Rekordspenden für britische Rechtspartei Reform UK
Farage hat selbst auch schon Geld erhalten. (Archivbild) Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa
Großbritanniens Rechtspopulisten erhalten für den Wahlkampf Millionenspenden. Die Rekordsummen folgen auf Wochen mit verschiedenen Betrugsvorwürfen.
London. Die rechtspopulistische britische Partei Reform UK erhält einem Medienbericht zufolge gleich zweimal Rekordspenden in Millionenhöhe. Zunächst spendete der Kryptowährungsunternehmer Ben Delo mit 36 Millionen Pfund (umgerechnet rund 42 Millionen Euro) die größte Einzelsumme an eine politische Partei in Großbritannien seit Beginn der Aufzeichnungen. Am Nachmittag kündigte ein weiterer Kryptounternehmer an, dieselbe Summe überweisen zu wollen.
Sein „sportlicher Ehrgeiz“ habe ihn dazu angespornt, sagte Christopher Harborne, der Reform UK bereits zuvor eine Millionensumme gespendet hatte, der Zeitung „The Telegraph“. Die Spende sei „ein philanthropisches Geschenk an unser Land“.
Wie sind die Spendensummen einzuordnen?
Die beiden Einzelspenden sind die mit Abstand größten jemals in Großbritannien notierten. Die britische Wahlkommission veröffentlicht gemeldete Parteispenden quartalsweise. Bislang waren die zehn Millionen Pfund (11,7 Millionen Euro) von Lord John Sainsbury an die Konservativen im September 2023 Rekord. Harborne hatte bereits im August 2025 neun Millionen Pfund (10,5 Millionen Euro) an Reform überwiesen.
Zum Vergleich: In Deutschland hatte die Union im Wahljahr 2025 alle anderen im Bundestag vertretenen Parteien hinter sich gelassen. CDU und CSU kamen zusammen auf fast 7,9 Millionen Euro Spenden. Die SPD erhielt 2,3 Millionen, die Grünen erzielten knapp 1,2 Millionen und die Linke 300.000 Euro. Als Großspenden gelten in Deutschland Summen ab 35.000 Euro, diese müssen der Bundestagspräsidentin gemeldet werden.
Welche Auswirkungen haben die Spenden?
Kryptounternehmer Delo sagte dem „Telegraph“, er habe die 36 Millionen Pfund gespendet, um einen „fairen Kampf“ bei den Wahlen zu gewährleisten. Ein neues Parlament wird im Vereinigten Königreich planmäßig erst 2029 wieder gewählt. Reform hatte in Umfragen in den vergangenen Monaten zwischenzeitlich teils deutlich vorn gelegen, diesen Vorsprung zuletzt aber wieder eingebüßt.
„Meine Schlussfolgerung aus den jüngsten Problemen von Reform ist, dass sie weniger Zeit damit verbringen sollten, Gelder zu beschaffen, um unter gleichen Bedingungen konkurrieren zu können, und mehr Zeit damit, sich auf das Regieren vorzubereiten“, sagte Delo dem „Telegraph“ zufolge. Reform-Chef Nigel Farage sagte der Zeitung, er fühle sich durch das Vertrauen des Spenders „geehrt“.
Spendenvorwürfe auch gegen den Parteichef
Reform war in den vergangenen Wochen mehrfach durch mutmaßliche Spendenskandale in die Schlagzeilen geraten. Die Polizei untersucht in einer Investigativrecherche erhobene Vorwürfe, die nahelegen, dass hochrangige Parteivertreter versucht haben, Spenden aus ausländischen Quellen zu verschleiern. Für die Annahme von Geldern gelten in Großbritannien strenge Regeln.
Gegen Farage läuft zudem eine parlamentarische Untersuchung, nachdem er 2024 von Harborn ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (5,8 Millionen Euro) erhalten und nicht angegeben hatte. Der einstige Brexit-Vorkämpfer sagt, dass es sich nicht um eine Spende, sondern um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen gehandelt habe.