Serie Gutshöfe: Ein englischer Garten auf der Geest
Im Teich spiegelt sich das Anwesen und im Garten spiegelt sich das Konzept der englischen Landschaftsarchitektur.
Herrschaftlich thront das Gutshaus über dem Teich, zu dem sich eine sanft abfallende Rasenfläche erstreckt. Eingerahmt wird das Panorama von dicht wachsenden, hohen Laubbäumen. Auf dem Gut Schwinge wohnen heute Benedix von der Decken und Gerda Johannsen. Seit 1736 ist das Gut im Besitz der Familie von der Decken, seiner langen Geschichte – und leichten Stilveränderungen – hat es den heute noch gut erhaltenen Landschaftspark mit Elementen der englischen Gartenkunst zu verdanken.
100 Hektar Wald sowie weitere 100 Hektar verpachtete Wiesen und Ackerland umfasst das Gut insgesamt. Benedix von der Decken (61) lebt seit 1999 auf Gut Schwinge, zusammen mit Lebensgefährtin Gerda Johannsen (60). „Sie kümmert sich um Hof und Haus“ , bemerkt Benedix von der Decken mit einem Lachen. „Sie hängt an Haus und Garten noch mehr als ich.“
Bis der prachtvolle Garten entstand, gab es auf dem Gut einige Veränderungen. Als erster Besitzer von Gut Schwinge wird 1652 Freiherr Alexander von Erskin, schwedischer Kriegs- und Etatspräsident, erwähnt. Ein Rittersitz soll vorher dort gewesen sein; der Burgplatz, umgeben von einem künstlich angelegten Graben, befindet sich noch heute im Gutspark. Über die Zeit vor 1650 ist wenig bekannt, allerdings sei davon auszugehen, dass die Familie von Schwinge bereits im Mittelalter Ländereien auf dem Gelände des Guts besaß. Von Erskins Nachfahren haben das Gut 1736 für 10 666 Reichstaler an den Kapitän Heinrich von der Decken verkauft. Im 18. Jahrhundert wurden am Gebäude nur notwendige Reparaturen durchgeführt, keinerlei Veränderungen, daher war es selbst im frühen 19. Jahrhundert noch barock gestaltet.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand dann das jetzige Herrenhaus, ein zweieinhalbgeschossiger Ziegelbau im klassizistischen Stil. Damals sollte das Gut zu einem zeitgemäßen Wohnsitz werden und es kam zum Neubau. Vermutlich verschwand in dieser Zeit auch der barocke Garten, um Platz zu machen für den heute noch erhaltenen Landschaftspark. Der Garten enthält Elemente der englischen Gartenkunst der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Durch Erbschaft ging das Gut an Thassilo von der Decken, Oberkreisdirektor von 1956 bis 1976 und Ritterschaftspräsident von 1962 bis 1989. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Benedix von der Decken 1995 das Gut, mit dem er in die Ritterschaft aufgenommen wurde. „Damals musste alles saniert werden, vom Dach bis zum Keller“, so von der Decken.
In seiner Familie waren alle entweder Juristen oder Landwirte, Benedix jedoch schlug eine andere Laufbahn ein: „Durch einen Zufall habe ich glücklicherweise den Beruf des Außenhandelskaufmanns gelernt.“ Nach der Lehre in Hamburg ging er beruflich für sieben Jahre nach Dubai. Später machte er sich selbstständig mit der Firma Export Partner, die kleinen und mittleren Industrieunternehmen als Exportabteilung zur Verfügung steht. Anfangs in Hamburg, leitet er das Unternehmen ab 2007 von Schwinge aus.
„Das Besondere ist, das man in den Sommermonaten die herrliche Ruhe genießen kann“, sagt er. „Man braucht nicht zu verreisen, hier blüht immer etwas“, fügt Gerda Johannsen hinzu. Als Immobilienmaklerin hat sie eigentlich einen Vollzeitjob, kümmert sich dennoch mit Leidenschaft um den Garten.
Das Konzept des englischen Landschaftsgartens bestand darin, die bis dahin vorhandene mathematische Genauigkeit von exakt angelegten Beeten und beschnittenen Hecken zu verlassen und sich bei der Gestaltung eines Gartens mehr danach zu richten, was die Natur an Ausblicken zu bieten hat. Im Englischen Garten sollte sich eine möglichst natürliche Landschaft widerspiegeln.
Relikte aus vergangenen Zeiten säumen die Zufahrt zum Gut.
Gerda Johannsen und Benedix von der Decken vor dem Gutshaus.