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Eigener Gin

Schnapsidee: Die Köpfe hinter Knut Hansen

Markantes Gesicht, prägnanter Name und eine auffällige Flasche: Das ist das äußerliche Erscheinungsbild des neuen Knut-Hansen-Gins , der seit wenigen Wochen auf dem Markt ist. Fotos 4anchors GbR

Markantes Gesicht, prägnanter Name und eine auffällige Flasche: Das ist das äußerliche Erscheinungsbild des neuen Knut-Hansen-Gins , der seit wenigen Wochen auf dem Markt ist. Fotos 4anchors GbR

Seit Jahren ist Gin der ultimative Trend in Kneipen und heimischen Bars, der Markt ist umkämpft. Trotzdem haben Kaspar Hagedorn und Martin Spieker ihren eigenen Gin auf den Markt gebracht. Er heißt Knut Hansen – und es gibt ihn auch im Landkreis Stade, der Heimat von Hagedorn.

Von Birger Hamann Samstag, 16.09.2017, 18:00 Uhr

Es war einer dieser Abende, an denen sich das Leben leicht anfühlte. Kaspar Hagedorn und Martin Spieker saßen in einer Kneipe im Hamburger Schanzenviertel und tranken einen Gin mit Tonic. Sie philosophierten darüber, dass es cool wäre, seinen eigenen Gin herzustellen. Es war eines dieser Gespräche, in denen man rumspinnt, über seine Träume sinniert. Wenn die Idee im Laufe des Abends immer größer wird, am nächsten Morgen aber nur noch der Kater groß ist. Eine Schnapsidee.

„Das Problem war, dass wir die Idee am nächsten Morgen immer noch super fanden. Und am Tag danach auch“, sagt Spieker, 31, der aus Friesoythe im Nordwesten Niedersachsens stammt und bei Beiersdorf in Hamburg arbeitet. So wie Hagedorn, 33, der aus dem zur Samtgemeinde Harsefeld gehörenden Ohrensen kommt. Die beiden beschlossen: Wir machen unseren eigenen Gin.

„There’s an old man sitting next to me, makin‘ love to his tonic and gin.“

Das singt Billy Joel in seinem legendären Song „Piano Man“, veröffentlicht 1973. Damals ging die große Zeit des Gin gerade zu Ende, Wodka lief dem Wachholderschnaps den Rang ab, später waren Rum und Whisky in Mode. Gin ist erst seit knapp zehn Jahren wieder angesagt – und wie. In trendigen Hamburger Kneipen steht keine Spirituose so oft im Regal wie Gin. Große, sehr gut sortierte Getränkemärkte haben Dutzende Gins im Angebot. Der Markt wirkt, von außen betrachtet, gesättigt. Braucht es da wirklich noch einen Gin?

„Das werden wir häufig gefragt“, sagt Spieker. „Aber wir waren und sind von der Idee überzeugt. Wir glauben nämlich nicht, dass Gin bald wieder out ist, dafür sind die Produkte geschmacklich zu verschieden, die Bandbreite ist groß.“

Die bundesweiten Zahlen stützen Spiekers These. In den beiden vergangenen Jahren legte keine Spirituose beim Umsatz so zu wie Gin. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) betrug 2016 die Umsatzsteigerung bei Gin im Lebensmittel-Einzelhandel 27,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, mehr als bei jeder anderen Spirituose. Schon im Vergleich 2015 mit 2014 war Gin unangefochtener Spitzenreiter mit damals 26,8 Prozent Umsatzsteigerung.

Auch beflügelt vom Gin-Hype ließen sich Spieker und Hagedorn nicht von ihrer Idee abbringen – und gingen erst einmal in einen Buchladen. „Wir hatten keine Ahnung und haben einfach mal angefangen“, sagt Hagedorn. Er und Spieker vertieften sich in Bücher und saugten alles auf, was sie über die Herstellung von Gin fanden. „Wir wollten den gesamten Prozess begreifen“, sagt Spieker. Also lasen er und Hagedorn sich das Wissen über die Herstellung von Gin an. In Flensburg fanden sie einen Destillateur. Vor allem mussten sie sich aber überlegen, was ihren Gin von anderen unterscheiden soll. Wacholder ist obligatorisch, Koriander wird bei der Herstellung ebenfalls fast immer genommen. Es sind die übrigen pflanzlichen Zutaten, sogenannte Botanicals, die jedem Gin seine individuelle Note geben.

Der Liste möglicher Botanicals ist lang, es gibt mehr als einhundert, wobei für eine Sorte Gin in der Regel nur einige wenige genommen werden. Eine Ausnahme ist der bekannte Gin Monkey 47 aus dem Schwarzwald. 47 steht für die Zahl der Botanicals, daher schmeckt der mehrfach ausgezeichnete Monkey auch wie eine wilde Gewürzmischung.

Der Gin von Hagedorn und Spieker sollte weniger experimentell sein. Insgesamt zwölf Botanicals, die alle aus der Region stammen, enthält Knut Hansen, darunter das Aroma von Äpfeln, Gurken, Basilikum und Rosmarin. Die genaue Zusammenstellung ist – wie bei jedem Gin – streng geheim und nur dem jeweiligen Hersteller bekannt.

„Die ersten Varianten, die wir gemischt und probiert haben, waren ein ganz schöner Kräutergarten“, umschreibt Hagedorn die zunächst nicht wirklich genießbaren Mixturen. Freunde von ihm und Spieker waren Stammgäste in den Wohnungen bei beiden, mussten probieren und Feedback geben. Ein bisschen weniger Gurke, ein wenig mehr Rosmarin – mit jedem Durchlauf kamen sie ihrem Knut-Hansen-Gin näher.

Aber wer war eigentlich Knut Hansen? „Eine fiktive Person. Wir haben etliche Wochen für die Namensfindung gebraucht“, sagt Hagedorn. Ein Bekannter hatte ihnen zunächst das markante Gesicht gezeichnet, das die Flasche ziert und an einen Seeräuber erinnert. Das Maritime ist zentraler Bestandteil des Marketings, daher sollte der Gin auch einen nordischen Namen haben. Irgendwann kam der Vorschlag Knut Hansen auf. „Da wussten wir: Das ist es“, erinnert sich Spieker.

Fehlte noch die Flasche – und diejenige aus Ton, die es geworden ist, erinnert an den in Hamburg destillierten Gin Sul. „Es ist der gleiche Flaschenhersteller“, sagt Hagedorn ohne Umschweife. „Die meisten Gin-Flaschen sind aus Glas. Aber darauf wirkt das Gesicht von Knut Hansen nicht.“ Also entschieden sich Hagedorn und Spieker für eine Tonflasche, wobei die Knut-Hansen-Flasche einen Tick dunkler ist als die des Gin Sul.

800 dieser Knut-Hansen-Flaschen haben vor wenigen Wochen abgefüllt die Flensburger Destillerie verlassen. Ein Jahr und knapp 30 Durchläufe waren nötig, bis der Gin so schmeckte, wie es sich Hagedorn und Spieker gewünscht hatten. Einen fünfstelligen Betrag haben die beiden bislang investiert, eine genaue Zahl möchten sie nicht nennen, aber: „Dafür gibt es einen guten Kleinwagen“, sagt Spieker, der mit dem Ergebnis sehr zufrieden ist – und auch mit der Resonanz: „Wir sind fast schon ausverkauft.“ Viele Freunde hätten eine Flasche geordert, aber es gab auch Onlinebestellungen aus Griechenland, Spanien und England. Die „Deluxxe Bar“ und das Restaurant „Knechthausen“, beide in Stade, haben ebenso Flaschen abgenommen wie „Gelis Boutique“ in Harsefeld.

Die Bestellungen entgegennehmen, Ware packen und verschicken: All das haben Hagedorn und Spieker in den vergangenen Wochen in Eigenarbeit gemacht. Jetzt haben sie sich einen Logistiker aus Buxtehude dazu geholt, um sich auf den Verkauf konzentrieren zu können. „Wir müssen jetzt in die Bars und Restaurants und die Leute dort von unserem Gin überzeugen“, sagt Spieker. Das kostet Geduld und vor allem Zeit, wofür die Jung-Unternehmer ihre Freizeit opfern müssen, denn bislang ist die Gin-Produktion nur ein Hobby.

Könnten sie sich vorstellen, eines Tages hauptberuflich Gin zu produzieren und zu verkaufen? Hagedorn grinst. „Wir würden uns jedenfalls nicht dagegen wehren.“

Die Ursprünge des Gin liegen in den heutigen Benelux-Ländern, wo man seit dem 13. Jahrhundert Genever, auch Jenever geschrieben, als Mittel gegen Krämpfe und Magenschmerzen schätzte. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) lernten die Engländer den Genever kennen, tauften ihn in Ginniver um, verkürzten den Namen zu Gin und brachten das Getränk mit ins Königreich. Gin wurde zum Nationalgetränk der Engländer und hatte seine Hochzeit in den 1920er Jahren und nach dem Zweiten Weltkrieg. Ab den 1970er Jahren wurde Wodka modern, Gin galt als Auslaufmodell. Erst im 21. Jahrhundert erlebte Gin sein Comeback und gilt heute weltweit als das In-Getränk schlechthin.

Dass Gin meist mit Tonic getrunken wird, hat die Menschheit auch den Engländern zu verdanken. Um der Malaria vorzubeugen, sollten Mitglieder der britischen Ostindien-Kompanie Anfang des 19. Jahrhunderts Chinin, was auch die Grundlage von Tonic Water ist, einnehmen. Um die tägliche Dosis genießbarer zu machen, fügten sie Wasser, Zucker und Limetten hinzu. Später kam dann auch ein Schuss Gin hinzu – fertig war der Gin Tonic.

Quelle: Gin & Tonic – Das ultimative Handbuch für den perfekten Mix.

Eiswürfel in ein Glas, Gin hinein und mit Tonic Water auffüllen: Das ist der Klassiker. Aber Gin eignet sich auch für diverse Cocktails – drei (einfache) Beispiele.

Gin Fizz

Zutaten

  • 5cl Gin (Empfehlung: Gin Mare)
  • 3cl Zitronensaft,
  • 2cl Zuckersirup
  • Soda,
  • Eiswürfel

Zubereitung

Gin, Zitronensaft und Zuckersirup und ein paar Eiswürfel zusammen in den Shaker geben und sehr gut schütteln. Danach in ein Longdrinkglas mit Eiswürfeln abseihen und mit Soda auffüllen. Als Garnitur bietet sich eine Zitronenscheibe an.

Gin Basil Smash

Zutaten

  • 6cl Gin (Empfehlung: Bombay Sapphire East)
  • 10–15 Blätter Basilikum
  • 2cl Zitronensaft,
  • 2cl Zuckersirup
  • Eiswürfel

Zubereitung

Basilikum und Zuckersirup in den Shaker geben und mit dem Stößel muddeln. Zitronensaft, Gin und Eiswürfel dazugeben und kräftig shaken, durch ein Sieb in einen Tumbler mit  Eiswürfeln abseihen. Mit Basilikum dekorieren und Strohhalm servieren.

Gin Gin Mule

Zutaten

  • 4,5cl Gin (Empfehlung: The London No. 1 Gin)
  • 6–8 Blätter
  • Minze
  • 2,5cl Limettensaft
  • 3cl Zuckersirup
  • 3cl Ginger
  • Eiswürfel

Zubereitung

Minze, Limettensaft und Zuckersirup in einen Shaker geben und muddeln. Eis und Gin hinzugeben und kräftig shaken. In ein Highball-Glas abseihen und mit Ginger Beer auffüllen. Mit einem Zweig Minze dekorieren.

Quelle mit weiteren guten Rezepten: www.ginspiration.de

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