Revenahe – die Wiesn des Nordens
Nicht nur Tanzen, auch Mitsingen geht im Dirndl einfach besser .
Wofür dieses Dorf bisher bekannt war, ist schwer zu sagen. Inzwischen ist in weitem Umkreis ganz klar: Revenahe? Das ist doch dieser kleine Ort auf der Stader Geest mit dem Wahnsinns-Oktoberfest.
Dirndl und Lederhosen sind nicht Pflicht. Aber unter den 1400 Gästen ist kaum einer ohne sie gekommen. Seit 17 Uhr wird gefeiert: Bei Haxe und Weißwurst, begleitet vom ersten Bier und Blaskappellenmusik, die allmählich in Partymusik übergeht. Um 19 Uhr tanzen die ersten auf den Bänken. Kaum noch steigerungsfähig, mag der Neuling denken. Ein Irrtum, wie sich herausstellen wird. Woran es liegt, dass die Nordlichter gerade bei dieser Party so aufblühen? Das hat viele Gründe. Wir haben uns umgehört und einige herausgefunden.
Erstens: Dirndl und Lederhosen. Bernd Meinke und Stephan Perbandt, der zweite Vorsitzende des Oktoberfest-Vereins, sind überzeugt: „Viele schlüpfen mit der bayrischen Tracht auch in eine andere Rolle.“ Das macht Partylaune – und sieht gut aus. Miss Oktoberfest wird hier nicht gekrönt, aber Stephan Perbandt weiß ohnehin, wer heute die schönste Frau ist: „Meine.“ Sandra Perbandt trägt das Dirndl knielang, mit edel schimmernder hellgrüner Schürze über dunkelgrünem Brokatkleid mit engem Leibchen. Woher sie das Teil hat? „E-Bay“, sagt sie augenzwinkernd. Katja Vagts hat ihr ebenso hübsches Dirndl in Rosatönen bei alpenwelt.de bestellt. „Von den Flechtfrisuren für diesen Abend sind einige von mir“, verrät die Friseurin aus Harsefeld.
Die 20-jährige Lena Dettmann aus Revenahe hat sich die süßen weißen Blümchen von ihrer Cousine ins Haar flechten lassen. Wo es nette Dirndl zu kaufen gibt, weiß sie auch: „Im Raiffeisen-Markt der Stader Saatzucht, wo ich übrigens arbeite.“ Aber auch bei Stackmann gehe zurzeit jede Menge Trachtenmode über den Tresen. Lederhosen – hier standardmäßig mit kariertem Hemd kombiniert – stehen auch Frauen und werden meist sehr kurz getragen, kombiniert mit Boots und wollenen Kniestrümpfen.
Zweitens: Essen und Trinken. Der Oktoberfestverein (Insel im Moor e.V. Revenahe-Kammerbusch) trägt dafür Sorge, dass nicht nur zünftig, sondern auch gediegen gefeiert wird. Es gibt nur Pauschaltickets – mit nummerierten Sitzplätzen für jeden und inklusive Essen und Getränken ab 17 Uhr. 450 Haxen, 400 Kilo Kartoffelpüree, 200 Kilo Kartoffelsalat, 100 Kilo Leberkäse, 80 Kilo Sauerkraut und 700 Weißwürste hat Wiesnwirt Lars Höft aus Neukloster unter anderem aufgefahren. Bier & Co gibt es an zwei großen Bars.
Drittens: Musik. „Aalbachtal-Express“ aus Uettingen bei Würzburg haben sich in Revenahe bewährt – so sehr, dass der Oktoberfestverein mit ihnen am Sonntag sogar eine Hamburg-Sightseeingtour macht. Sie spielen alles live und sind bekannt für musikalische Flexibilität. Die Gaudi auf der Bühne gehört dazu: Später am Abend heißen die Musiker tanzende Gäste auf der Bühne willkommen, einige schultern einander dabei sogar. In den Spielpausen geht DJ Sönke ans Pult.
Viertens: Infrastruktur. Nicht nur die 29 Mitglieder des Oktoberfest-Vereins, sondern auch 50 freiwillige Helfer vor dem Fest und 50 freiwillige Helfer während des Festes wirken an den beiden Veranstaltungstagen mit. Der Verein hat sich aber längst Profis mit ins Boot geholt: „Sehenswert Events“ aus Heeslingen sorgen für einen glatten Ablauf, neben der Security begleiten auch Polizei und Feuerwehr diskret die Veranstaltung. Parkplätze gibt es auch für späte Gäste noch reichlich, und ein schönes Souvenir gibt‘s in der Fotobox-Ecke.
Fünftens: Herzblut. Zum Oktoberfest ist Revenahe weiß-blau. Der ganze Ort wird geschmückt. Die Wiesn des Nordens ist hier 2009 aus einer Bierlaune heraus entstanden: Einige Revenaher feierten unter dem Motto „Bayrischer Abend“ hölzerne Hochzeit. Dann nahm die Sache Fahrt auf. Heute gibt es einen engagierten Trägerverein – und im Landkreis Stade kein vergleichbar erfolgreiches Oktoberfest. 1400 Karten waren mühelos ausverkauft. Noch einmal so viele kommen am zweiten Abend. Also heute.
Aalbachtal-Express rocken live mit vielen Bläsern auf der Bühne – und das Publikum auf der Tanzfläche tobt . Fotos Richter