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Winterspiele in Peking

Rodel-„Opa“ holt erstes deutsches Olympia-Gold - Skispringer stürzen ab

Der Erstplatzierte Johannes Ludwig aus Deutschland zeigt seine Goldmedaille. Foto: Michael Kappeler/dpa

Der Erstplatzierte Johannes Ludwig aus Deutschland zeigt seine Goldmedaille. Foto: Michael Kappeler/dpa

Gold für Johannes Ludwig. Der Thüringer gewinnt als erster Deutscher bei den Winterspielen von Peking und reiht sich mit dem wichtigsten Erfolg seiner Karriere in die Rodel-Größen ein.

Sonntag, 06.02.2022, 17:35 Uhr

Am Ziel seiner Träume sank Rodel-Olympiasieger Johannes Ludwig überglücklich auf die Knie und küsste das oberste Podest am längsten Eiskanal der Welt. In vier souveränen Läufen raste der 35 Jahre alte Thüringer zur ersten deutschen Goldmedaille der Winterspiele von Peking und krönte damit seine lange Karriere.

Bundestrainer Norbert Loch nahm im Zielraum ergriffen seine Mütze ab und verneigte sich vor seinem Schützling: „Hansi kenne ich seit dem Jugendalter, mich verbindet mit dem Papa auch einiges. Wie er auf dem Zenit seine Leistung abgerufen hat, das hat mich zutiefst bewegt.“

Deutsches Olympia-Team mit erstem Gold: Rodler Ludwig siegt

Auch der Olympiasieger war überglücklich und kämpfte mit den Tränen. „Im Moment fühlt es sich ganz gut an. Sonst kommt der Druck im Rodeln immer von vorne, jetzt kommt er aus dem Nacken von der schweren Medaille“, sagte Ludwig. „Ich bin ziemlich glücklich, dass ich immer am Ball geblieben bin. Ich habe mich viele Jahre nicht für Olympia qualifizieren können, habe trotzdem die Freude nicht verloren. Jetzt sage ich: zurecht!“

Um 0,160 Sekunden distanzierte Ludwig am Ende Österreichs Ex-Weltmeister Wolfgang Kindl, Dritter wurde der Italiener Dominik Fischnaller. Dem dreimaligen Olympiasieger Felix Loch blieb nur der undankbare vierte Platz. „Natürlich ärgert man sich, aber es hat zur Saison gepasst. Am Ende muss ich froh sein, dass ich nach meiner Coronainfektion überhaupt dabei war“, sagte Loch. „Vierter ist bitter, aber einer muss Vierter werden.“

Nach Olympiasieg: Ludwig nun in einer Reihe mit Hackl, Zöggeler, Loch

Ludwig - in Pyeongchang 2018 schon mit Team-Gold und Einzel-Bronze dekoriert - reihte sich mit dem Triumph in die ganz Großen des Rodelsports ein. Der Name des ältesten Teilnehmers im Rennen steht nun in einer Statistik mit Georg Hackl, Armin Zöggeler und Felix Loch. Es war das elfte Einzel-Gold eines deutschen Rodlers in der olympischen Geschichte.

Bei aller Planung, Anspannung und allem Ehrgeiz ist Ludwig auch ein Genussmensch. Der Thüringer greift gern mal zu einem Stück Schokolade, „am liebsten mit Nuss oder Marzipan“. Sobald es wieder wärmer wird, dürfte sich Ludwig seiner großen Leidenschaft Segeln widmen und erstmals als Olympiasieger aufs Wasser gehen. Damit wäre er sozusagen auf Augenhöhe mit seinem Idol Jochen Schümann, den er gern mal treffen würde.

Rodler Johannes Ludwig rast durch den olympischen Eiskanal. Foto: Michael Kappeler/dpa

Rodler Johannes Ludwig rast durch den olympischen Eiskanal. Foto: Michael Kappeler/dpa

Olympiasieger lässt Karrierefortsetzung offen

Wie und ob es im Eiskanal für Ludwig weitergeht, ist noch offen. Olympia wäre natürlich immer ein schöner Abschluss der Karriere. Aber da ist eben auch die Heim-WM 2023 in Oberhof. „In der Hoffnung, dass dann wieder Zuschauer erlaubt sind. Doch selbst, wenn ich sportlich nicht dabei wäre, würde ich sicher in anderer Funktion an dieser WM teilnehmen“, sagte Ludwig. Als Olympiasieger dürfte sich am Eiskanal im Thüringer Wald definitiv eine Aufgabe finden.

Einen Tag nach Silber für Katharina Althaus mussten die Skisprung-Männer dagegen eine Enttäuschung von der Normalschanze in Zhangjiakou verkraften. Der Gesamtweltcup-Führende Karl Geiger wurde beim Olympiasieg des Japaners Ryoyu Kobayashi nur 15. „Ich bin halt gescheitert, aber so ist es“, sagte er. Bester Deutscher war Constantin Schmid als Elfter. Markus Eisenbichler, wie Geiger als Mitfavorit gehandelt, verpasste den Final-Einzug als 31. Beim Mixed-Wettbewerb am Montag gibt es eine Chance auf Besserung.

„Bin halt gescheitert“: Skispringer um Geiger schwach

Vor den spärlich besetzten Rängen hatten viele Topspringer, zu denen auch Geiger und Eisenbichler zählen, im ersten Durchgang Pech mit den Bedingungen. Nicht nur die Deutschen, sondern weitere Medaillenanwärter kamen damit nicht gut zurecht - anders als der überragende Kobayashi. Für Halvor Egner Granerud und Marius Lindvik aus Norwegen endeten die Medaillenträume schon nach einem Sprung. Im zweiten Versuch konnten sie nicht mehr viel retten, Granerud wurde anschließend sogar disqualifiziert.

Skispringer Karl Geiger kam im olympischen Finale nur auf den 15. Platz. Foto: Matthias Schrader/POOL AP/dpa

Skispringer Karl Geiger kam im olympischen Finale nur auf den 15. Platz. Foto: Matthias Schrader/POOL AP/dpa

Geiger hatte sich in dieser Saison bislang sehr konstant gezeigt. Mit der neuen Olympia-Schanze war der Familienvater aber von Beginn an nicht zurechtgekommen. Ein Trainingssprung nach dem anderen sorgte in den vergangenen Tagen für das gleiche Ergebnis: Enttäuscht verließ Geiger immer wieder den Auslauf. Der ausgeglichene und als akribischer Arbeiter bekannte Sportler gilt eigentlich als Springer, der sich gut auf neue Bedingungen einstellen kann. In den chinesischen Bergen gelang das noch gar nicht. Er landete nach 96 und 99 Metern.

Neue Chance im Mixed-Skispringen an diesem Montag

«Das Fazit ist nicht gut, weil wir nicht um die Medaille mitgesprungen sind», sagte Bundestrainer Stefan Horngacher. „Das war ein bisschen absehbar. Es hätte ein Wunder hergemusst.“ Für das Mixed, in dem am Montag (12.45 Uhr/ZDF und Eurosport) zwei Männer und zwei Frauen springen, nominierte er Geiger und Schmid. Geiger gab sich trotz aller Enttäuschung kämpferisch. „Im Team ist alles möglich“, sagte er.

Außerdem gibt es am Montag das Biathlon-Einzelrennen der Frauen (10 Uhr) sowie am frühen Morgen die wegen zu heftiger Windboen abgesagte Männer-Abfahrt im Ski Alpin (5 Uhr). (dpa)

Rodler Johannes Ludwig feiert den Olympiasieg. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Rodler Johannes Ludwig feiert den Olympiasieg. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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