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Schmiede der Altländer Seeleute

So sah die Navigationsschule zu Grünendeich im Jahr 1858 aus.   Foto: TAGEBLATT-Archiv

So sah die Navigationsschule zu Grünendeich im Jahr 1858 aus. Foto: TAGEBLATT-Archiv

Wo sich heute Touristen über die Maritime Landschaft Unterelbe informieren, drückten bis 2002 angehende Nautiker die Schulbank: Dabei begann die Erfolgsgeschichte der Seefahrtsschule Grünendeich in Cranz.

Samstag, 09.11.2019, 13:00 Uhr

Dort hatte der Steuermann Peter Porath im Jahr 1845 eine private Navigationsschule gegründet. Die Schifffahrt war – neben dem Obst- und Getreideanbau, der Ziegelproduktion und der Viehwirtschaft – ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Im Jahr 1845 gab es 474 kleinere und größere Schiffe im Alten Land, überwiegend für die Elbe und ihre Nebenflüsse und die Küstenschifffahrt. Doch es gab auch 20 große Seeschiffe. Am 19. Februar 1847 entstand die „Twielenflether Dampfschiffahrtsgesellschaft“, die später in der Hamburg-Stade-Altländer Linie aufging. Kurzum: Die Reeder benötigten fachkundiges nautisches Personal. Der Staat hatte sich ab 1845 für eine Verbesserung und eine Vereinheitlichung der Ausbildung stark gemacht – beispielsweise durch das Hannoversche Gesetz über die Steuermannsprüfung. Damit schlug die Stunde eines damals erst 31 Jahre alten Altländers. Obersteuermann Peter Porath – selbst Sohn eines Schiffers, der am Fährbetrieb zwischen Cranz und Blankenese beteiligt war – bot seine Kurse angehenden Seeleuten im Winter an. Unterrichtet wurde im Nebel der Shagpfeifen. Weil Porath mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß stand, unterstützte ihn der Estebrügger Pastor.

Porath hatte eine höchst interessante Biografie vorzuweisen: Denn der Cranzer hatte die schwere Sturmflut von 1825 auf dem Dach seines Elternhauses überlebt und war auf einem Kuff-Schiff zwischen Amsterdam und Ostindien gefahren.

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Die Schule platzte aus allen Nähten, 1850 wurde sie nach Grünendeich verlegt. 1856 wurde Grünendeich aufgrund des hohen Niveaus in den Kreis der Königlichen Navigationsschulen aufgenommen. Im Jahr 1858 konnte der Neubau – heute Altbau der Maritimen Landschaft Unterelbe (MLU) – bezogen werden. Eine Kommission in Stade nahm die Prüfungen ab. Wer Leistung zeugte, bekam ein Steuermannzeugnis für alle Weltmeere. Vor dem I. Weltkrieg ging die Zahl der Schüler stark zurück, vor allem durch die Konkurrenz der 1879 gegründeten Navigationsschule in Geestemünde, und die Altländer zog es auch nach Hamburg, Altona oder Elsfleth. Denn nur dort gab es das Patent für die große Fahrt. Im Alten Land lag der Schwerpunkt auf Küsten- und Seefischerei. Ab 1914 wurde der Unterricht auf die Wintermonate beschränkt. 1919 ging das Licht aus. Doch die Grünendeicher wollten sich mit dem Untergang ihrer Schule nicht abfinden, im Jahr 1925 konnte sie – aufgrund eines Antrages der Gemeinde Grünendeich und des Kreises Jork – wiedereröffnet werden. In Winterlehrgängen wurden Seeleute auf die Prüfung als Seeschiffer oder Steuermann auf kleiner Fahrt vorbereitet. 1931 wurde aus der Navigationsvorschule wieder eine Seefahrtschule, die dem Direktor der Seefahrtschule Altona unterstellt war. Die Trägerschaft übernahm 1931 der Landkreis Jork, nach der Verwaltungsreform von 1932 der Landkreis Stade, heißt es in den Akten des Niedersächsischen Landesarchivs in Stade.

Nach dem Zweiten Weltkrieg machten die Briten die Schule dicht. Erst im Herbst 1949 konnte der Unterricht wieder starten. Der Landkreis kaufte die Immobilie zurück, im Jahr 1958 wurde die Schule erweitert, ein Planetarium und eine Brücke entstanden. Ab 1964 konnte die Schule sogar wieder Prüfungen abnehmen. 140 Schüler gab es noch 1974. Übrigens: Auch die heute in Stade liegende „Greundiek“ gehörte zeitweise zur Seefahrtschule. 1986 hatte der Kreis Stade das Schiff für die Ausbildung der Schiffsmechaniker erworben, sie lag oberhalb des Lühe-Sperrwerks.

Aufgrund mangelnder Auslastung musste die Schmiede der Altländer Seeleute jedoch am 28. Februar 2002 geschlossen werden. Bereits am 31. Januar des Jahres hatten die letzten drei nautischen Wachoffiziere ihre Patente erhalten. 2004 zog die Maritime Landschaft Unterelbe ein, später auch die Tourist-Info. Die Kapitänsbrücke und Planetarium, sogar Heiraten ist möglich, sind weiter für Besucher geöffnet, auch eine maritime Dauerausstellung gibt es. Motto: Meer erleben an der Elbe.

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