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Projekt Handicap: Wie wird man Golflehrer?

Golflehrer Max Kuhlmann erklärt Stefanie Bachmann-Hradsky den Abschlag.

Golflehrer Max Kuhlmann erklärt Stefanie Bachmann-Hradsky den Abschlag.

Björn Muschinsky und Max Kuhlmann arbeiten als Golflehrer im Golfclub Buxtehude. Die beiden trainieren die Teilnehmer des Projektes Handicap und erzählen dem TAGEBLATT, dass sie ihr Hobby zum Beruf gemacht haben.

Von Jan Bröhan Mittwoch, 21.09.2016, 18:22 Uhr

Björn Muschinsky steht im Bunker der Golfanlage in Daensen und erklärt den sechs Anfängern, die an dem sechswöchigen „Projekt Handicap“ teilnehmen, die Beschaffenheit des besonderen Schlägers namens Sand Wedge und worauf es beim anspruchsvollen Pitchen ankommt. Noch ein Scherz, aber nun genug der Theorie. Der 37-jährige Golflehrer des Golf-Clubs Buxtehude geht in Position und führt ohne langes Getue den Pitch aus. Sand spritzt, der Ball fliegt im hohen Bogen aus dem Bunker auf das erhöhte Green, rollt nicht lange und kommt nur Zentimeter neben dem Loch mit der blauen Fahne zum Stehen. Muschinsky lächelt, die Anfänger staunen und loben. Muschinsky sagt, ja ja, er wollte zur blauen Fahne und gibt grinsend zu, dass er aber die andere blaue, etwa zwei Meter entfernte anvisiert hatte. Auch einem Profi ohne Handicap gelingt nicht alles. Golflehrer wie Muschinsky müssen Profi-Status haben. Den hat auch der 26-jährige Max Kuhlmann, der im Golf-Club Buxtehude zum Golflehrer ausgebildet wird und im dritten, dem letzten Ausbildungsjahr ist.

Den Pro-Status, also auch kein Handicap mehr zu haben, hat Kuhlmann erst vor kurzem erlangt. Die Auszubildenden müssen vorgegebene Turniere spielen und dabei Ergebnisse erzielen. „Die Durchfallquote in Deutschland liegt bei etwa 65 Prozent“, sagt Kuhlmann, „es ist ja nicht nur der normale Erfolgsdruck, sondern auch Existenzdruck.“ Bevor Kuhlmann die dreijährige Ausbildung beginnen konnte, musste er erst den C-Trainerschein machen. Die Lizenz befähigt, Jugendliche und Anfänger zu trainieren. Die Ausbildung dauert ein Jahr und man braucht mindestens ein Handicap von 12,4. Die zweite Voraussetzung ist dann der Eignungstest. „Der ist nicht ohne“, sagt Kuhlmann. Sportwissenschaft, Golfgeschichte, Materialkunde, die Strukturen der Professional Golfers Association (PGA) – die angehenden Profi-Trainer müssen schon anfangs eine Menge Wissen vorweisen. Kuhlmann ist mit dem jetzt erlangten Pro-Status auf der Zielgeraden. „Ich wollte mein Hobby zum Beruf machen“, sagt der 26-jährige Buxtehuder. Sein Vater hat ihn schon als Siebenjährigen mit zum Golf „geschleppt“. Daraus wurde schnell Begeisterung. „Ich habe immer mit einem Kumpel gespielt, der war richtig gut“, erzählt Kuhlman, „also haben wir schon damals gesagt: Er wird Profispieler und ich werde Profitrainer.“ Der Kumpel wurde allerdings kein Berufsspieler – sondern auch Trainer.

Bei Muschinsky, der seit 2000 Golftrainer ist, waren die Voraussetzungen noch andere. Seinerzeit musste ein Handicap von mindestens 6 vorgewiesen werden. Muschinsky hatte eines von 2. Die Ausbildung dauerte auch drei Jahre, die Lehrinhalte waren ähnlich: Sportwissenschaft, Regeln, Methodik, Didaktik, Gruppentraining, fallen Muschinsky als erste Stichpunkte ein. „Im zweiten Lehrjahr hat man dann mit dem Unterricht begonnen und hat sich dabei eigentlich das Wichtigste angeeignet“, sagt Muschinsky.

Er hatte mit zwölf Jahren in Daensen mit dem Golfspielen begonnen und war schnell „sehr aktiv“. Als dann ein Mannschaftskollege von ihm Golflehrer geworden war, hat sich Muschinsky mit der Materie näher beschäftigt und es reifte die Entscheidung, auch Golflehrer werden zu wollen. „Ich bin dann ganz bewusst ins Rheinland gegangen“, sagt Muschinsky. Er wollte nicht mit und unter den vielen guten Golf-Bekannten im Hamburger Raum lernen und lehren. In der Nähe von Düsseldorf hat der Buxtehuder seine Golflehrer-Ausbildung gemacht. Insgesamt blieb er acht Jahre. Zurück in der Heimat hat Muschinsky darauf hin gearbeitet, auf seiner Heimanlage in Daensen Golflehrer zu werden. Das hat geklappt.

Während der Hauptsaison ist das zum Beruf gemachte Hobby auch mal anstrengend. Muschinsky und Kuhlmann arbeiten derzeit sechs Tage die Woche. „So etwa 65 Stunden“, sagt Kuhlmann. Das Wochenende ist dabei natürlich immer durchweg durchgeplant. „Meine Frau ist nicht immer begeistert“, verrät Muschinsky vor einer Trainingseinheit mit den sechs Projekt-Teilnehmern. Die sind selbst bei Regen mit Lust und Laune am Üben und nennen Golf ihr neues Hobby – auch dank der lockeren Trainer.

„Projekt Handicap“ heißt die neue Aktion des Golf-Clubs Buxtehude in Zusammenarbeit mit dem TAGEBLATT. Zwei professionelle Trainer machen sechs Einsteiger sechs Wochen lang fit für ihr erstes Golfturnier, das Ende Oktober in Daensen stattfinden wird. Das TAGEBLATT begleitet die Einsteiger vom ersten Abschlag bis zum letzten Putt beim Turnier. Ziel ist das Erlangen der Platzreife und eines Handicaps.

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