Schulleiterin der KGS sagt tschüss
Verabschiedet sich von ihrer Elbmarschen-Schule und geht in den Ruhestand: Doris Löhrer-Vogt. Foto von Allwörden
Den Schreibtisch aufräumen, alles ordnungsgemäß dem Nachfolger hinterlassen und bis zum letzten Tag vollen Einsatz zeigen. So beschreibt Doris Löhrer-Vogt ihre letzten Arbeitstage als Chefin der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Drochtersen.
Die Schulleiterin geht zu den Sommerferien in den Ruhestand. Sie habe ihre Arbeit immer gern gemacht, sagt die Gesamtschulleiterin, freue sich gleichwohl auf die neue Zeit. Und das ohne Wehmut, stattdessen mit dem Gefühl, einiges in den vergangenen Jahren, in denen sie als Schulleiterin gewirkt hat, auf den Weg gebracht zu haben. Nach dem Highlight in diesen acht Jahren gefragt, zögert sie keinen Moment: „Als wir 2014 zum ersten Mal die Abiturprüfung abnehmen konnten an der KGS.“ Seitdem sie von ihrem Vorgänger Adolf Meyer 2008 die Schulleitung übernommen hatte, kämpfte Löhrer-Vogt für die gymnasiale Oberstufe. Zuvor gab es den gymnasialen Zweig an der einzigen KGS im Landkreis Stade nämlich nur bis zur zehnten Klasse. Danach mussten die Gymnasialschüler nach Stade zum VLG wechseln.
Die Gesamtschulleiterin erinnert sich noch gut an die gemeinsame Fahrt mit dem damaligen Drochterser Bürgermeister Hans-Wilhelm Bösch zur Lüneburger Schulaufsicht: „Herr Bösch hatte sich so massiv für die Einführung der Oberstufe stark gemacht, dass die Lüneburg ganz baff waren. So etwas hatten sie offenbar noch nicht erlebt.“ 2012 kam dann die Zusage, 2014 konnte der erste Abi-Ball in Drochtersen gefeiert werden. Mittlerweile zeichne sich ab, dass die Oberstufe bald dreizügig sein werde, sagt Löhrer-Vogt. Viele Gymnasiasten kommen auch aus Bützfleth und aus Nordkehdingen. Weil die KGS eine sogenannte Angebotsschule ist, haben Eltern und Schüler die Wahlfreiheit.
Allerdings platze die Schule bald aus allen Nähten. Spätestens, wenn die Oberstufe wieder bis zur 13. Klasse gehe (G 9) im Jahr 2018, müsse in Drochtersen angebaut werden. Momentan behelfe sich die Schule mit den Containern, die am Ende auch nur eine Übergangslösung seien. Aber diese Baustelle überlasse sie gerne ihrem Nachfolger, der noch nicht offiziell ernannt wurde.
Löhrer-Vogt hat in ihrer aktiven Zeit bereits einen großen Umbau begleitet. Der neue Anbau der Schule, der 2009 fertiggestellt wurde, bietet Platz für zusätzliche Klassenräume und neue Fachräume. Vor allem naturwissenschaftliche Fachräume brauchte die Elbmarschen-Schule damals dringend – und eine Mensa, die nach Einführung der Ganztagsschule ebenfalls geschaffen werden musste. „Die Gemeinde als Schulträger hat uns immer großzügig begleitet und kräftig investiert“, bedankt sich die Schulleiterin ausdrücklich.
Gerne war die Elbmarschen-Schule auch bei anderen Projekten und pädagogischen Neuerungen als eine der ersten Schulen im Landkreis dabei. Das gilt zum Beispiel für die erst kürzlich eingeführten Sprachlernklassen, um Kindern aus Flüchtlingsfamilien eine besondere sprachliche Förderung und damit bessere Chancen auf Integration zu ermöglichen. 32 Flüchtlingskinder werden an der KGS auf diese besondere Weise beschult. Diese Kinder müssten die gleichen Chancen auf Bildung und Schulabschlüsse bekommen wie andere auch, sagt die Pädagogin: „Denn unter diesen Kindern sind nicht nur Hauptschüler, sondern auch solche mit Gymnasialniveau.“ Auch hier bleibe für den neuen KGS-Leiter noch viel zu tun.
Ein Thema, mit dem sie sich nun nicht mehr herumärgern müsse, ist die Inklusion, also die Beschulung von lerneingeschränkten Kindern an der Regelschule statt an den Förderschulen, die nach und nach geschlossen werden. Nicht der pädagogische Ansatz ärgert sie, sondern die mangelnde personelle Ausstattung, diese Kinder zu betreuen. Rund 120 solcher Kinder würden bereits an der KGS unterrichtet und jedes Jahr kämen welche dazu. Schon heute müssten dafür fünf Planstellen für Förderschullehrer geschaffen werden. Aber diese Lehrer werden zurzeit nur abgeordnet und nicht fest der KGS, die insgesamt mehr als 1000 Schüler hat, zugeordnet. „Ein Zustand, der sich unbedingt ändern muss“, findet die scheidende Schulleiterin.
Doris Löhrer-Vogt, die gemeinsam mit ihrem Mann ein paar Jahre vor der Pensionsgrenze – sie wird im September 62 Jahre alt – in den Ruhestand geht, freut sich auf die vielen Reisen, die sie noch unternehmen will und auf die vielen ungelesenen Bücher. Und sie merkt auch, dass es an der Zeit sei zu gehen: „Ich habe etwa zwei Drittel der Kollegen in den vergangenen Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Und unsere Lehrer werden immer jünger.“
Doris Löhrer-Vogt wird in einem Festakt einen Tag vor Ferienbeginn am 22. Juni in den Ruhestand verabschiedet. Dann wird wohl auch offiziell feststehen, wer ihr Nachfolger wird.