Rivalisierende Großfamilien: Polizei-Präsenz im Altländer Viertel
Wegen zweier rivalisierender Familien zeigt die Polizei verstärkte Präsenz im Altländer Viertel. Foto: Beneke
Mit einer Hundertschaft wolle die Polizei das Altländer Viertel kontrollieren. Diese Reaktion auf die Ausschreitungen vom Sonntag kündigte Bürgermeisterin Silvia Nieber gestern Abend während einer Ratssitzung an. Doch die Polizei widerspricht.
Die Fehde zwischen zwei Großfamilien mit libanesischen und kurdischen Wurzeln in Stade ist offenbar vorerst beendet. Wie der Schneider und neu gewählte Ratsherr der Linken, Nusrettin Avci, auf Nachfrage berichtet, habe es am Dienstagmittag ein klärendes Gespräch zwischen den Konfliktparteien gegeben.
„Wir haben das geregelt“, sagt Avci. Die Familien hätten ihn als Schlichter hinzugezogen. In einer Moschee sollen sich die Rivalen die Hand gereicht haben. Sie seien sich einig, ihre Konflikte in Zukunft friedlich auszutragen. Ein weiteres Ergebnis der Zusammenkunft: „Jeder zieht seine Anzeige zurück.“
Auslöser für die Krawalle war demnach eine Rangelei zwischen Mitgliedern beider Clans am frühen Sonntagmorgen in einer Bar am Pferdemarkt, die von Kurden betrieben wird. Weil ein Angehöriger der libanesischen Familie trotz Hausverbots den Gastronomiebetrieb betreten wollte, soll es zu Handgreiflichkeiten gekommen sein. Nach Angaben von Avci waren die Streithähne alkoholisiert. „Wenn sie trinken, wollen sie ihre Kraft zeigen“, sagt er. Vor drei Jahren hat der Selbstständige eigenen Aussagen zufolge schon einmal eine Auseinandersetzung zwischen den beiden Clans geschlichtet.
Außerdem sorgte eine Ankündigung von Stades Bürgermeisterin Silvia Nieber (SPD) für Aufregung: Die Verwaltungschefin am Montagabend im Rahmen einer Sitzung des Rates, dass die Polizei das Altländer Viertel in dieser Woche mit einer Hundertschaft kontrollieren werde. Polizeisprecher Rainer Bohmbach korrigierte diese Darstellung am Dienstag: Die Stader Beamten bekämen zwar Unterstützung von der Bereitschaftspolizei, die im Altländer Viertel verstärkt Präsenz zeige.
Die Einrichtung von Kontrollstellen sei alleine aus rechtlichen Gründen nicht ohne Weiteres möglich. „Im Moment ist die Lage ruhig“, so Bohmbach. Wenngleich die Gewalttäter für Polizei und Justiz keine Unbekannten sind, tappen die Ermittler, was die Hintergründe der Auseinandersetzung angeht, weiter im Dunkeln. Zeugen werden gebeten, sich unter der Rufnummer 0 41 41 / 10 22 15 zu melden.