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Feuerwehr

TSamtgemeinde Fredenbeck: Mehr Einsätze trotz Pandemie

In Vollbrand steht ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude in Kutenholz.

In Vollbrand steht ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude in Kutenholz.

Trotz des heruntergefahrenen öffentlichen Lebens in Corona-Zeiten ist die Zahl der Feuerwehreinsätze in der Samtgemeinde Fredenbeck gestiegen. 2020 sind die Freiwilligen 128 Mal ausgerückt – neun Mal mehr als 2019. Vor allem Großfeuer und Verkehrsunfälle forderten die Retter.

Von Daniel Beneke Sonntag, 17.01.2021, 14:00 Uhr

Das Plus im Zahlenwerk von Gemeindebrandmeister Sven Dammann aus Kutenholz ist durchaus beachtlich. Die sonst üblicherweise dutzendfach in die Statistik einfließenden Brandsicherheitswachen und Umzugsbegleitungen fielen schließlich weg. 26 Brandeinsätze haben die Feuerwehrleute bewältigt – neun mehr als im Vorjahr. Darunter waren auch wieder einige Großbrände.

In Kutenholz brannte ein Wohn- und Geschäftsgebäude aus ungeklärter Ursache lichterloh, die Bewohner konnten sich in letzter Sekunde retten. Eine Flüchtlingsunterkunft in Deinste wurde in Folge eines technischen Defekts zum Raub der Flammen, hier gab es ebenfalls keine Verletzten. Das sah beim Brand in einer Unterkunft in einem ehemaligen Hotel in Fredenbeck anders aus. Hier war ein Toter zu beklagen, der Bewohner hatte den Brand wahrscheinlich fahrlässig mit einer Zigarette verursacht. „Viele Jahre ist die Feuerwehr von solch schrecklichen Einsätzen verschont geblieben“, sagt Dammann.

Beim Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft in Fredenbeck stirbt ein Mann.

Beim Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft in Fredenbeck stirbt ein Mann.

Nur knapp entgangen ist die Feuerwehr einem Großbrand, als eine leer stehende Hofstelle in Fredenbeck brennen sollte. „Zum Glück konnte durch unser schnelles Eingreifen Schlimmeres verhindert werden. Es brannte lediglich etwas Heu auf dem Boden des Abrissgebäudes“, erinnert sich der Feuerwehrchef. Den Brandschäden in Höhe von 540 000 Euro stehen erhaltene Werte in Höhe von 600 000 Euro gegenüber.

B74 bei Schwinge war Unfallschwerpunkt

17 Mal rückten die Feuerwehren zu Verkehrsunfällen aus, wobei sich die Bundesstraße 74 bei Schwinge als Unfallschwerpunkt herausstellte. Wegen der Sperrung in Folge der Bauarbeiten zwischen Elm und Bremervörde nahm das Verkehrsaufkommen hier über Monate spürbar zu. An einem Bahnübergang in Aspe wurde ein Auto von einem Zug erfasst, die PKW-Fahrerin kam mit leichten Verletzten davon. Einmal mehr habe sich das 2015 erarbeitete Konzept für Einsätze auf den Bahngleisen bewährt, sagt Sven Dammann. Dafür halte die Feuerwehr spezielles Equipment wie eine Rettungsplattform und Loren vor, mit denen Material auf den Gleisen transportiert werden kann. In Fredenbeck ist ein Feuerwehrmann auf dem Weg zu einem Einsatz verunglückt. Er trug erhebliche Verletzungen davon, ist aber wieder genesen.

Ein Pkw wird an einem Bahnübergang in Aspe von einem Zug erfasst.

Ein Pkw wird an einem Bahnübergang in Aspe von einem Zug erfasst.

Ein Sturm führte zur Einrichtung der Örtlichen Einsatzleitung, 13 Einsatzstellen – überwiegend wegen umgestürzter Bäume – mussten abgearbeitet werden. Zusammen mit der Verwaltung hat Sven Dammann ein Konzept für einen Krisenstab ausgearbeitet.

Die Notfallgruppen der Feuerwehren in Helmste, Kutenholz, Mulsum, Schwinge und Wedel waren 18 Mal zur Unterstützung des Rettungsdienstes gefordert.

In wenigen Wochen soll der Bau des neuen Feuerwehrhauses in Wedel beginnen, hofft der Gemeindebrandmeister. Außerdem hat er die Ausschreibung für ein neues Löschfahrzeug für die Wedeler Feuerwehr auf den Weg gebracht. Noch in diesem Jahr soll die Ausschreibung für ein neues Löschfahrzeug für die Feuerwehr in Schwinge vorbereitet werden, im kommenden Jahr steht dann die Ausschreibung für ein neues Löschfahrzeug in Fredenbeck auf dem Programm.

Gründung einer Kinderfeuerwehr im Gespräch

Der Feuerwehrchef hofft, dass in den kommenden Monaten die Suche nach Grundstücken für die neuen Feuerwehrhäuser in Mulsum und Deinste – in der Standortfrage im Einvernehmen mit den Freiwilligen vor Ort – abgeschlossen wird. Nicht nur im stillen Kämmerlein wird zudem über die Gründung einer Kinderfeuerwehr nachgedacht. Außerdem wird an einem Konzept zum Thema Einsatzstellenhygiene gearbeitet, um die Freiwilligen vor den Einflüssen der bei Bränden freigesetzten Giftstoffe zu schützen.

„Das Jahr war von Corona geprägt“, resümiert Sven Dammann. Ausbildungsdienste und Versammlungen fielen der Pandemie zum Opfer. So musste etwa die Feier zum 40. Geburtstag der Kutenholzer Jugendfeuerwehr ausfallen. „Es war nicht immer einfach. Aber gemeinsam, als eine starke Truppe, haben wir das geschafft“, sagt der Gemeindebrandmeister.

In Aspe, Deinste, Essel, Fredenbeck, Helmste, Kutenholz, Mulsum, Schwinge und Wedel engagieren sich 431 Männer und Frauen ehrenamtlich in Sachen Brandschutz und Hilfeleistung. Die Alters- und Ehrenabteilungen zählen 136 Mitglieder. 48 Mädchen und Jungen gehören den Jugendfeuerwehren in Fredenbeck, Mulsum und Kutenholz an.

Frontal gegen einen Baum prallt ein Auto auf der K 1 bei Schwinge.

Frontal gegen einen Baum prallt ein Auto auf der K 1 bei Schwinge.

Corona und die Folgen

Ausbildungslehrgänge auf Kreisebene und Führungslehrgänge an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz sind im vergangenen Jahr in großer Zahl wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. Sie dienen nach Ansicht von Kreisbrandmeister Peter Winter aus Apensen nicht nur der dringend notwendigen Aufrechterhaltung der Ausbildungsstände in den Feuerwehren, sondern sind auch gerade für die jüngeren Einsatzkräfte „zur weiteren Motivation von größter Wichtigkeit“. Deshalb treffen die Corona-Beschränkungen die Wehren „schon hart“.

Ein weiteres Problem durch den zeitlich nicht absehbaren Entfall der Truppführer-Lehrgänge und die sehr spärlich angebotenen Gruppenführer-Lehrgänge sei die potenzielle Neubesetzung von Führungspositionen wie Ortsbrandmeister und Stellvertreter durch fehlende Ausbildungsvoraussetzungen. Aktuell könnten aber noch alle Führungsämter im Kreis besetzt werden. Gleichwohl werde sehr deutlich, „dass hier innovative Alternativlösungen zwingend erforderlich sind“, sagt Winter. Er setzt zudem auf das Improvisationstalent der Führungskräfte in den Feuerwehren.

 

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