TSie alle wollen das Hotel am Deich in Twielenfleth
Einige der mittlerweile mehr als 200 Mitglieder der Facebook-Gruppe „Pro Hotel“ werben auf dem Deich in Twielenfleth für das Projekt. Auf der Obstbaufläche im Hintergrund soll das 3,5-Sterne-Haus mit Upstalsboom als Betreiber realisiert wer
Rückendeckung für den Rat der Gemeinde Hollern-Twielenfleth und Bürgermeister Timo Gerke: Im Alten Land hat sich eine Pro-Hotelgruppe gebildet. Unter ihnen sind auch unmittelbare Nachbarn.
Mitinitiatorin Juli Cirkel ist überzeugt: „Das Projekt ist ein Gewinn für das Alte Land.“ Die Pro-Hotel-Facebook-Gruppe hat bereits 206 Mitglieder, die Kritiker haben aktuell 38 (Stand: Montagnachmittag). Ihnen sei es wichtig, dass sich die Fronten nicht weiter verhärten. Außerdem wollen sie deutlich machen, dass die Hollern-Twielenflether Bürger „nicht mehrheitlich gegen das Projekt sind“, unterstreicht der Tischlermeister Ricardo Schmorl. Vielmehr würden sie dem Millionen-Projekt offen gegenüber stehen.
„Dieses Hotel ist eine tolle Sache“, sagt Annika Rolf. Ihre Familie bewirtschaftet einen Obsthof im Dorf, Teile ihrer Obstplantage würden an das Hotelgelände grenzen. Der Obstbau werde von einem Hotel profitieren. Gäste würden bei ihren Ausflügen auch Altländer Obst und weitere Produkte wie Apfelsaft oder Konfitüren in den Hofläden kaufen. Des Weiteren plane der ausgeguckte Hotelbetreiber Upstalsboom eine Markthalle mit regionalen Produkten.
Obstbau werde profitieren
Außerdem könnten die Erzeuger die Touristen über den Anbau informieren. Dass die Betreiber ganz bewusst den Fokus auf „Urlaub im Obstgarten“ legen wollen, sollte der Berufsstand als Chance sehen – und auch als Signal. Sie alle teilen die Befürchtungen des Nachbarn nicht. Mit der Ausweisung als Sondergebiet Hotel drohten dem Obstbauern nebenan „keine Einschränkungen“. Trotz alledem sei Udo Krause von der Unternehmensgruppe Upstalsboom bereit, dem Nachbarn zusätzlich schriftlich zu versichern, dass die Hoteleigentümer der Betrieb auf dem Hof nicht störe. Den Gästen werde bewusst sein, dass Erwerbsobstbau rund um das Hotel betrieben werde.
Hotels fehlten im Alten Land. ObstArt, Windmüller und Cohrs, alle drei sind längst Geschichte. Die Pro-Gruppe verweist auf die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes, Dr. Monika Rulle. Sie unterstützt das 3,5-Sterne-Haus mit 80 Doppelzimmern – und Wellness. Und auch Heinz Ulrich Kraus vom Feriendorf Altes Land unterstützt den Plan von Bürgermeister und Rat. „Es wird den Tourismus im Alten Land insgesamt stärken, Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Es würden neue Gäste ins Alte Land geholt, neue Zielgruppen angesprochen. Anbieter von Ferienwohnungen in der Gruppe begrüßen, dass es am Deich in Twielenfleth keine Ferienwohnungen geben soll und darf – sichergestellt über den Bebauungsplan. Mehr Touristen, das werde auch helfen, den Betrieb des Twielenflether Freibads zu sichern, ist Dennis Trautmann überzeugt. Gastronomie – nicht jeder Gast werde im Urlaub ausschließlich in dem hoteleigenen Restaurant essen – und Einzelhandel würden profitieren.
Projekt stärkt Gemeinde insgesamt
Das gelte auch für die Einheimischen, denn ein Café mit Garten, eine Bar mit einer Erlebnisdestillerie und ein Wellnessbereich mit mehreren Saunen und Naturbadeteich sind geplant. Mit dem Fokus auf Wellness, Obstbau sowie Kultur und Natur könnten Gäste ganzjährig, auch in der Nebensaison, ins Alte Land kommen. „Ich würde das offene Hotel-Angebot mit Sicherheit nutzen“, sagt Schmorl. Das wäre fast wie ein Kurzlaub an einem Tag auf Krautsand – nur eben zu Hause.
Außerdem werde es sicherlich auch helfen, den Bestand des Bassenflether Strandes nach Abbrüchen bei Sturmfluten gegenüber dem Bund zu sichern, alle Beteiligten hätten ein größeres Interesse, den Abschnitt sauber und in Ordnung zu halten, so Brigitte König. Die Teilfläche Strand (Strandbar-Plan) ist aus dem B-Plan herausgenommen worden – auf Wunsch der Anwohner. Der durch Hotel-Gäste ausgelöste zusätzliche Verkehr am Deich mache ihm keine Sorgen, für die Verkehrsprobleme sorge allenfalls der Strand an zehn Tagen im Jahr, sagt Nachbar Johann König, der zwei Häuser weiter neben dem zukünftigen Hotel wohnen würde.
Die Pro-Gruppe würde es begrüßen, wenn Befürworter und Gegner wieder in einen sachlichen Dialog treten. Juli Cirkel: „Wir wollen keine Gräben aufreißen.“