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Gastro-Serie

Silo 16: Schlemmen im Architektur-Himmel

Ein eingespieltes Team: Violetta Pieprzyca und Renzo Ferrario stehen für eine ausgezeichnete Küche und herzliche Gastfreundschaft. Fotos Lepél

Ein eingespieltes Team: Violetta Pieprzyca und Renzo Ferrario stehen für eine ausgezeichnete Küche und herzliche Gastfreundschaft. Fotos Lepél

Ein attraktives, temperamentvolles Paar ist der Garant für den Erfolg des „Silo 16“ im Harburger Binnenhafen. Das Restaurant hat viele Stammkunden. Sie schätzen die leckere Küche und die ansprechende Architektur, die im Hamburger Süden ihresgleichen sucht.

Von Sabine Lepél Samstag, 13.07.2019, 11:00 Uhr

Das Restaurant mit den beeindruckenden sechs Meter hohen Decken befindet sich unten in dem zum Bürokomplex umgebauten ehemaligen Thörl-Silo am Schellerdamm. Seine Realisierung gehört zu den herausragenden architektonischen Leistungen im Binnenhafen. In den 1930er-Jahren erbaut, wurden hier einst Ölsaaten und Getreide für die Herstellung von Margarine gelagert. Im Jahr 2000 wurde dann beschlossen, das Silo umzubauen und umzufunktionieren.

Dabei entstand auch das „Silo 16“ – ein Restaurant mit Wohlfühlcharakter, das einen Hauch industriellen Charmes mit moderner Architektur verbindet und mit seinen großflächigen Glasfronten einen atemberaubenden Blick auf den Binnenhafen bietet. Deckenmalereien in einer Kuppel über der urbanen Bar, die auch in London oder New York stehen könnte, erinnern an die Sixtinische Kapelle. Für all diese architektonischen Besonderheiten wurde das „Silo 16“ auf der Architektur-Biennale in Venedig als gelungenes Beispiel für moderne Industriearchitektur ausgezeichnet.

Doch bei aller Liebe zu Architektur und Design: Die Gäste kommen natürlich vor allem wegen der leckeren Küche in das Restaurant, das von einem temperamentvollen und stilsicheren Paar geführt wird. Violetta Pieprzyca und Renzo Ferrario leiten das Haus mit Engagement und Charakter. Er steht in der Küche. Sie kümmert sich vorn um die Gäste. Beide stehen für eine ausgezeichnete Küche und herzliche Gastfreundschaft.

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Seit sechs Jahren lebt und arbeitet das Paar zusammen – inzwischen beides im Harburger Binnenhafen. Am Herd hat der italienische Koch aus Leidenschaft das Sagen. „Wenn er mal sauer ist, geh’ ich lieber aus der Küche“, sagt Violetta Pieprzyca. „Am Ende ist aber sie der Chef“, lacht Renzo Ferrario. „Es wird alles besprochen, aber schließlich entscheidet Violetta.“

Die gelernte Sommelière passt mit ihren kreativen Outfits hervorragend in das moderne Ambiente des „Silo 16“. „Ich werde oft auf meinen Kleidungsstil angesprochen“, sagt sie. „Meistens von den männlichen Gästen.“ Im Restaurant herrscht eine entspannte Atmosphäre. „Aber trotzdem vergessen wir nie, dass der Gast eben vor allem unser Gast ist“, sagt Violetta Pieprzyca. Die Restaurant-Fachfrau empfiehlt am liebsten einen ihrer italienischen Weine und ist sich darin mit ihrem Lebensgefährten einig: „Unser Lieblingswein ist ein kräftiger, fruchtig-runder Rotwein“, sagt sie.

Die Polin und der Italiener vom Comer See haben sich im Hotel Gastwerk kennengelernt, als beide dort arbeiteten. Im Anschluss ging es gemeinsam in leitende Funktionen ins The George Hotel Hamburg, bevor sie vor sechs Jahren das „Silo 16“ übernahmen. „Mein Freund Vincenzo Andronaco ist Gesellschafter, und er hat einen neuen Partner fürs Silo gesucht“, erzählt Renzo Ferrario. Das Paar griff zu und hat es bis heute nicht bereut.

Weil ihnen die Authentizität ihrer Kreationen wichtig ist, beziehen die Gastronomen nach wie vor die meisten Produkte über Andronacos bekannten „Grande Mercato“. „Er bietet Spitzenqualität“, sagt Ferrario . Auf dem Teller finden sich die frisch aus Italien importierten Waren in herausragender Verarbeitung durch den Koch aus Leidenschaft, der sein Handwerk unter anderem über 21 Jahre lang im Hamburger „La Vite“ perfektioniert hat.

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Auf der Karte finden sich klassische italienische Gerichte in einer neuen, frischen Interpretation. Die besondere Sorgfalt, mit der die Speisen zubereitet werden, ist herauszuschmecken: Pizzen und Ravioli sind hausgemacht, auch das Pizzabrot backt „Signore Ferrario“ selbst. Die selbstgemachten Soßen sind ein Genuss, denn in der Küche des „Silo 16“ wird komplett auf Stärke verzichtet. Zu den beliebtesten Gerichten gehören die außergewöhnlich leckeren Pizzen und die Tagliatelle Trüffel, im Parmesanlaib geschwenkt. Apropos Trüffel: Die köstlichen Edelknollen werden saisonal serviert, sind handverlesen, von höchster Qualität und verfeinern so manches Gericht im „Silo 16“.

Neben der festen Speisekarte, die zweimal im Jahr aktualisiert wird, gibt es eine Tagesempfehlung und zudem einen täglich wechselnden Mittagstisch mit einer Auswahl an vielen verschiedenen Gerichten, was vor allem die Mitarbeiter in den angrenzenden Firmen im Binnenhafen zu schätzen wissen. Einige Gerichte wie zum Beispiel die Pasta aus dem Parmesanlaib, Crêpe Suzette und Tatar vom Fassone-Rind, werden live am Tisch zubereitet – ein besonderes Erlebnis. Vor allem am Wochenende ist Reservierung angeraten, denn das „Silo 16“ wird oft für Feste gebucht.

„Am Anfang war der Standort nicht so einfach“, erinnert sich Renzo Ferrario. In dem noch jungen Binnenhafen gab es keine Laufkundschaft. Erst seit Kurzem entstehen rund um das Silo zunehmend auch Wohnungen. „Wir mussten einen langen Atem beweisen“, so der Koch. Inzwischen kann das Gastronomenpaar regelmäßig viele Stammgäste begrüßen. „Dafür sind wir sehr dankbar und freuen uns darüber“, sagt Violetta Pieprzyca. Das Feedback sei durchweg gut: „Wir machen einfach einen guten Job“, sagt die Fachfrau selbstbewusst. Die Zufriedenheit der Gäste und das schöne Ambiente im Silo motivierten das Team täglich neu, so die Hausherrin. Und die Liebe zu Italien – von dem das Paar glücklicherweise ein Stückchen in den Binnenhafen geholt hat.

Nicht nur nördlich der Elbe können Gourmets köstlich speisen. Auch der Hamburger Süden bietet eine Handvoll feiner Restaurants, in denen vorzügliches Essen serviert wird. Das TAGEBLATT stellt diese in lockerer Folge vor. Den Auftakt machte das „Lilium“ im Heimfelder Privathotel Lindtner. In Teil 2 ging es um das Restaurant „Leuchtturm“ an der Harburger Außenmühle. Teil 3 war dem Restaurant „Zum Dorfkrug“ in Neu Wulmstorf gewidmet. Im vierten Teil ging es ins „Momento di“ im Harburger Binnenhafen. In der Nachbarschaft liegt das Restaurant, das heute vorgestellt wird: das „Silo 16“ am westlichen Bahnhofskanal.

Silo 16: Schlemmen im Architektur-Himmel

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