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Oldtimer-Serie

Schrauber mit Benzin im Blut

Hier ist der Kfz-Meister in seinem Element: Christian Märtens bringt Oldtimer wieder zum Laufen. Foto Felsch

Hier ist der Kfz-Meister in seinem Element: Christian Märtens bringt Oldtimer wieder zum Laufen. Foto Felsch

Ein kräftiger Zug und der Motor des Minimo 30 (Abkürzung für Minimofa) schnurrt erst wie ein Kätzchen, bevor er losrattert und Erinnerungen an die 60er Jahre weckt. In der Werkstatt von Christian Märtens in Goldbeck warten noch weitere Oldtimer darauf, wieder in Gang gebracht zu werden.

Von Franziska Felsch Freitag, 17.08.2018, 09:00 Uhr

„Und dem Besitzer dann ein glückliches Lächeln aufs Gesicht zaubert“, ist sich der Kfz-Techniker-Meister sicher, der sich vor allem mit der Restauration von Oldie-Fahrzeugen weit über die Landesgrenze hinaus einen Namen gemacht hat. Märtens führt stolz eine Eigenschaft vor, die es bei modernen Autos so nicht gibt: Der mausgraue Volvo mit den roten Ledersitzen und den Klappfenstern besitzt Rollos im Motorraum, die der Fahrer öffnen und eben schließen kann, damit es im Wageninneren wärmer wird. Wenn der selbstständige Kfz-Meister den Zündschlüssel im Schloss dreht, klingt das wie Musik in seinen Ohren. Dann weiß er, dass er es wieder einmal geschafft hat, mit wenig Aufwand und überschaubaren Kosten, den vierrädrigen Liebling eines Kunden wieder zum Laufen zu bringen. Das sei mit der modernen Technik gar nicht mehr möglich. Weil statt mit Gefühl der Computer die Aufgabe übernehme, um Fehler zu finden. Die jungen Kfz-Auszubildenden lernten heutzutage elektroniklastig. Dabei helfe oft der gesunde Menschenverstand und das aufmerksame Reinhören und Hinsehen schon weiter, meint der leidenschaftliche Schrauber, den ein treuer Kunde, Michael Arnold; sogar in seinem Sachbuch über Oldtimer ein Kapitel gewidmet hat. Als Dank dafür, dass Christian Märtens seine alte Moto Guzzi mit einem neuen Lenker ausgestattet hatte. Die Faszination für Oldies stecke ihm im Blut, deshalb scheue er keine Mühe, sich etwas einfallen zu lassen, um die alten Autos und Mopeds wieder flott zu machen. Obwohl er natürlich auch neue Modelle reparieren kann, hängt sein Herz an den alten Blechkisten.

„Ich bin mit solchen Schätzchen groß geworden“, sagt der 52-Jährige über die Leidenschaft zu seinem Beruf und weist auf eine Zündapp Norma Luxes in der Ecke hin, ein ehemaliges „Hochzeitsfahrzeug“, das der Kunde als Erinnerung an den schönsten Tag in seinem Leben wieder fahren möchte. Als Azubi in Buchholz habe er auch so eine Zündapp besessen, denn die Verrücktheit nach allem, was nach Benzin riecht, entwickelte er schon recht früh, erzählt der Goldbecker.

Viele der Fahrzeuge in seiner kleinen Werkstatt an der Kreuzung nach Beckdorf sind ungefähr so alt wie er selbst. Einige älter. Eine Hercules steht da, neben einem Garelli-Mofa aus Italien und einer Vespa, die dringend innen und außen einer Auffrischung bedarf. Manchmal kommen Leute von weit her, weil sie nach entsprechenden Ersatzteilen für ihre Nostalgiefahrzeuge suchen, die heute nicht mehr hergestellt werden. Christian Märtens stöbert auch gern auf Flohmärkten und findet in dem, was andere als Schrott bezeichnen, noch das eine oder andere verwertbare Teil. Das bewahrt er dann fein säuberlich in ordentlich beschrifteten Kisten auf, die sich in einem Nebenraum in Regalen stapeln. Hier, wo auch eventuelles Spezialwerkzeug lagert, die er für die Oldtimer braucht. Denn nicht immer reicht eine Taschenlampe, um mal eben den Tank auszuleuchten oder eine einfache Schraube für die kaputte Mercedes-Haube.

Porträts über Oldtimer und ihre Besitzer aus dem gesamten Erscheinungsgebiet des TAGEBLATT sowie weitere Themen wie Handel und Dienstleistungen rund um alte Autos griff die TAGEBLATT-Serie auf. Heute im letzten Teil: Christian Märtens aus Goldbeck macht Oldtimer wieder flott.

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