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Fußball-Bundesliga

Politik schaltet sich im Streit um Werder-Fans ein

Der Großteil der Werder-Ultras reiste ohne Stadionbesuch aus Wolfsburg zurück nach Bremen (Archivbild). Foto: Jaspersen/dpa

Der Großteil der Werder-Ultras reiste ohne Stadionbesuch aus Wolfsburg zurück nach Bremen (Archivbild). Foto: Jaspersen/dpa

Das niedersächsische Innenministerium will die Vorkommnisse rund um das Bundesliga-Spiel zwischen Wolfsburg und Bremen unter die Lupe nehmen. Nach Ansicht des Innenministers müsse der Einsatz hinterfragt werden. In einem Punkt widersprechen sich die Clubs und die Behörden.

Mittwoch, 10.08.2022, 14:42 Uhr

Der Ärger von Werder-Fans wegen Kontrollen vor dem Bundesliga-Spiel in Wolfsburg beschäftigt auch das niedersächsische Innenministerium. Entgegen den Aussagen von Vertretern des VfL Wolfsburg und von Werder Bremen ist das Aufeinandertreffen der beiden Clubs bereits in der Vergangenheit als Risikopartie angesehen worden, wie das Ministerium am Mittwoch auf dpa-Anfrage mitteilte: "In den Spielzeiten 2018/2019 und 2019/2020 waren die Begegnungen dieser beiden Mannschaften in Wolfsburg durch die Polizei bereits als sogenanntes ,Rot-Spiel' eingestuft."

Innenminister Boris Pistorius (SPD) kündigte jetzt eine konsequente Aufarbeitung des Vorgehens der Wolfsburger Polizei gegen Bremer Fans an. "Es kristallisiert sich heraus, und das werden wir sorgfältig prüfen und entsprechend Schlüsse ziehen, dass man möglicherweise nicht alles so hätte machen müssen und vor allem hätte man es besser kommunizieren müssen als es geschehen ist", sagte er am Mittwoch.

Polizeikontrolle von Bremer Ultras sorgt für großen Unmut

Werder-Ultras waren am Sonnabend aus Protest nicht zu dem Spiel in Wolfsburg (2:2) gekommen. Zuvor hatten sie Durchsuchungen und Personalienkontrollen der Polizei am Wolfsburger Hauptbahnhof als unverhältnismäßig empfunden. Die Aktion sollte "Auseinandersetzungen von Fangruppierungen" verhindern, rechtfertigte die Behörde die Maßnahmen.

Eine Besonderheit bestand laut Pistorius darin, dass die ursprünglich geplante Anreise vieler Werder-Fans mit Bussen 24 Stunden vorher umgeworfen worden sei und die Deutsche Bahn doch Sonderzüge einsetzte. Das hätte den Ablauf für die Beamten kurzfristig verändert. "Das muss aufgearbeitet werden, und das werden wir sorgfältig tun, weil ich ein großes Interesse daran habe, Sicherheit in den Stadien zu gewährleisten", versprach Pistorius. Derzeit werde ein Bericht im Landespolizeipräsidium ausgewertet.

Boris Pistorius (SPD), Innenminister Niedersachsen, spricht.

Boris Pistorius (SPD), Innenminister Niedersachsen, spricht.

Der Innenminister verteidigte die grundsätzliche Einschätzung der Polizei und verwies auf den Einsatz von Pyrotechnik durch Bremer Fans im DFB-Pokal eine Woche zuvor. "Und ich darf daran erinnern, dass es bei dem Spiel Cottbus gegen Bremen heftigste Exzesse mit Pyrotechnik gegeben hat und dass die Polizei Grund zu der Annahme hatte, dass sich das in Wolfsburg wiederholen könnte."

Debatte um Einstufung als "Rot-Spiel"

Die Verantwortlichen beider Clubs kritisierten das Vorgehen der Polizei und konnten auch die Risiko-Einschätzung als "Rot-Spiel" nicht nachvollziehen. Bremens Profifußball-Leiter Clemens Fritz sagte nach der Partie am Wochenende: "Wenn man die letzten Jahre nimmt, es war immer ruhig. Ich habe da kein Verständnis." Beide Clubs hatten laut Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald "im Vorfeld eine Einschätzung der Sicherheitslage vorgenommen und hatten dieses Spiel als grün eingeschätzt".

Nach Angaben des Innenministerium werden die Einschätzungen untereinander frühzeitig seitens der Polizei und der Veranstalter kommuniziert. Die Einschätzung als "Rot-Spiel" durch die Behörden sei dem VfL Wolfsburg laut Polizei am 11. Juli mitgeteilt worden.

Derzeit wird ein Bericht zu den Vorkommnissen angefertigt. Das Ministerium versprach, auch wegen des "großen Echos" werde genau geprüft, inwieweit das Vorgehen demnächst "möglicherweise in vergleichbaren Situationen optimiert oder besser abgestimmt werden müsste". In der kommenden Woche tauschen sich zudem niedersächsische Vereine - darunter der VfL Wolfsburg - und das Innenministerium bei einer regelmäßig stattfindenden Veranstaltung aus. (dpa)

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