiert.

Von Susanne Helfferich Dienstag, 30.04.2019, 11:00 Uhr

Wie berichtet, hatte der Landkreis bis Ende vergangener Woche die ‚Baugenehmigung für die Kindertagesstätte im Fasanenweg noch nicht erteilt. Selbst bei zeitnahem Baugebinn sei weder für diesen Sommer noch für das kommende Jahr eine Fertigstellung realistisch. Daher soll nun nach Vorbild der Übergangslösung in Hammah der Kindergarten in Containerbauweise auf einer Fläche vor der Grundschule errichtet werden. Kosten bis Ende 2020: knapp 200 000 Euro. Demgegenüber steht ein Kaufpreis von 850 000 Euro.

Schon während der Einwohnerfragestunde zu Beginn der Sitzung gab es kritische Nachfragen. Aus den Zahlen der Verwaltung sei doch abzusehen, dass der geplante Kindergarten nicht ausreiche, um den tatsächlichen Bedarf zu erfüllen. Als Bürgermeister Mike Eckhoff darauf antwortete, dass zunächst das Dachgeschoss der noch nicht einmal genehmigten Kita ausgebaut werden könne und gegebenenfalls über den Bau einer weiteren Einrichtung nachgedacht werden müsse, wenn zusätzlicher Bedarf sich einstelle, sorgte das für Unmut. Zwei Kindergärten bedeuteten doch auch doppelte Kosten, so ein Bürger, „warum wird dann nicht gleich richtig gebaut?“ Im Fasanenweg selbst sei das nicht möglich, so der Bürgermeister. Damit war die Standortfrage erneut Thema. Bereits im vergangenen Jahr wurde der geplante Standort im Fasanenweg heftig diskutiert. Doch Eckhoff verwies auf die Beschlusslage, nach der im Fasanenweg die neue Kindertagesstätte gebaut werden soll. Das war bisher der Wille der politischen Mehrheit und den gelte es zu erfüllen.

Auf Nachfrage, warum die Baugenehmigung denn noch nicht erteilt sei, erläuterte Eckhoff das aufwendige Baugenehmigungsverfahren. Verschiedene Gutachten, wie zu Schall und Verkehr, mussten erstellt werden; gerade wegen des Widerstandes aus der Nachbarschaft. Die Gemeinde habe versucht, eine versöhnliche Lösung zu finden. Das sei nicht gelungen. Darüber seien vier bis fünf Monate ins Land gegangen, so der Bürgermeister. „Wir können nicht anfangen, zu bauen, bevor wir eine bestandskräftige Baugenehmigung haben. Wieso denn dann nicht ein Plan B entwickelt wurde, wollte einer Anwohnerin wissen. „Wir können nicht parallel ein Baugenehmigungsverfahren für einen Plan B durchführen. Das ist zu kostenaufwendig“, so der Verwaltungschef. Und wieder die Standortfrage: „Sie haben uns nicht mitgenommen“,so der Vorwurf einer Anwohnerin. „Die Beschlusslage war, den Standort Fasanenweg zu realisieren“, so Eckhoff, „Ihr Wunsch war, diesen Standort aufzugeben. Das hat die Beschlusslage nicht hergegeben.“

Auch in der politischen Beratung während der anschließenden Sitzung ging es phasenweise hoch her. „Nun haben wir den Salat“, triumphierte Cornelius van Lessen, der stets gegen den Standort Fasanenweg war. Auch er kritisierte, dass die dort geplante Einrichtung zu knapp bemessen sei. „Und wo kommen die Kinder aus den Neubaugebieten unter?“, fragte er. Er geht davon aus, dass die Container auch noch 2021 herhalten müssten. „Dann haben wir schon Kosten von 310 000 Euro. Da ist es doch besser die Container für 850 000 Euro zu kaufen, um den Mehrbedarf abfangen zu können.“ Während die CDU einen Kauf zunächst abblockte – Rainer Heinsohn: „Container sollen keine Dauerlösung sein“ – mochte Dirk Ludewig (SPD) diese Option nicht gänzlich ausschließen. Er schlug zunächst vor, die Entscheidung zu vertagen. Auch kritisierte er den Landkreis wegen der ausstehenden Baugenehmigung. Matthias Mehlis (SPD) forderte, dass die Wirtschaftlichkeit der Anmietung gegenüber eines Kaufs geprüft werden müsse. Letztlich empfahl der Ausschuss, beide Varianten auszuschreiben, um dann eine endgültige Entscheidung fällen zu können. Dies geschah einstimmig.

Auf Nachfrage bei der Kreisverwaltung, warum die Baugenehmigung noch nicht erteilt sei, antwortete die Pressestelle: „Kindergärten und Schulen werden beim Landkreis Stade mit Priorität geprüft. Die lange Prüfungszeit resultiert aus der verzögerten Nachreichung von notwendigen Bauvorlagen (durch die Gemeinde) nach über drei Monaten. Hierzu wurde mehrmals vom Antragsteller um Fristverlängerung gebeten, die auch gewährt wurde.“

Für die Krippengruppen in Drochtersen liegen 54 Anmeldungen vor, für die Regelgruppen sind es 68. Zum neuen Kindergartenjahr werden in der Krippe 23 Plätze frei und in der Regelgruppe 23 Plätze. Außerdem wird ein Waldkindergarten mit 15 Plätzen eingerichtet. Die Containerlösung soll für zwei Krippengruppen je 15 Kinder und eine Regelgruppe mit 25 Kindern ausgerichtet sein. Die Kita im Fasanenweg ist bisher für eine Krippe und eine Regelgruppe geplant.

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