Realschule Campe: Stillstand auf der Dauerbaustelle
Möchten nicht länger auf einer Baustelle unterrichtet werden: Finja Kruse, Katharina Thielker, Christoph Bunn und Lilly Corleis (von links).
Seit sechs Jahren gleicht die Realschule Camper Höhe in Stade einer Dauerbaustelle. Eigentlich sollten in den Sommerferien die Aula und die Sanitärräume grundsaniert werden. Doch passiert ist nichts.
Lehrer, Eltern und Lehrer fühlen sich von der Verwaltung im Stich gelassen. Rathaus-Vize Dirk Kraska rechnet damit, dass die Arbeiten bis 2018 andauern.
Viel ist in den vergangenen sechs Jahren geschehen: Die Turnhalle hat ein neues Dach bekommen, das Hauptgebäude eine gedämmte Fassade. Brandschutz, Sicherheitsbeleuchtung, Energienetz und EDV-Netz sind auf dem aktuellen Stand. Die Sanierung der Aula im Obergeschoss und der angrenzenden Toiletten steht allerdings ebenso noch aus wie die Modernisierung der Turnhalle mit der alten Heizungsanlage und dem Schwingboden. Ursprünglich war geplant, die Arbeiten längst zum Abschluss zu bringen. Weil aber ein Unternehmen Insolvenz anmeldete und die Planung des Innenstadt-Parkhauses sowie der Flüchtlingsunterkünfte Personal bei der kommunalen Gebäudewirtschaft bündelten, kam es zu erheblichen Verzögerungen.
Noch im Frühjahr hatte Bauleiter Andreas Stein angekündigt, dass es im Bereich der Aula in den Sommerferien weitergeht. Das ist aber nicht geschehen. „Einen Zeitplan haben wir noch nicht“, sagt Schulleiter Volker von Loh. „Aber wir möchten auch mal fertig werden.“ Schon jetzt steht fest: „Wir werden wieder eine Verzögerung haben.“ Er empfinde eine Mischung aus Frust und Enttäuschung. Immer wieder komme beim Kollegium das Gefühl auf, „dass wir hinten runterfallen“. Das Vertrauen in die Versprechen der Verwaltung sei dahin. Zunächst habe er den Fünftklässlern, die neu an die Realschule kamen, noch gesagt, rechtzeitig zu ihren Abschlussprüfungen fänden sie eine renovierte Schule vor. Nun hat ihn die Realität eines Besseren belehrt. Von Loh setzt sich seit Jahren konsequent für den Fortgang der Arbeiten ein. Jetzt gehört er dem neuen Rat der Stadt an. Der Polit-Neuling hat auf der Liste der CDU kandidiert und aus dem Stand 501 Stimmen erhalten.
Wütend sind auch viele Eltern, weil sie nicht in die Planung eingebunden worden seien. „Wir werden immer nur vertröstet“, klagt ihr Sprecher Michael Eckert. „Es ist immer noch kein Ende in Sicht. Wir sind wirklich stinkig.“ Hinzu kommt: Lärm und Dreck behindern Schüler und Lehrer beim Lernen und Lehren. „Kabel hängen nach wie vor von den Decken und sind nicht abgesichert“, schreiben die Zehntklässler Finja Kruse (15), Katharina Thielker (16), Christoph Bunn (15) und Lilly Corleis (15) in einem Brief an das TAGEBLATT. In bereits sanierten Unterrichtsräumen im B-Trakt käme es zu Ausdünstungen, die den Jugendlichen im wahrsten Sinne des Wortes Kopfschmerzen bereiten. Ein erneuter Austausch des Fußbodens habe zu keiner Verbesserung geführt. Die Zehntklässler müssten jetzt ständig auf der Suche nach einem freien Raum durch das Gebäude laufen und seien sogar schon im Konferenzraum unterrichtet worden. Dort gebe es keine Tafel, eine defekte Heizung sei erst nach zwei Monaten repariert worden.
Der Erste Stadtrat Dirk Kraska bleibt in seiner Stellungnahme vage: Eine Ursache für den Gestank in den renovierten Räumen gebe es noch nicht. Es bestünde aber keine Gefahr für die Gesundheit. In den Herbstferien sollen die Klassenräume abermals einen neuen Bodenbelag bekommen. Derzeit laufe die Planung für die Sanierung von Treppenhäusern und Toilettenanlagen im A- und B-Trakt, teilt er mit. Die Ausschreibung soll im Herbst beginnen, Arbeiten würden sich „noch in das Jahr 2017 erstrecken“. 2018 soll die Sporthalle in Angriff genommen werden, eine konkrete Zeitplanung gebe es aber noch nicht.
Behinderungen des Schulbetriebs würden so gering wie möglich gehalten, könnten aber nicht ausgeschlossen werden. Wie die Unterrichtsversorgung während der Bauphasen sichergestellt werden kann, müsse noch mit Schulleitung und Elternvertretern beraten werden. Bisher waren für das Projekt 4,5 Millionen Euro im städtischen Haushalt veranschlagt. 1,8 Millionen Euro gab es aus dem Konjunkturpaket des Bundes.
Noch ein Problem: Zu wenig Räume
Für 30 Klassen stehen der Realschule Camper Höhe nach den Worten von Direktor Volker von Loh derzeit nur 24 allgemeine Unterrichtsräume im Hauptgebäude zur Verfügung. Sechs Klassen sind deshalb in sanierungsbedürftigen Pavillons auf dem Schulhof einquartiert. Im Winter lassen sich diese Provisorien nicht richtig lüften, klagen Schüler. Im Sommer leide ihre Konzentrationsfähigkeit unter der drückenden Schwüle in den Zimmern. Vernünftige Rollläden seien ebenfalls nicht vorhanden. Das Schulgebäude an der Timm-Kröger-Straße lässt sich nicht mehr erweitern. Deshalb hat von Loh ein Auge auf die nicht mehr zu Unterrichtszwecken genutzten Räume der benachbarten Friedrich-Fröbel-Sonderschule geworfen. Träger ist allerdings der Landkreis. Bereits im Frühjahr kündigte Schulamtsleiter Klaus Mehrtens an, Gespräche mit den Verantwortlichen im Kreishaus führen zu wollen. Eine Lösung scheint noch immer nicht in Sicht. Die Realschule Camper Höhe ist eine der letzten ihrer Art in der Region. Sie hat einen guten Ruf. Schüler kommen auch aus Horneburg und Fredenbeck nach Stade.