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Kommentar

TPrügelei im Schwurgerichtssaal: Angriff auf das deutsche Rechtssystem

Susanne Helfferich.

Susanne Helfferich. Foto: Archiv

„Erhobene Fäuste vor der Gerichtstür“ titelte das TAGEBLATT im November 2024 über den ersten Tag im Stader Clanprozess. Auch der letzte Verhandlungstag endete mit einer Gewaltorgie.

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Von Susanne Helfferich
Freitag, 22.08.2025, 19:20 Uhr

Stade. Die Hauptverhandlung vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Stade gab einen tiefen Einblick in die Parallelwelten unserer Gesellschaft. Die Handelnden: zwei Großfamilien arabischer Herkunft. Der Großteil der Familienmitglieder ist durchweg gebildet, berufstätig und scheinbar gut integriert.

Doch die Integration endet offensichtlich, wenn es um Familie und Geschäfte geht. So wie in diesem scheinbar banalen Wettstreit um die besten Shisha-Preise, der tödlich endete.

Nachdem am 22. März vergangenen Jahres das Elternhaus der Al-Zein-Familie von Mitgliedern der Miris gestürmt worden war, in dem sich zu der Zeit ausschließlich Frauen und Kinder befanden, kam es am Salztor zum Showdown. Der Angeklagte Mustafa M. tötete Khaled R. mit einem zehn Zentimeter tiefen Messerstich in den Schädel.

Auge um Auge, Zahn um Zahn, heißt es sowohl im Alten Testament als auch im Koran. Danach kann Schaden, der einem zugefügt wird, nur mit gleichem Schaden vergolten werden. Doch das geltende bundesdeutsche Rechtssystem fußt auf Prinzipien der ausgleichenden Gerechtigkeit, Prävention und Resozialisierung. In Deutschland definiert das Strafgesetzbuch Straftaten und Strafen. Wer hier leben will, muss sich danach verhalten.

Achteinhalb Monate dauerte die Hauptverhandlung gegen den 35-jährigen Mustafa M. Seit Beginn des Prozesses trachteten Familienmitglieder der Al-Zeins hörbar nach dem Leben des Angeklagten. Sie drohten ihm immer wieder: „Du bist ein toter Mann.“

Am letzten Verhandlungstag bahnte sich nach der Urteilsbegründung die Gewalt ihren Weg. Angehörige beider Familien schlugen aufeinander ein, gefährdeten so auch unbeteiligte Prozessbeobachter. Sie ahnen offenkundig nicht, was sie damit kaputt machen. Integration funktioniert so nicht und spielt Populisten in die Karten.

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I
Ingrid Merten
28.08.202513:33 Uhr

Auge um Auge, Zahn um Zahn, heißt es sowohl im Alten Testament als auch im Koran. Danach kann Schaden, der einem zugefügt wird, nur mit gleichem Schaden vergolten werden.
Das biblische Zitat ist korrekt aus dem Matthäus-Evangelium von Susanne Helfferich wiedergegeben, aber Muslime, Christen und Juden interpretieren es unterschiedlich bis kontrovers. Die Aussage ist danach nicht wörtlich zu verstehen, sondern als Sühne für das schuldhafte Verhalten soll z. B. eine Haftstrafe oder Geldstrafe erfolgen. Denn Vergeltung strafbarer Handlungen (Totschlag/Mord) mit gleicher Reaktion würde im Hauen und Stechen enden. Per se sind Juden und Muslime (Semiten) wie wir keine Gewalttäter ! So sollte die Aussage "Auge um Auge" denn auch keineswegs interpretiert werden, obwohl es mancher Leser durchaus so verstanden haben wird.

Wolfgang Merten

J
Jochen Mextorf
22.08.202521:20 Uhr

Germany >> Failed State.

C
Claudia Wedekind antwortete am
20.09.202518:40 Uhr

Mextorf - Comment failed.
Blau macht nicht schlau.

U
Ulla Bowe
22.08.202520:53 Uhr

Auch wenn ich mich wiederhole:

Beide "Clans" haben in Teilen offenbar mit dem deutschen Rechtssystem kollektive Schwierigkeiten.
Respekt für die Gesetze des Landes, in dem sie wohnen, Achtung vor dem Nächsten, Mut zur Einsicht, Ächtung von Gewalt und Fähigkeit zur interkulturellen Kommunikation sind Voraussetzung für ein anständiges Miteinander in einer Gesellschaft.
Großes Dankeschön und Anerkennung an das Gericht und alle Beteiligten von Justiz, Staatsanwaltschaft, Polizei und Ordnungsdiensten für ihre Bemühungen um ein gerechtes, geordnetes Verfahren.
Diese delinquenten Angehörigen der "Clans" erweisen den rechtsradikalen Strömungen und Parteien einen Bärendienst!
Was läuft da schief?
Michael Bowe

U
Ulla Bowe antwortete am
23.08.202510:47 Uhr

Sie haben grundsätzlich Recht, Herr Kosmalla, aber aus der Perspektive der sich als ehrhaft darstellenden Clans betrachtet war es wohl ein Bärendienst.
Michael Bowe

E
Edmund Kosmalla antwortete am
23.08.202509:35 Uhr

Ein Bärendienst ist eine Handlung, die in guter Absicht erfolgt, aber schlechte Folgen hat. Wikipedia.

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