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Rohre aus GFK - produziert in Stade

Geschäftsführer Manuel Nunez Alvarez beliefert vor allem Chemiewerke mit seinen Spezialrohren aus GFK. Foto: Lüder

Geschäftsführer Manuel Nunez Alvarez beliefert vor allem Chemiewerke mit seinen Spezialrohren aus GFK. Foto: Lüder

Im Windschatten des Chemieriesen Dow entstand die Firma Kurotec-KTS 1983 in Stade. Heute zählt das Unternehmen zu den führenden Anbietern maßgeschneiderter Rohre und Behälter aus dem Verbundkunststoff GFK.

Dienstag, 10.04.2018, 13:00 Uhr

Von Claudius Lüder

Trotzdem hat Kurotec mit bürokratischen Hürden zu kämpfen – und das vor allem im vermeintlich grenzfreien EU-Wirtschaftsraum. Ein Kunststoffrohr ist leicht, grau oder braun und ein Massenartikel von der Stange. Weit gefehlt, denn Rohr ist nicht gleich Rohr – das wird deutlich, wenn man die Firma Kurotec-KTS besucht. Was die über 100 Spezialisten in Stade produzieren, sind maßgeschneiderte Rohre und Behälter aus GFK. Das Kürzel steht für Glasfaserverstärkten Kunststoff.

„Wir verarbeiten duroplastische Kunststoffe wie Vinylesterharz in Verbindung mit einer Matrix aus Glasfaser“, erläutert Nicol Eckert, Prokurist der Firma. Im Gegensatz zu e handelsüblichen Thermoplast-Rohren oder auch Rohrverbindungen aus Metall oder Stein, sind die GFK-Rohre von Kurotec nicht nur hitzebeständig, sondern auch unempfindlich gegenüber Chloriden. Zu den Hauptkunden von Kurotec zählen denn auch Firmen aus der Chemiebranche. Daneben werden die GFK-Rohre aber beispielsweise auch bei Kohlekraftwerken verbaut, wo sie den heißen, chloridhaltige Abgasen am besten standhalten können.

Jeder Auftrag, den das Unternehmen mit seinen über 250 Mitarbeitern an sechs Standorten in Europa abwickelt, sind Maßanfertigungen. Hergestellt werden die Rohre dabei in reiner Handarbeit, wozu das flüssige Vinylesterharz und die Glasfasermatten um einen sich ständig drehenden Stahlkern aufgebracht werden. „So entsteht das Rohr Schicht für Schicht und wir können beispielsweise Auslässe oder Anschlüsse in den Rohren genau dort berücksichtigen, wo es der Kunde wünscht“, erläutert Geschäftsführer Manuel Nunez Alvarez. „Die Dokumentation ist sehr umfangreich. Das fängt bei der Materialprüfung an und zieht sich durch den gesamten Herstellungsprozess hindurch.“

Neben Rohren stellt die Firma Spezialtanks her, wie aktuell einen über 14 Meter langen Cascadentank für ein Stahlwerk, wo der Tank in eine Beizbahn eingebunden wird. Die Spezialanfertigung aus GFK verfügt im Inneren über diverse Abtrennungen, hat zahlreiche Zu- und Abläufe und kann Flüssigkeitstemperaturen bis zu 100 Grad standhalten.

Handarbeit: Mit Handrollen wird die flüssige Grundmasse um einen Stahlkern aufgebracht.

Abgeschlossen hat die Firma gerade ein Projekt in Frankreich. „Dort haben wir Rohrleitungen für eine Chloranlage hergestellt und installiert“, berichtet Eckert. Ursprünglich waren sechs bis sieben Monate vorgesehen, am Ende wurde ein Jahr daraus. Rund 40 Mitarbeiter waren dauerhaft auf der Baustelle in Lille, 33 Wohnungen beziehungsweise Zimmer hat Kurotec angemietet. Zu meistern gab es hierbei bürokratische Hürden. „Wenn man Geschäfte mit französischen Unternehmen macht, muss es im eigenen Unternehmen einen Repräsentanten geben, der Ansprechpartner für alle Belange ist“, erläutert Eckert. Da sämtliche Kommunikation in französischer Sprache erfolgt, hat Kurotec hierzu einen zweisprachigen Mitarbeiter eingestellt.

„Über 50 Prozent unserer Aufträge machen wir mit Firmen im Ausland“, erzählt Eckert. Einfacher sei das innerhalb des vermeintlich grenzfreien EU-Wirtschaftsraums in den letzten Jahren nicht geworden. „Der administrative Aufwand ist schon sehr hoch. Wenn man erst einmal weiß, wie es funktioniert, spielt sich das ein, aber jedes Land hat eben auch so seine Eigenheiten – siehe Frankreich“, sagt Eckert.

Gerade grenznahe Betriebe haben ihre Geschäftsbeziehungen zu Frankreich heruntergefahren, weil die bürokratischen Hürden immer höher wurden. Hintergrund ist die verschärfte EU-Entsenderichtlinie, mit der Frankreich vor allem Billigarbeitskräfte aus Osteuropa fernhalten möchte. Inzwischen hat die französische Regierung aber Erleichterungen angekündigt. Zukünftig sollen Arbeitskräfte gleich für einen längeren Zeitraum angemeldet werden können, anstatt für jeden einzelnen Auftrag wie bisher.

Aber auch in anderen europäischen Ländern sind die Hürden groß. In Belgien und den Niederlanden wird Arbeitssicherheit groß geschrieben, da wird auf den Baustellen häufig kontrolliert. Beraten lässt sich Kurotec bei seinen Auslandsaufträgen von der Außenwirtschaftsberatung der Handwerkskammer. Aktuell bereitet Kurotec einen Auftrag für die Schweiz vor, wo andere Voraussetzungen für das Entsenden von Material und Mitarbeitern gelten. Mitunter, sagt Eckert, sei es einfacher Aufträge in Asien oder Saudi-Arabien durchzuführen, als in Europa.

www.kurotec-kts.de

Mit CFK hat GFK nicht viel zu tun – außer, dass es sich in beiden Fällen um Verbundstoffe handelt. CFK bedeutet Leichtbau, das ist bei GFK nicht der Fall. Zudem gibt es Unterschiede in der Herstellung. CFK wird im Ofen gebacken und ist um ein Vielfaches teurer in der Herstellung. Was die Grundmaterialien betrifft, also Vinylesterharz und eine Matrix, gibt es aber auch Gemeinsamkeiten.

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