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Salim Aichaoui und der Fußballzwerg

Salim Aichoui (rechts) und seine Freunde verfolgten das Tunesienspiel am Montag in der Mokka-Bar: Ahmad Merre, Anis Aichaoui, Hasan Ramazanoglu, Seddo Kurmanc, Ahmed Mhamdi, Ismet Özgün, Razi Ramon, Sultan Özgün, Enis Popara (hinten, von links), Schemus Özgün und Ali Ramazanoglu (vorne). Foto: privat

Salim Aichoui (rechts) und seine Freunde verfolgten das Tunesienspiel am Montag in der Mokka-Bar: Ahmad Merre, Anis Aichaoui, Hasan Ramazanoglu, Seddo Kurmanc, Ahmed Mhamdi, Ismet Özgün, Razi Ramon, Sultan Özgün, Enis Popara (hinten, von links), Schemus Özgün und Ali Ramazanoglu (vorne). Foto: privat

Die Stimmung in der Mokka-Bar war überragend. „Alle waren Tunesier, egal woher sie kommen“, erzählt Salim Aichaoui. Er, der Landesliga-Fußballer vom Buxtehuder SV, ist Sohn tunesischer Eltern und schaut die Spiele mit vielen Freunden.

Von Tim Scholz Donnerstag, 21.06.2018, 11:00 Uhr

So auch am vergangenen Montag, als er alle Freunde und Bekannte zusammentrommelte, darunter sein Bruder Anis und sein Cousin Ahmed Mhamdi, die ebenfalls aus der Buxtehuder Fußballszene bekannt sind.

Und dann ging es los. Tunesien gegen England. England ging früh in Führung durch Harry Kane. Die Stimmung bei Salim Aichaoui und Co. trübte das jedoch nicht. Und tatsächlich, Tunesien kam noch vor der Pause zum Ausgleich. Ferjani Sassi traf vom Punkt, 1:1. „Wir haben das Tor so exzessiv gefeiert, wir haben uns umarmt und geschrien“, sagt Aichaoui.

Der zweite Durchgang war arm an Höhepunkten, was die Tunesien-Fans in der Mokka-Bar nicht störte. Die Überraschung – ein Punkt gegen England – rückte immer näher, bis erneut Harry Kane zuschlug. Das 2:1, ein Kopfballtreffer, fiel in der Nachspielzeit. „Da waren wir schon traurig“, sagt Aichaoui. „Die Engländer haben das Spiel verdient gewonnen. 90 Minuten Dauerdruck hält man irgendwann nicht mehr aus.“

Es sei schon eine Überraschung gewesen, dass Tunesien überhaupt so lange das Unentschieden halten konnte, sagt Aichaoui. „Wir rechnen uns bei der WM nicht viel aus. Es ist alleine schon super, dass Tunesien überhaupt dabei ist.“ In Russland nimmt das kleine nordafrikanische Land, auf Platz 21 der Fifa-Weltrangliste, zum fünften Mal an einer Weltmeisterschaft teil.

In Aichaouis Brust schlagen zwei Herzen, eines für Tunesien und eines für Deutschland. Denn geboren und aufgewachsen ist er in Buxtehude, seine Eltern stammen aus Tunesien. Sein Vater war in den Siebzigerjahren als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Er arbeitete zunächst bei Volkswagen, später dann in einem Aluminiumwerk in Hamburg. „Eigentlich sollte es nur ein kurzes Intermezzo werden“, erzählt Aichaoui. Doch seine Eltern fühlten sich in Deutschland so wohl, dass sie blieben. Verwandtschaft und ein großes Haus hat die Familie heute noch in Tunesien. „Ich versuche, jedes Jahr einmal dort zu sein“, sagt Aichaoui. „Manchmal klappt das, manchmal nicht.“

Salim Aichaoui, Jahrgang 1986, lernte das Kicken in den Häuserschluchten der Sagekuhle in Buxtehude. Einem Verein trat er erst mit elf Jahren bei. Sein Kumpel Hasan Ramazanoglu, heute ebenfalls BSV-Fußballer, schleppte ihn mit zum Training beim TSV Eintracht Immenbeck.

Als C-Jugendlicher folgte er seinen Freunden dann zum BSV – und da blieb er. Aichaoui widerstand einem Angebot von Hannover 96. Mit 17 zog ihn Kulttrainer Wolfgang Nitschke hoch in die erste Mannschaft. „Das war damals noch eine große Ehre“, sagt Aichaoui. Er erspielte sich gleich an der Seite von „Vereinslegende“ Thomas Bode und Bruder Anis einen festen Platz in der Mannschaft.

Damals hat Aichaoui es nicht bereut, das Angebot aus Hannover abgelehnt zu haben. „Ich wollte weiterhin mit meinen Freunden zusammenspielen“, sagt Aichaoui. Heute sagt er, dass es möglicherweise „nicht der richtige Schritt“ gewesen sei. „Aber das ist jetzt Vergangenheit.“

Aichaoui hat sich mit seiner Rolle beim BSV angefreundet. Er ist Außenstürmer und Vizekapitän. Er fühlt sich fit wie nie zuvor. Fußball, Radfahren, Laufen, Fitness zahlen sich aus. „Ich versuche, sehr gesund zu leben“, sagt Aichaoui. Das passe „super“ zu seinem neuen Job: Seit einem Jahr arbeitet Aichaoui für einen Onlineshop in Buxtehude, der Nahrungsergänzungsmittel vertreibt.

Am kommenden Sonnabend werden Salim Aichaoui und seine Freunde wieder den Tunesiern die Daumen drücken. Ab 14 Uhr geht es gegen Belgien. „Ein unfassbar starker Gegner, stärker als England und ein Geheimfavorit auf den Titel“, sagt er. Ein Punkt wäre ein Wunder. Aber: „Bei dieser WM traue ich jeder Mannschaft alles zu.“

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