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Riesiger Saugbagger in Ovelgönne versunken

Der 120 Tonnen schwere Koloss ist plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Taucher finden das Spezialgerät am Grund des Sees. Durch den Ausfall des Saugbaggers wird sich der Bau der Autobahn A 26 verzögern.

Von Claudia Michaelis Sonntag, 09.10.2016, 18:39 Uhr

Ein ungewöhnlicher Großeinsatz hat gestern stundenlang mehr als 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr, DLRG und THW aus dem gesamten Kreis Stade in der Feldmark in Ovelgönne in Atem gehalten: Aus noch völlig ungeklärter Ursache ist der Saugbagger „Pirat 5“, der seit Juli den Sand für den Bau der A 26 im Nassabbau nach Rübke pumpt, auf den Grund des Baggersees gesunken. Das 120 Tonnen schwere Spezialgerät, mit dem die Arbeiter der Firma Bunte am Freitag noch bis Feierabend gearbeitet hatten, hat möglicherweise bis zu 20 000 Liter Diesel an Bord.

Mit einem Großaufgebot rückten Einsatzkräfte und Taucher der Feuerwehr und der DLRG aus Stade, Buxtehude, Horneburg und Harsefeld sowie der Umweltzug des Landkreises an der Abbaustelle an, um zunächst die Lage zu sondieren und ein Umweltunglück zu verhindern. Aufmerksame Spaziergänger hatten am Sonntagmorgen entdeckt, dass der riesige Bagger plötzlich vom See verschwunden war. Da das schwere Gerät nicht gestohlen worden sein konnte, war schnell klar, dass der acht mal 20 Meter große Bagger gesunken sein musste und jetzt am Grund des inzwischen bereits bis zu 15 Meter tiefen Baggersees liegt. Für die Einsatzkräfte hatte die Sicherung der möglicherweise vollen Tanks oberste Priorität.

Taucher von DRLG und Feuerwehr fanden den gesunkenen Bagger wenig später tatsächlich in 2,50 Tiefe auf dem Grund des Sees. „Er liegt schräg auf dem Grund des Sees,“ bestätigte Kreisfeuerwehrsprecher Stefan Braun. Wie viel Diesel sich wirklich im Bagger befindet und ob die Tanks leck geschlagen sind, konnte gestern noch nicht abschließend geklärt werden.

Einen leichten Ölfilm auf dem Wasser banden die Helfer mit Bindemitteln ab und legten eine Ölsperre. „Öl tritt aus, aber nicht in größeren Mengen“, konnte Stefan Braun gegen Abend berichten. Mit dem Abstreuen und Binden des Ölfilms war die Arbeit der Einsatzkräfte zur Gefahrenabwehr und Schadensminimierung nach fünf Stunden beendet.

Menschen kamen bei dem Unglück nicht zu Schaden, den Sachschaden allerdings beziffert Polizeisprecher Rainer Bohmbach auf mindestens eine halbe Million Euro. Ob ein technischer Defekt oder gar Sabotage das schwere Gerät zum Sinken gebracht haben, ist bislang noch völlig offen. Indizien, die auf ein Einwirken von außen deuten, hat die Polizei bislang nicht gefunden. Die Ursache wird jedoch erst in einiger Zeit feststehen, wenn der Bagger gehoben und gründlich untersucht worden ist, sagt Bohmbach.

Für die Firma Bunte und den Baufortschritt der A 26 im dritten Abschnitt zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf wird der gesunkene Bagger allerdings spürbare Folgen haben: Ein Bergungsunternehmen muss das tonnenschwere Gerät mit Pontons vom Grund des Baggersees heben, der Spülbetrieb wird auf unabsehbare Zeit unterbrochen werden. 4000 Kubikmeter Sand hatte „Pirat 5“ in den vergangenen Wochen Tag für Tag für den Vorbelastungsdamm der A 26 nach Rübke gespült. Bis Mitte 2018 sollte der Spülbetrieb laufen.

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