Sie liefern Fakten zum Online-Handel in Buxtehude
Schülerinnen und Schüler der Halepaghen-Schule haben in Kooperation mit dem Wirtschaftsförderungsverein Buxtehude 255 Personen in der Innenstadt zum Thema „Online oder stationär: Wie ist das Einkaufsverhalten in Buxtehude?“ befragt. Ihre Er
Die Wirtschaft sagt: Danke! Eine Umfrage von Halepaghen-Schülern und Wirtschaftsförderungsverein liefert erstmals lokale Daten zum Online-Einkaufsverhalten.
Der Online-Handel wächst weiter, jeder achte Euro wird bereits im Internet ausgegeben. Pro Kauf geben die Konsumenten im Internet mehr als doppelt so viel Geld aus, wie bei einem stationären Einkauf. Laut Handelverband (HDE) steigen die Nicht-Lebensmittel-Käufe pro Jahr um mehr als zehn Prozent. Darauf muss sich der Einzelhandel auch in der Stadt Buxtehude einstellen.
255 Personen hatten die HPS-Schülerinnen und Schüler aus dem 11. Jahrgang im Rahmen des Kurses „Soziale Marktwirtschaft“ im Dezember 2016 befragt – und unter anderem Fragen wie „Was kaufen Sie online beziehungsweise stationär?“ gestellt. Am Dienstagabend präsentierten sie ihre Ergebnisse in der Mensa. Im Vorfeld hatten Stackmann und Industrie- und Handelskammer den Kurs mit Informationen zum Einzelhandel und Online-Handel versorgt.
Was kaufen die Befragten im Internet ein? Vor allem Reisen: 32,5 Prozent der 255 Befragten haben ihre Urlaubreise bereits einmal online gebucht. Danach folgt der Bereich Medien – wie Bücher oder CDs – mit einem Anteil von 30 Prozent, gefolgt von Kleidung (18,4 Prozent) und Technik (15,7 Prozent). Das wird die Gastronomie interessieren: Knapp 25 Prozent der Befragten bestellen ihre Pizza oder ihr Curry-Huhn bereits regelmäßig online bei einem Lieferservice.
Aus welchen Gründen kaufen die Kunden mehr im Internet ein? 37 Prozent shoppen aus Bequemlichkeit online, bei 34 Prozent war die „größere Auswahl“ ausschlaggebend, bei 29 Prozent der Preisvorteil. Und: Den Frauen ist die Auswahl wichtiger als den Männern. Bei den männlichen Kunden zählt nur eins: der Preis. Ausschlaggebend für den Kauf vor Ort sind vor allem die Beratung und die Produkte im Laden sehen und anfassen zu können. Außerdem hätten einige betont, dass sie die kleinen Geschäfte in der Stadt unterstützen wollten.
Wie oft kaufen sie in der Buxtehuder Innenstadt ein? 43 Prozent kaufen wöchentlich ein, zehn Prozent täglich. 30 Prozent der Kunden lassen die Kassen des örtlichen Einzelhandels nur einmal im Monat klingeln.
Wo informieren sich die Kunden über die Produkte? Laut Umfrage von Halepaghen-Schule (HPS) und Wirtschaftsförderungsverein gucken 60 Prozent der Kunden vorher ins Internet. 48 Prozent informieren sich direkt im Geschäft, der Rest bei Freunden und Bekannten.
Die Befragten durften auch ihre Kritik äußern: Die Jüngeren monierten, dass die Stadt nur für Ältere attraktiv sei. Es gebe zu wenig Auswahl an Technik und zu viele Bäcker und Friseure. Das Straßenpflaster sei zu rutschig, hieß es. Und die Parkgebühren seien zu hoch. Des Weiteren wünschen sich die Kunden offenbar längere und einheitlichere Öffnungszeiten, viele forderten im Gespräch mit den Schülern der HPS den Erhalt der kleinen inhabergeführten „individuellen Geschäfte“ und „mehr Auswahl und Vielfalt“.
Die Schüler ernteten ein Lob von Lars Oldach vom Wirtschaftsförderungsverein Buxtehude, Wirtschaftsförderin Kerstin Maack und Stadtmarketing-Manager Torsten Lange; auch Kaufhaus-Chef Dieter Stackmann und Einzelhändler wie Musikalienhändler Peter Schmidt schlossen sich ihnen an. Sie appellierten an die Stadt, eine Führungsrolle beim Thema „Herausforderung Online-Handel“ zu übernehmen und verwiesen auf Beispiele wie die „Online-City Wuppertal“ oder Münster. In den Zahlen stecke Brisanz. Sie könnten in der Wirtschaft einiges bewegen.
Ob es ein Online-Schaufenster oder gleich ein „virtueller Marktplatz“ mit allen Geschäften wie bei der „Online-City Wuppertal“, mit dem der stationäre Einzelhandel am wachsenden Online-Handel teilhaben könnte, sein muss, blieb offen. In Wuppertal gehört nicht nur ein gemeinsamer Online-Marktplatz dazu, sondern beispielsweise auch eine Servicestation als zentrale Versand- und Rückgabestelle über die üblichen Öffnungszeiten hinaus, tagesgleiche Lieferung über ein lokales Kuriernetzwerk (schneller als Amazon & Co.) und Schulungen, um das eigene stationäre Geschäft online mit ergänzenden Vertriebs- und Kommunikationskanälen (Multi-Channeling) auszubauen. Auch die Stadtwerke-App „buxtuell“ sollte verstärkt von allen genutzt werden, so Dieter Stackmann. So könnten Geschäfte ihren Kunden beim Vorbeilaufen Push-Meldungen mit Angeboten auf das Smartphone schicken.
Maack, Lange sowie WiföGeschäftsführerin Stefanie Feindt kündigten an, dass die Ergebnisse in die weitere Arbeit einfließen werden. Gestern Abend gründete sich der Arbeitskreis Einzelhandel im Stadtmarketing. Ein Arbeitsschwerpunkt werde sicher der E-Commerce sein, so Lange.
Im Bereich Fashion und Lifestyle komme der Online-Handel laut einer Studie von Handelverband und GfK bereits auf einen Anteil von 17 Prozent, bei Elektronik und Technik sind es laut HDE bereits 32 Prozent und bei den Lebensmitteln bislang nur 0,8 Prozent. Während an der Ladenkasse pro Einkaufsakt 58,72 Euro ausgegeben werden, sind es online mit 134,18 Euro fast doppelt soviel. Die Crosschannel-Käufer machen bereits knapp 54 Prozent im Bereich Nicht-Lebensmittel (Nonfood) aus, lediglich 46 Prozent kaufen noch rein stationär ein.
Die Stadt Buxtehude muss eine Antwort auf das stetige Wachstum des Online-Handels finden, um Leerstand zu vermeiden und Arbeitsplätze zu sichern. Denn der Einzelhandel beschäftigt 2600 Mitarbeiter. Das sind etwa 20 Prozent der Arbeitsplätze in der Stadt Buxtehude, der Handel setzt 310 Millionen Euro im Jahr um.