Sotecs Akademie: Ihr Lehrvideo ersetzt die Schulbank
Die beiden Gründer Sebastian Witte (links) und Andreas Ott präsentieren stolz ihre Gründerstar-Urkunde . Sie erhielten den Preis in der Sonderkategorie „Bildung“. Foto: Battmer
Schulungen für Berufskraftfahrer sind gesetzlich vorgeschrieben. Ein Unterweisungsvideo der Sotecs Akademie ersetzt den klassischen Präsenzunterricht und spart den Fahrern Zeit. Dafür heimsten die Gründer Sebastian Witte und Andreas Ott einen Sonderpreis beim „Gründerstar“ ein.
Mit dem digitalen Fahrtenschreiber notieren Berufskraftfahrer Fahrt- und Pausenzeiten. Seit dem 1. Mai 2006 ist der Fahrtenschreiber unter anderem Pflicht für alle gewerblich genutzten Fahrzeuge, die über 3,5 Tonnen wiegen. Und bei Fehlern in der Bedienung kann es ganz schnell teuer werden für den Fahrer und sein Unternehmen. Das Unterweisungsvideo der Sotecs Akademie soll den Fahrern helfen, verschiedene Systeme und Geräte kennenzulernen. Es erklärt die häufigsten Fehler, wie zum Beispiel in der nachträglichen Erfassung oder falsche Einstellungen bei Länderkennzeichen.
Die überraschend simple Idee der Akademie: Statt einen ganzen Tag lang auf der Schulbank zu sitzen, können sich Berufskraftfahrer das Unterweisungsvideo anschauen. In den einstündigen Film seien viel Aufwand und Hirnschmalz geflossen. „Anderen fehlte wohl das Finanzielle oder die Idee“, sagt Sebastian Witte (39). Von der Idee bis zur ersten Fassung, die im Juni 2018 erschien, dauerte es etwa ein Jahr.
Mit den Videoschulungen sparen die Fahrer Zeit, und sie können sich die Videos bei Bedarf auch unbegrenzt oft anschauen – bei immer gleicher Qualität. „Die Zahl guter Dozenten ist schließlich auch begrenzt“, sagt Witte. Die Unternehmen sparen Geld, denn bei einer Präsenzschulung würden gut und gerne 50 Euro pro Kopf zusammenkommen. Das Video hingegen kostet einmalig ab 200 Euro. Der Film wird aktuell in weiteren Sprachen produziert, etwa in Russisch. „Ein Großteil der zwei bis drei Millionen Kraftfahrer, die in Deutschland fahren, kommt aus dem Osten“, schätzt Sebastian Witte. Für das Handschuhfach gibt es seit kurzem einen Akademie-Flyer mit den wichtigsten Informationen in acht verschiedenen Sprachen. Zukünftig möchte die Akademie noch stärker in die Unternehmensberatung gehen, wie Fördermittelberatung. Parallel zu ihrem Videokonzept bietet Sotecs auch Schulungen vor Ort an. „Es gibt einige Dinge, die bringen nur mit einer Präsenzschulung etwas“, sagt Andreas Ott (36). Der Film helfe den Fahrern vor allem im Tagesgeschäft, während die Schulungen spezieller seien.
Die beiden Gründer kennen sich noch aus gemeinsamen Handballzeiten und ergänzen sich auch beruflich gut. Andreas Ott bezeichnet sich selbst als „Laberer“, Sebastian Witte sei eher der Ruhige. „Wir vertrauen uns blind. Es ist toll, jemanden zu haben, der einen vertritt und andere Stärken hat als man selbst“, sagt Andreas Ott.
Gemeinsam gründete das Duo zunächst 2012 die Sotecs GmbH, die sich „mit allem beschäftigt, was mit Transport zu tun hat“, unter anderem Identitäts- und Echtheitsprüfung. „Sie glauben nicht, wie viele Fahrer mit falschen Ausweisen und Dokumenten unterwegs sind“, sagt Andreas Ott, „Fluch und Segen offener Grenzen.“
Das Know-how ihrer Firmen nutzen die beiden, um eine spezialisierte Ausbildung im Speditionsbereich anzubieten. „Kein Bildungsträger in der Spedition, ob Dekra oder Tüv, ist so spezialisiert wie wir“, sagt Sebastian Witte. Mit den Erfahrungen aus dem Sotecs-Geschäft könnten sie Schulungen aus realen Fehlern der Fahrer aufbauen. Und es läuft gut für das Gründerduo, das Kunden in ganz Deutschland hat: Im kommenden Jahr wollen sie einen neuen Standort für die Akademie und die Sotecs GmbH aufbauen. Wo genau, wollten sie nicht verraten, „aber wir bleiben in Stade“, sagt Sebastian Witte.
Beim „Gründerstar 2019“ wurden der gleichnamige Preis sowie Sonderpreise in den Kategorien „Mobilität“, „Bildung“ und „Mutmacher“ von der Industrie- und Handelskammer Stade für den Elbe-Weser-Raum, der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade und den regionalen Wirtschaftsförderern vergeben. Das TAGEBLATT hat in den vergangenen Wochen die Preisträger vorgestellt, dies ist der letzte Teil der Serie.