TSprengung mit Geiselnahme: Neue Details zu Flucht und Verdächtigen
Blick auf einen zerstörten Vorraum der Touristinformation am Torfhaus. Am frühen Morgen haben dort unbekannte einen Geldautomaten gesprengt. Foto: Matthias Bein/dpa
Im Harzresort „Torfhaus“ ist in der Nacht zu Sonnabend ein Geldautomat gesprengt worden. Auf der Flucht nahmen die Täter eine Frau als Geisel. Drei Männer wurden festgenommen. Jetzt wurden neue Details bekannt - und der Staatsanwalt vermutet Bandenkriminalität.
Der Schock in Niedersachsens höchstem Urlaubsort sitzt immer noch tief: In der Nacht auf Samstag hatten drei Männer den Geldautomaten im „Harzresort“ in Torfhaus gesprengt. Bei ihrer Flucht nahmen sie eine Frau aus Braunlage als Geisel. Sie wurden kurz darauf gefasst. Oberstaatsanwalt Dr. Alexander Retemeyer erklärte gegenüber der Goslarschen Zeitung, dass es sich bei den festgenommenen Verdächtigen um drei Männer aus Utrecht in den Niederlanden handelt.
Nachts gegen 2 Uhr erschütterte eine Explosion den kleinen Shop im „Harz Welcome Center“, in dem sich der Geldautomat befand. Die Detonation verwüste den kompletten Eingangsbereich – Fenster zerbarsten, Türen wurden aus den Angeln gesprengt und die Hülle des Geldautomaten aufgebrochen. Die Täter sammelten die Banknoten ein und rasten mit ihrem VW Passat über die B4 in Richtung Braunlage.
In Torfhaus wurde ein Geldautomat gesprengt. Foto: Sowa
Unfall mit Fluchtwagen
Die Flucht fand bereits am Kreisel Braunlage Süd ein vorläufiges Ende: Die Automatensprenger kamen von der Fahrbahn ab und fuhren auf eine Leitplanke auf. Der zerstörte Wagen landete im Straßengraben und die Männer machten sich zu Fuß aus dem Staub.
Die Automatensprenger hätten sich dann über mehrere Stunden in Braunlage versteckt, wie der Osnabrücker Oberstaatsanwalt der niedersäschsische Zentralstelle zur Bekämpfung von Geldausgabeautomatensprengungen gegenüber der Goslarschen Zeitung berichtete. An welchem genauen Ort die Männer ausharrten, wollte er nicht preisgeben.
Mit diesem Fluchtfahrzeug sollen die Automatensprenger zunächst verunfallt sein. Foto: Eggers
In der Tanner Straße, so hieß es aus internen Kreisen gegenüber der GZ, seien sie schließlich in den frühen Morgenstunden in eine Garage eingebrochen und hätten versucht, ein Auto der Marke Ford kurzzuschließen. Als die Besitzerin des Fahrzeugs das mitbekommen habe, sei sie von den Tätern als Geisel genommen worden.
Oberstaatsanwalt Dr. Alexander Retemeyer erklärte gegenüber der GZ: „Die Frau war rund 30 Minuten in der Gewalt der drei Männer, sie war wohl gerade auf dem Weg zum Einkaufen.“
Die GZ hatte zunächst erfahren, dass die Geisel nach mehreren Kilometern Fahrt von den Automatensprengern aus dem Fahrzeug geworfen worden sei. Die Polizei berichtete am Samstagabend, dass nach umfangreichen Fahndungsmaßnahmen bei Osterode der Zugriff auf den Fluchtwagen erfolgt sei: „Die Frau blieb hierbei unverletzt und ist wohlauf“, hieß es in der Pressemitteilung.
Geisel leidet noch unter Erlebnissen
Oberstaatsanwalt Retemeyer gegenüber der GZ über die Festnahme: „Die Beamten haben die Frau zunächst nicht wahrgenommen. Sie war auf die Rückbank gesetzt und mit dem weit nach hinten geschobenen Fahrersitz eingequetscht worden.“ Die Braunlagerin blieb zwar körperlich unversehrt, sie steht aber noch unter dem Eindruck der dramatsichen Ereignisse.
Die drei Festgenommenen wurden noch in der Nacht nach Osnabrück gebracht und sollten am Morgen einem Haftrichter vorgeführt werden. „Bei den Verdächtigen handelt es sich um drei Männer aus Utrecht, sie haben alle die niederländische Staatsbürgerschaft, haben aber nordafrikanische Wurzeln“, erklärte Dr. Retemeyer.
Er vermutet, dass die Verbrecher zu einer Bande von Automatensprengern gehören, zu der 300 bis 500 Personen zählen sollen und die in Utrecht ein regelrechtes Trainingszentrum für Automatensprengungen unterhält. Retemeyer: „Früher haben sie für die Flucht Autos gestohlen, mittlerweile mieten sie die PS-starken Boliden eher.“ Dabei würden sie immer ausreichend Treibstoff in Kanistern mit sich führen. „Dies und die nicht zum Einsatz gekommenen Sprengstoffpakete im Auto machen auch den Zugriff der Polizei so gefährlich.“
Der Unfallwagen hatte mehrere Kanister geladen. Foto: Eggers
Fluchtgefahr
Zur Sprengung des Automaten kommt für die Verdächtigen noch die Geiselnahme hinzu. Welchen genauen Straftatbestand den Männern vorgeworfen werde, sei noch in Klärung. Retemeyer geht aber davon aus, dass die Männer in Untersuchungshaft bleiben: „Es besteht sicher Fluchtgefahr!“
Die Höhe des entstandenen Sachschadens sowie die Summe des entwendeten Bargelds konnten bisher nicht weiter beziffert werden.