Schulen in Stade – die Stadt ist gefordert
In der Hauptschule Thuner Straße musste Leiterin Christiane Prüfer einen Werkraum neu bestuhlen lassen, damit hier regulärer Unterricht stattfinden kann. Sie hofft, dass auf dem Pausenhof zwei Container aufgestellt werden, um die Raumnot de
Die weiterführenden Schulen in der Stadt Stade platzen aus allen Nähten. Die politische Diskussion darüber ist programmiert. Immer mehr Schüler drängen auf die Hauptschule Thuner Straße und die Realschule Camper Höhe – mit Folgen für den Betrieb.
Die Stadt muss sich was einfallen lassen, wie auch die aktuellen Beschwerden an der Thuner Straße zeigen. An der Hauptschule ist Improvisation gefragt
Leiterin Christiane Prüfer hat zu wenig Räume für ihre 16 Klassen. Die Schule wächst, aber im Stammhaus und den Anbauten ist die Kapazitätsgrenze erreicht. Eltern und Lehrer drängen auf schnelle Abhilfe, zum Beispiel durch Container auf dem Pausenhof.
Die TAGEBLATT-Berichterstattung über den Stillstand auf der Dauerbaustelle an der Realschule Camper Höhe ruft auch das Team der Hauptschule Thuner Straße auf den Plan. Seit einem Jahr kämpft Direktorin Christiane Prüfer um eine Lösung für die Raumknappheit. Die Stadtverwaltung habe Container in Aussicht gestellt, die auf einer Wiese hinter dem Gebäude installiert werden sollten. Doch geschehen ist nichts. Dabei steige die Zahl der Schüler unaufhörlich. Viele Zuwandererfamilien, vor allem EU-Bürger aus Polen, Rumänien und Bulgarien, aber auch Flüchtlinge, drängen in die Bildungsstätte. „Wir können niemanden wegschicken“, sagt die Schulleiterin.
2005 bis 2008 ließ die Stadt den Gebäudekomplex erweitern. Inzwischen ist die Not größer geworden. Weil mindestens zwei Unterrichtsräume fehlen, ließ Prüfer den 10. Jahrgang nach dem Rotationsprinzip durch das Haus wandern. Die Jugendlichen hatten kein festes Klassenzimmer. Deshalb ließ sie provisorisch einen Werkraum und die Mediothek umbauen: Technik raus – Tische, Stühle und Tafeln rein.
Dort, wo bis vor Kurzem noch getöpfert wurde und die Schüler in Literatur und Internet für ihre Referate recherchieren konnten, geht es nun um Grammatik und Bruchrechnung. Das schränkt wiederum die Möglichkeiten für den Fachunterricht ein. Der Ofen, in dem Tonskulpturen gebrannt werden können, darf zurzeit nicht benutzt werden. Der Nebenraum ist mit den Werkbänken zugestellt. Das ruft Eltern auf die Barrikaden.
„Wie stellen Sie sicher, dass unsere Kinder Ihren Abschluss schaffen?“, werde Prüfer immer wieder gefragt. „Ich kann die Sorgen verstehen“, sagt sie. Aber ihr seien die Hände gebunden, über bauliche Veränderungen entscheide die Stadt als Schulträger.
Elternsprecher Jörg Ehlers will sich damit nicht abfinden. „Die Container sind uns zugesagt worden“, betont er. Ehlers fühlt sich vom Schulamt hingehalten und wirft den Verantwortlichen vor, das Problem aussitzen zu wollen. Er hofft auf eine schnelle Lösung und und hat einen Runden Tisch mit Vertretern von Schulleitungen, Elternschaft und Verwaltung initiiert. Im Oktober ist ein Treffen geplant. Es gibt offenbar weitere Probleme: An der Hauptschule Thuner Straße werden Jugendliche mit körperlichen Behinderungen unterrichtet, sagt Direktorin Prüfer: „Wir sind eine Schwerpunktschule im Bereich Inklusion.“ Weite Teile des Gebäudes seien aber nicht behindertengerecht. Weil die Kapazität der Turnhalle nicht ausreicht, werden die Schüler mit Bussen zu anderen Sporthallen im Stadtgebiet gefahren. Ein teures und aufwendiges Unterfangen.
Der für Schulen zuständige Erste Stadtrat Dirk Kraska kann auf Nachfrage noch nicht konkret antworten. Das Problem sei „nur im städteweiten Gesamtzusammenhang“ zu lösen. Das hat auch die Politik erkannt. Die Standorte in der Stadt stehen wegen der stark gestiegenen Schülerzahlen im Bereich der 5. bis 10. Klassen auf dem Prüfstand. Ein kompletter Neubau – zum Beispiel in Riensförde – könnte die bestehenden Schulen entlasten. Das muss aber der Rat beschließen, die sich Anfang November zusammensetzt und mit seinen unklaren Mehrheitsverhältnissen erst noch finden muss.
Spannend wird dann nicht nur die Diskussion um die Finanzen sein, sondern auch um die angestrebte Schulform. Während die Grünen zum Beispiel auf eine weitere Integrierte Gesamtschule setzen, zieht die CDU eher eine Oberschule vor.
Die klassischen Schulformen sind zurzeit sehr beliebt bei Eltern. Diese Erfahrung macht nicht nur Stade, sondern auch Buxtehude. So schicken offenbar immer mehr Eltern aus den Umlandgemeinden ihre Kinder auf diese Schulen. Die Stadt Stade wird viel Geld in die Hand nehmen müssen, um dieser Entwicklung gerecht zu werden.